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Durability des glykolytischen Stoffwechsels – Auswirkung einer zweistündigen Vorbelastung auf die ‚anaerobe‘ Leistung und Kapazität

  • Quittmann, Oliver (Projektleiter*in)
  • Kipus, Honke (Teilprojektleiter*in)
  • Lell, Hannes (Projektmitarbeiter*in)
  • Beckers, Marc (Projektmitarbeiter*in)
  • Sánchez Reque, Pablo (Projektmitarbeiter*in)
  • Sondermann, Yannick M. (Projektpartner*in)

Projekt-Details

Forschungsziel

Im Profiradsport entscheiden oft Zielsprints am ende eines Rennens über die vorderen Medaillenplätze. In den letzten Jahren ist das Themengebiet der Ermüdungswiderstandsfähigkeit (durability) vermehrt geforscht wurden, um Athlet*innen dahingehend zu charakterisieren, wie sie auf langandauernde Belastungen reagieren. Dabei wurde der anaerob/glykolytische Stoffwechsel oft unzureichend einbezogen, der allerdings bei Zwischenspurts und Zielsprints hochbedeutsam ist.

Ziel dieser Studie ist es die durability des anaeroben/glykolytischen Stoffwechsels hinsichtlich seiner Kapazität und Leistungsfähigkeit zu untersuchen.

Forschungsmethodik

N = 32 trainierte Sportlerinnen aus dem Radsport/Triathlon (n = 11 Athletinnen) absolvierten verschiedenste Leistungstests an zwei Untersuchungstagen. Der erste Untersuchungstag diente der Familiarisierung und beinhaltete einen submaximalen Stufentest (60-20-5) bis ≥2.5 mmol/l Laktat, der vornehmlich der Bestimmung des maximalen Fettstoffwechsels diente. Im Anschluss daran fanden zwei all-out Sprints statt, denen ein standardisiertes, zehnminütiges Warm-Up vorausging. Während der 15-s Sprint auf die maximale Laktatbildungsrate (ċLamax) als Marker für die glykolytische Leistungsfähigkeit abzielte, wurde durch den 3-min all-out sowohl die mechanische (WEP) und metabolische (Lamax) Komponente der anaeroben Kapazität erfasst. Als Orientierung der 'critical power' diente hier die 'endtest power' (EP) über die letzten 30 der 180 s.

Nach erfolgreicher Familiarisierung, absolvierten die Proband*innen am zweiten Testtag die beiden Sprints (15 s und 3 min) vor und nach einer zweistündigen Radbelastung bei 70% der EP. Während der Belastung wurden alle 15 min die Atemgase, Herzfrequenz, Laktat- und Glukosekonzentration sowie das subjektive Belastungsempfinden (RPE) von 6–20 bestimmt. In dem Zuge dessen nahmen die Proband*innen auch alle 15 min 150 ml eines Sportgetränks zu sich, welches mit 15 g Glukosemonohydrat sowie Natriumchlorid versetzt war. Zusätzliche Wasserzufuhr erfolgte ad libitum und wurde mit der Gewichtsreduktion verrechnet, um den Schweißverlust abzuschätzen. Neben dem Sauerstoff- und Herzfrequenzdrift während der Radbelastung, wurden die Veränderungen entscheidender Kenngrößen (jeweils vier pro Test) untersucht und mit anderen (Leistungs-)Parametern korreliert.

Zentrale Forschungsergebnisse

Im Vergleich zum Vergleich zum VO2- (+8.1%) und Herzfrequenzdrift (+6.8%), wiesen viele Parameter die anaerob/glykolytischen Leistung und Kapazität deutliche Veränderungen mit großer Streuung nach der zweistündigen Radbelastung auf, die im Schnitt bei einem RPE von 14.1±1.2 und einer Laktatkonzentration von 1.8±0.9 mmol/l absolviert wurde. Die stärksten Ermüdungseffekte zeigten sich bei der anaeroben Kapazität, die sich metabolisch (-25.6±15.4%) und mechanisch (-23.1±11.6%) im Mittel um mehr als 20% reduzierte. Sowohl der Laktatanstieg nach dem 15-s Sprint (-19.5±11.3%), als auch die ċLamax (-17.7±13.2%) zeigten substantielle Veränderungen, die bei nahezu allen Proband*innen vorherrschten. Deutlich stabiler bzw. ‚ermüdungsresistenter‘ zeigten sich hingegen die EP (+0.9±3.9%), die im Mittel sogar leicht Anstieg und die maximale Leistung im 15 s und 3 min Sprint (-3.9±5.1% und –3.8±7.0%), die sich um knapp 4% im Mittel verringerte.

Im übermüdeten Zustand zeigte sich ein Zusammenhang zwischen anaerober Kapazität und Leistung, der auf mechanischer Ebene (R2 = 55%) deutlicher war, als auf metabolischer Ebene (R2 = 43%). Im Ermüdungskontext ergab sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen VO2- und Herzfrequenzdrift (r = 0.643***), als auch zwischen den prozentualen Veränderungen der Maximalleistungen im 15-s and 3-min Sprint (r = 0.507**). Dieser Zusammenhang war zwischen Veränderungen der metabolischen Leistung (ċLamax) und Kapazität (Lamax) deutlich geringer (r = 0.398*) und auf mechanischer Ebene (mittlere Leistung über 15-s und WEP) nicht signifikant (r = 0.245). Lamax-Veränderungen korrelierten mit dem VO2- (r = -0.388*) und Herzfrequenzdrift (r = -0.468**), während WEP- Veränderungen nur signifikant mit VO2-drift assoziiert waren (r = -0.579*** vs. r = -0.314).

Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass anaerobe Kapazität und Leistung im unermüdeten wie vorermüdeten Zustand unterschiedliche Fähigkeiten darstellen, die sich inter- wie intraindividuell in ihrer Ermüdungswiderstandsfähigkeit (durability) deutlich unterscheiden können. Die hohe Streuungen und verhältnismäßig geringen Zusammenhänge deuten darauf hin, dass auch die Stabilität anaerob/glykolytischer Indizes gezielt trainiert werden muss, um Sprints und Höchstleistungen nach vorangegangener Belastung zu realisieren. Daher sind Trainingsstudien notwendig um geeignete Belastungs-/Intervallarten zu identifizieren.
KurztitelDurability des glykolytischen Stoffwechsels
AkronymDurAn
StatusNicht begonnen