Teilprojekt aus Herzkinder in Bewegung (HiB)
Young Heart Champions: Walking Football für Kinder mit angeborenen Herzfehlern (AHF) – ein Pilotprojekt
Regelmäßige körperliche Bewegung und Sport sind sowohl für gesunde Kinder als auch für Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (AHF) ein bedeutender Bestandteil der körperlichen und geistigen Entwicklung. Aktuelle Leitlinien empfehlen nachdrücklich: Möglichst viele Kinder und Jugendliche mit AHF dürfen und sollen Sport treiben – ein generelles Sportverbot aufgrund der Erkrankung ist heutzutage nur noch in sehr wenigen Ausnahmefällen erforderlich.
Die Realität zeigt jedoch, dass bei Kindern und Jugendlichen mit AHF derzeit nur knapp 9% die von der WHO empfohlene Mindestmenge an körperlicher Aktivität erreichen. So ist es nicht verwunderlich, dass bei dieser Zielgruppe im Vergleich zu Herzgesunden auch eine deutliche verringerte motorische und kardiopulmonale Leistungsfähigkeit beobachtet werden kann. Die Ursachen für die mangelnde Bewegung sind vielfältig und beinhalten u.a. Unsicherheiten bei Übungsleiter*innen und Lehrer*innen, eine mögliche „Überprotektion“ der Eltern, einen möglichen Ausschluss vom Schulsport sowie ein limitiertes Angebot an zielgruppenspezifischen Angeboten. Die Konsequenzen sind offensichtlich: soziale Isolation, reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, eine verminderte Lebensqualität und ein erhöhtes gesundheitliches Risiko für typische Folgeerkrankungen wie Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Osteoporose.
Projekt „Young Heart Champions“: Im Rahmen des Pilotprojektes sollen Kinder und Jugendliche mit AHF an eine regelmäßige körperliche Aktivität herangeführt werden. Übergeordnetes Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche mit AHF positive Erfahrungen mit Sport und körperlicher Bewegung erfahren. Die Teilnehmer*innen sollen dabei insbesondere den Umgang mit der eigenen Erkrankung erlernen und Vertrauen in ihren eigenen Körper aufbauen. Wissenschaftlich untersucht werden u.a. die Machbarkeit der geplanten Bewegungsintervention sowie die erzielten physischen und psychischen Effekte.
Als Intervention wurde das sogenannte Walking Football ausgewählt. Beim Walking Football handelt es sich um eine neuartige Fußball-Variante bei der unabhängig von Alter, Geschlecht und Leistungsstand mit und gegeneinander gespielt werden kann. Es gelten folgende charakteristische Regeln: Gespielt wird nur im Gehen, Grätschen und härterer Körperkontakt sind untersagt und der Ball darf maximal hüfthoch gespielt werden. Im Vordergrund der Sportart stehen die sozialen Kontakte sowie die Freude an der Bewegung. Für die Sportmedizin von besonderer Bedeutung: Durch eine Walking Football Intervention lässt sich auch die körperliche Leistungsfähigkeit steigern, wie bereits bei kardiologischen Patient*innen eindrücklich nachgewiesen werden konnte. Aufgrund des gesundheitspräventiven Charakters wurde die Sportart kürzlich vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und der Bundesärztekammer offiziell als Präventionssport anerkannt. Aktuell bieten schätzungsweise ca. 600 Vereine in Deutschland entsprechende Angebote mit wachsender Beliebtheit an. In Zukunft vielleicht auch eine attraktive und gesundheitsfördernde Möglichkeit für Kinder und Jugendliche mit AHF?
Projekt-Konsortium: Es handelt sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln, der Kinderkardiologie der Uniklinik Köln sowie der Stiftung des 1. FC Köln. Die Projektlaufzeit beträgt 18 Monate (01.04.2025 – 30.09.2026).