TY - BOOK
T1 - Chronobiologische Schichtgestaltung als Lösungsansatz zum langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)
AU - Langguth, Meike
PY - 2021
Y1 - 2021
N2 - Hintergrund und Zielsetzung. Diese empirische Arbeit evaluiert die Effekte einer chronobiologischen Schichtgestaltung auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Fokussiert werden dabei die Veränderung der individuellen Beanspruchung sowie der soziale Jetlag als Resultat einer gestörten circadianen Rhythmik. Die Ausprägung der circadianen Phasenlagen führt bei Schichtarbeitern in einem unterschiedlichen Maße zu Kollisionen von Wachphasen, Schlafenszeiten und Privatleben. Diese Differenz hängt von dem jeweiligen Chronotypen bzw. der daraus resultierenden genetisch vorgegeben Zeiten für maximale und minimale Leistungsfähigkeit ab. Die Lerchen und Eulen sind somit nicht gleichermaßen gut für alle Schichten geeignet und unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Schichtarbeitstoleranz und dem Ausmaß von physischen und psychischen Folgen. Vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an psychischen Erkrankungen, untersucht diese Studie inwiefern eine chronotyp- adjustierte Schichtgestaltung einen Lösungsansatz darstellt, um die Beanspruchung von Schichtarbeitern zu reduzieren und langfristig gesehen typische gesundheitliche Folgen wie das Schichtarbeitersyndrom zu mildern.
Methode. In der kontrollierten Feldstudie vermeiden die Lerchen die Nachtschicht und die Eulen reduzieren die Früh- bzw. die Spätschicht. Der Interventionszeitraum beträgt zwölf Monate und die Untersuchungen sind im Pre Post-Design angelegt. Die individuelle Beanspruchung der 53 männlichen Probanden wird an den jeweils ersten drei Tagen der drei Schichten über HRV-Messungen mit der Polar V800 und dem dazugehörigen H7 Brustgurt erfasst. RMSDD, SDNN, HF, LF und LF/HF-Ratio indizieren dabei die Sympathikus- bzw. Parasympathikusaktivität und lassen Rückschlüsse auf die Beanspruchung während der Arbeit und der Regenerationsfähigkeit im Schlaf zu. Dabei werden aus den HRV- Langzeitmessungen für jeden Probanden 810 fünfminütige Messzeiträume aus den Langzeitmessungen extrahiert. Zusätzlich wird die Veränderung der Schichttoleranz im Verlauf der ersten drei Schichttage ebenfalls im Kontext der Arbeit und im Schlaf überprüft. Alle HRV-Rohdaten werden in dem Programm Kubios Standard HRV aufbereitet und von Artefakten bereinigt (< 3 %). Der soziale Jetlag wird mit dem Fragebogen MCTQShift ermittelt. Zur Überprüfung der Veränderung werden alle Daten inferenzstatistisch mittels einer AN(C)OVA im Programm IBM SPSS Statistics analysiert. Dabei wird der D-MEQ als Instrument zur Erfassung des Chronotyps als Kovariate einbezogen.
Das Vorliegen des Basic Rest Activity Cycle (BRAC) trotz Chronodisruption wird bei den Probanden anhand der 24 h HRV-Messungen analysiert. Die BRAC-A Methode dient als Algorithmus, um mittels Matlab die optimalen Segmentlängen des physiologischen Mechanismus zu identifizieren.
Ergebnisse. Die HRV zeigt bezüglich der Beanspruchung in keinem Parameter signifikante Veränderungen, obwohl positive Effekte sichtbar werden. Der RMSSD verändert sich hingegen statistisch signifikant im Verlauf der Schichttage (p = 0,003; partielles η2 = 0,479) und deutet bei der Post-Messung durch eine erhöhte parasympathische Aktivität eine geringere Beanspruchung an. Auch die LF/HF-Ratio während des Schlafes konnte im Verlauf der Schichttage signifikant reduziert werden (p = 0,033; partielles η2 = 0,620). Dies deutet auf eine verbesserte sympathovagale Balance hin.
Der soziale Jetlag konnte mit einer signifikanten Verbesserung in der Früh- und der Nachtschicht (p = 0,034; partielles η2 = 0,410) sowie einer durchschnittlichen Senkung um ca. eine Stunde die individuelle Beanspruchung der Probanden senken und deren Gesundheit positiv beeinflussen. Den erfolgsversprechenden Ansatz einer chronobiologischen Schichtgestaltung stützt auch der Befund, dass bei den Schichtarbeitern BRAC-Zyklen in den HRV-Aufzeichnungen identifiziert werden konnten und diese trotz Einflussvariablen stabil bleiben.
Diskussion. Kritisch zu betrachten ist neben der geringen Stichprobengröße auch die Störanfälligkeit der HRV und damit deren Betrachtung als Indikator für den Gesundheitszustand. Hier bedarf es weitere Forschungsarbeit, um zu klären, inwiefern die HRV und der soziale Jetlag die Gesundheit und mögliche Folgeerkrankungen direkt beeinflussen. Da in einer komplexen Studie wie dieser viele Co-Abhängigkeiten zu anderen Variablen bestehen, liegt die Herausforderung von zukünftigen Studien in der Klärung dieser Zusammenhänge. Dennoch bestätigen die Ergebnisse dieser Studie, dass eine chronotyp- adjustierte Schichtgestaltung ein präventiver Ansatz im Kampf gegen den demografischen Wandel darstellt. Die Berücksichtigung der individuellen Chronotypen könnte Unternehmern die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten sichern.
AB - Hintergrund und Zielsetzung. Diese empirische Arbeit evaluiert die Effekte einer chronobiologischen Schichtgestaltung auf die Gesundheit der Mitarbeiter. Fokussiert werden dabei die Veränderung der individuellen Beanspruchung sowie der soziale Jetlag als Resultat einer gestörten circadianen Rhythmik. Die Ausprägung der circadianen Phasenlagen führt bei Schichtarbeitern in einem unterschiedlichen Maße zu Kollisionen von Wachphasen, Schlafenszeiten und Privatleben. Diese Differenz hängt von dem jeweiligen Chronotypen bzw. der daraus resultierenden genetisch vorgegeben Zeiten für maximale und minimale Leistungsfähigkeit ab. Die Lerchen und Eulen sind somit nicht gleichermaßen gut für alle Schichten geeignet und unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Schichtarbeitstoleranz und dem Ausmaß von physischen und psychischen Folgen. Vor dem Hintergrund der steigenden Anzahl an psychischen Erkrankungen, untersucht diese Studie inwiefern eine chronotyp- adjustierte Schichtgestaltung einen Lösungsansatz darstellt, um die Beanspruchung von Schichtarbeitern zu reduzieren und langfristig gesehen typische gesundheitliche Folgen wie das Schichtarbeitersyndrom zu mildern.
Methode. In der kontrollierten Feldstudie vermeiden die Lerchen die Nachtschicht und die Eulen reduzieren die Früh- bzw. die Spätschicht. Der Interventionszeitraum beträgt zwölf Monate und die Untersuchungen sind im Pre Post-Design angelegt. Die individuelle Beanspruchung der 53 männlichen Probanden wird an den jeweils ersten drei Tagen der drei Schichten über HRV-Messungen mit der Polar V800 und dem dazugehörigen H7 Brustgurt erfasst. RMSDD, SDNN, HF, LF und LF/HF-Ratio indizieren dabei die Sympathikus- bzw. Parasympathikusaktivität und lassen Rückschlüsse auf die Beanspruchung während der Arbeit und der Regenerationsfähigkeit im Schlaf zu. Dabei werden aus den HRV- Langzeitmessungen für jeden Probanden 810 fünfminütige Messzeiträume aus den Langzeitmessungen extrahiert. Zusätzlich wird die Veränderung der Schichttoleranz im Verlauf der ersten drei Schichttage ebenfalls im Kontext der Arbeit und im Schlaf überprüft. Alle HRV-Rohdaten werden in dem Programm Kubios Standard HRV aufbereitet und von Artefakten bereinigt (< 3 %). Der soziale Jetlag wird mit dem Fragebogen MCTQShift ermittelt. Zur Überprüfung der Veränderung werden alle Daten inferenzstatistisch mittels einer AN(C)OVA im Programm IBM SPSS Statistics analysiert. Dabei wird der D-MEQ als Instrument zur Erfassung des Chronotyps als Kovariate einbezogen.
Das Vorliegen des Basic Rest Activity Cycle (BRAC) trotz Chronodisruption wird bei den Probanden anhand der 24 h HRV-Messungen analysiert. Die BRAC-A Methode dient als Algorithmus, um mittels Matlab die optimalen Segmentlängen des physiologischen Mechanismus zu identifizieren.
Ergebnisse. Die HRV zeigt bezüglich der Beanspruchung in keinem Parameter signifikante Veränderungen, obwohl positive Effekte sichtbar werden. Der RMSSD verändert sich hingegen statistisch signifikant im Verlauf der Schichttage (p = 0,003; partielles η2 = 0,479) und deutet bei der Post-Messung durch eine erhöhte parasympathische Aktivität eine geringere Beanspruchung an. Auch die LF/HF-Ratio während des Schlafes konnte im Verlauf der Schichttage signifikant reduziert werden (p = 0,033; partielles η2 = 0,620). Dies deutet auf eine verbesserte sympathovagale Balance hin.
Der soziale Jetlag konnte mit einer signifikanten Verbesserung in der Früh- und der Nachtschicht (p = 0,034; partielles η2 = 0,410) sowie einer durchschnittlichen Senkung um ca. eine Stunde die individuelle Beanspruchung der Probanden senken und deren Gesundheit positiv beeinflussen. Den erfolgsversprechenden Ansatz einer chronobiologischen Schichtgestaltung stützt auch der Befund, dass bei den Schichtarbeitern BRAC-Zyklen in den HRV-Aufzeichnungen identifiziert werden konnten und diese trotz Einflussvariablen stabil bleiben.
Diskussion. Kritisch zu betrachten ist neben der geringen Stichprobengröße auch die Störanfälligkeit der HRV und damit deren Betrachtung als Indikator für den Gesundheitszustand. Hier bedarf es weitere Forschungsarbeit, um zu klären, inwiefern die HRV und der soziale Jetlag die Gesundheit und mögliche Folgeerkrankungen direkt beeinflussen. Da in einer komplexen Studie wie dieser viele Co-Abhängigkeiten zu anderen Variablen bestehen, liegt die Herausforderung von zukünftigen Studien in der Klärung dieser Zusammenhänge. Dennoch bestätigen die Ergebnisse dieser Studie, dass eine chronotyp- adjustierte Schichtgestaltung ein präventiver Ansatz im Kampf gegen den demografischen Wandel darstellt. Die Berücksichtigung der individuellen Chronotypen könnte Unternehmern die Arbeitsfähigkeit ihrer Beschäftigten sichern.
M3 - Dissertationsschrift
BT - Chronobiologische Schichtgestaltung als Lösungsansatz zum langfristigen Erhalt der Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM)
PB - Deutsche Sporthochschule Köln
CY - Köln
ER -