Betriebliche Gesundheitsförderung: Die Betriebsärztliche Lotsenrolle und der Gesundheits-Check-up

Publikation: Buch/BerichtDissertationsschrift

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Abstract

Hintergrund:
Maßnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) haben das Ziel, mög-lichst viele Menschen für einen gesunden und aktiven Lebensstil zu sensibilisieren. Die Einbeziehung der betriebsärztlichen Expertise für die Gestaltung von BGF Maß-nahmen wird von unterschiedlichen Institutionen und Experten gefordert. Die Umset-zung dieser Forderung ist aktuell noch sehr heterogen und der Nutzen einer solchen Vorgehensweise bislang kaum belegt. Eine Möglichkeit stellt der Einsatz als soge-nannte Gesundheitslotsen dar, die im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsunter-suchungen die Mitarbeiter in passgenaue interne (und externe) Maßnahmen über-führen und deren Effekte prüfen. Im Rahmen der vorliegenden Analyse wurden die-se Abläufe hinsichtlich zugrundeliegender Qualifikationen, Standards, Prozesse und Verbesserungspotenzial evaluiert.
Methodik:
In einem deutschen, international tätigen Konzern wurden 43 bzw. 42 von 48 Be-triebsärzten per Leitfadeninterviews und darauf aufbauenden Fokusgruppengesprä-chen bzgl. der Strukturen (Gesundheitsuntersuchung inkl. der Ausgestaltung, Ge-sundheitsseminare, weitere interne und externe BGF-Maßnahmen) und Abläufe so-wie zu ihrer Rolle als Gesundheitslotsen befragt. Auf Basis der Ergebnisse wurden Handlungsempfehlungen für das Unternehmen entwickelt.
Ergebnisse:
Im Rahmen der Interviews gaben die meisten Betriebsärzte an, sich ausreichend qualifiziert bzw. informiert für die Ausübung der Lotsenfunktion (n=40) zu fühlen und zeigten eine hohe Vertrautheit mit der neu eingeführten Gesundheitsuntersuchung (n=38). Als besonders vorteilhaft sahen sie die zusätzliche Zeit, die sie mit den Pati-enten hatten (n=17) und die Möglichkeit zum Kontaktaufbau zu sonst schwer er-reichbaren Mitarbeitern (n=16). Als wichtigste Funktionen als Gesundheitslotsen wurden zielgruppengerechte Maßnahmenempfehlungen (n=28), die ärztliche Bera-tung (n=26) und die Erfassung des Gesundheitsstatus (n=11) genannt. In Bezug auf die Gesundheitsuntersuchung waren mehr als die Hälfte mit allen eingesetzten Erhe-bungsinstrumenten zufrieden (n=26). Dennoch wurde von 41 BA mindestens ein Optimierungsvorschlag geäußert. Unter anderem wurde der eingesetzte Kaluza-Fragebogen zur Stressdiagnostik kritisiert, da er wenig aussagekräftig sei (n=8) und ersetzt werden sollte (n=8). Auch der genutzte Score zur Berechnung des kardi-ovaskulären Risikos sei nicht optimal (n=21).
In den Fokusgruppen (n=42) schlugen die BA zur Betreuungsoptimierung „Digital Coaching“ und zusätzliche Qualifikationsmöglichkeiten (z.B. Motivational Intervie-wing) vor. Darüber hinaus sollte der Zugang zur Gesundheitsuntersuchung besser kommuniziert werden – insbesondere für vulnerable Mitarbeitergruppen des Unter-nehmens.
Schlussfolgerung:
Insgesamt zeigte sich eine hohe Vertrautheit mit der neuen Gesundheitsuntersu-chung. Für die eingesetzten diagnostischen Mittel gab es dabei eine mittlere bis gute Akzeptanz. Die Lotsenfunktion zeichnete sich insbesondere durch einen hohen Anteil an (motivierender) Beratung und einer individuellen Maßnahmenempfehlung aus.
Die aus den Ergebnissen formulierten Handlungsempfehlungen dienen in erster Linie der Steigerung der unternehmensinternen Qualität der Gesundheitsuntersuchung und der Lotsenfunktion. Unklar sind aktuell die Effekte auf der Mitarbeiterebene und die (langfristigen) Wirkungen möglicher Maßnahmen.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang155
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2022

Zitation