Coaching zur Steigerung der körperlichen Aktivität: Systematische Übersicht und empirische sowie konzeptionelle Arbeiten unter besonderer Berücksichtigung des Arbeitsplatzes

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Abstract

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist nicht ausreichend körperlich aktiv, um die tägliche sit- zende Zeit, z. B. am Arbeitsplatz, auszugleichen. Die Weltgesundheitsorganisation identifiziert den Arbeitsplatz als ein Schlüsselsetting für Maßnahmen zur Steigerung der körperlichen Aktivität, da er viele Besonderheiten, wie eine gute Erreichbarkeit unterschiedlicher Bevölke- rungsschichten aufweist. Allerdings gibt es bei der Erreichbarkeit Unterschiede bezüglich ein- zelner Berufsgruppen. Eine Berufsgruppe, die nur sehr schwer am Arbeitsplatz zu erreichen ist und daher bislang in der Gesundheitsförderung vernachlässigt wird, sind Berufskraftfahrer*in- nen. Speziell für diese Berufsgruppe, aber auch allgemein für den Arbeitsplatz ist es essentiell, effektive Maßnahmen zur Steigerung von kör- perlicher Aktivität sorgfältig zu entwickeln und zu evaluieren. Eine Maßnahme zur Steigerung der körperlichen Aktivität, die am Arbeitsplatz als besonders vielversprechend hervorgehoben wird, ist das Coaching. Dieses kann als perso- nenzentrierter Ansatz definiert werden, der die Coachees (zu coachenden Personen) befähigen und ermutigen soll, (wieder) Verantwortung für das eigene Aktivitätsverhalten zu übernehmen, um dieses Verhalten dauerhaft zu ändern. Das Coaching zur Steigerung der körperlichen Akti- vität basiert auf vielfältigen Coaching-Parame- tern, wie den zeitlichen Parametern (z.B. Anzahl und Frequenz der Coachinginteraktionen), den organisatorischen Parametern (z.B.
Kommunikationsmedium), sowie den Coaching-Techniken (d.h. Verhaltensände- rungstechniken).
Das übergeordnete Ziel der Dissertation ist die Analyse verschiedener Gestaltungsmöglichkei- ten des Coachings zur Steigerung der körperli- chen Aktivität (u.a. Theoriebasierung, Einsatz von Coaching-Techniken) unter besonderer Be- rücksichtigung des Arbeitsplatzes. Zur Bearbei- tung dieses übergeordneten Ziels wurden ins- gesamt vier untergeordnete Zielstellungen erar- beitet.
Das Ziel der ersten Publikation war die Erstel- lung der ersten systematischen Übersichtsarbeit zum Coaching zur Steigerung der körperlichen Aktivität, um den bisherigen Forschungsstand zu diesem Forschungsbereich zu präsentieren. Publikation 1 fasste als Kernergebnis eine große Vielfalt an unterschiedlichen Coachinginterven- tionen mit ihren Coaching-Parametern zur Stei- gerung der körperlichen Aktivität am Arbeits- platz aus der bisherigen Literatur zusammen. Diese Vielfalt lässt sich auf die facettenreichen und flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten der ein- zelnen Coaching-Parameter zurückführen. Die Coaching-Parameter ermöglichen so einen ho- hen Individualisierungsgrad des Coachings. Na- hezu alle zeigten mindestens einen kleinen po- sitiven Effekt auf mindestens eine der Aktivitäts- variablen.
Das Ziel der zweiten Publikation war es, ein mo- tivationales und ein volitionales Coaching zur Steigerung der körperlichen Aktivität bei
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Berufskraftfahrer*innen zu evaluieren. Zwei In- terventionsgruppen bekamen das motivatio- nale Coaching, eine Interventionsgruppe zu- sätzlich ein volitionales Coaching und die Kon- trollgruppe bekam gar kein Coaching. Zur Aus- übung der körperlichen Aktivität bekamen alle drei Gruppen ein fahrzeugintegriertes Fitness- gerät. Publikation 2 zeigte, dass die körperliche Aktivität in allen drei Gruppen gesteigert wer- den konnte. Allerdings führte weder das moti- vationale noch das volitionale Coaching zu dem erwarteten Ergebnis. Daher konnte es nicht als erfolgreiche Strategie für Berufskraftfahrer*in- nen evaluiert werden. Eine Begründung für die Steigerung der körperlichen Aktivität aller Be- rufskraftfahrer*innen könnte allein die Bereit- stellung des fahrzeugintegrierten Fitnessgeräts als Möglichkeit zur Ausübung der körperlichen Aktivität gewesen sein, da die Möglichkeiten körperlich aktiv zu sein für diese Berufsgruppe limitiert sind.
Das Ziel der dritten Publikation war eine theo- riebasierte Analyse von Bedürfnissen der Be- rufskraftfahrer*innen mithilfe qualitativer Inter- views, um daraus (neben dem Coaching) indivi- duelle Maßnahmen zur Steigerung der körperli- chen Aktivität am Arbeitsplatz abzuleiten. Pub- likation 3 spiegelte eine große Anzahl an unter- schiedlichen Bedürfnissen in Form von Fähigkei- ten, Möglichkeiten in der Umgebung und moti- vationalen Aspekten wider. Es wurde herausge- funden, dass die Bedürfnisse dieser Kategorien nicht getrennt voneinander berücksichtigt wer- den können. Dementsprechend bedeutet dies
für die Entwicklung von Maßnahmen zur Steige- rung der körperlichen Aktivität bei Berufskraft- fahrer*innen, dass sowohl die Verbesserung der Fähigkeiten, die Eröffnung von Möglichkeiten in der Umgebung als auch die Steigerung der Mo- tivation in Kombination bedacht werden sollten.
Ziel der vierten Publikation war es, eine theore- tische Herleitung und Darstellung von einem theoriebasierten motivationalen und volitiona- len Coaching mitunter zur Steigerung der kör- perlichen Aktivität zu präsentieren, um dem Mangel an theoretischen Herleitungen von ge- sundheitsfördernden Interventionen in der Lite- ratur entgegenzuwirken. In der Publikation 4 wurde beispielhaft dargestellt, wie Theorien und Modelle als Ansatzpunkt für eine Coachingin- tervention genutzt und daraus die geeigneten Coaching-Techniken abgeleitet werden können. Für dieses Coaching wurden auf Basis der ge- wählten Coaching-Techniken theoriebasierte Coaching-Tools sowie ein theoriebasierter Leit- faden zur Auswahl des passenden Coaching- Tools entwickelt, die auf die individuellen Be- dürfnisse der Coachees abgestimmt sind.
Abschließend zeigt diese Dissertation mit ihrer systematischen Übersichtsarbeit und den empi- rischen, sowie konzeptionellen Arbeiten, dass Coaching eine 1) theoriebasierte, 2) hochindivi- dualisierbare und 3) kombinierbare Maßnahme zur Steigerung der körperlichen Aktivität am Ar- beitsplatz darstellt. Zusammenfassend zeigen die Ergebnisse dieser Dissertation hinsichtlich der 1) Theoriebasierung, dass Theorien und Mo- delle helfen, begründete Entscheidungen für
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spezifische Coaching-Techniken zu treffen und somit die theoretischen Wirkmechanismen für die weitere Forschung und Praxis sichtbar ma- chen. Des Weiteren zeigen die Ergebnisse, dass Coachings durch den 2) hohen Individualisie- rungsgrad der vielen Coaching-Parameter eine flexible, aber auch komplexe Maßnahme dar- stellt. Durch den hohen Individualisierungsgrad entsteht einerseits die Herausforderung, dass Coaching schwer zu vergleichen ist, andererseits entsteht die Chance, alle Parameter auf das Set- ting und dessen Besonderheiten, sowie auf die Zielgruppe und deren Präferenzen und Bedürf- nisse anzupassen, um den größtmöglichen Ef- fekt zu generieren. Im Hinblick auf 3) Kombi- nierbarkeit zeigen die Ergebnisse dieser Disser- tation, dass zusätzlich zum Coaching als verhal- tensorientierte Maßnahme am Arbeitsplatz auch verhältnisorientierte Maßnahmen (z.B. Be- reitstellung von Trainingsgeräten, Schaffung von Räumen zur körperlichen Aktivität) Poten- zial bieten. Durch diese Kombination kann die Ganzheitlichkeit der Aktivitätssteigerung geför- dert werden. So kann die Ganzheitlichkeit der Aktivitätssteigerung durch die Förderung der ei- genen motivationalen und volitionalen Fähig- keiten als auch die Änderung des Settings reali- siert werden.
Abschließend trägt diese Dissertation dazu bei, die Forschung zu Coaching und seinen Gestal- tungsmöglichkeiten fortzuführen und das Coaching zur Steigerung der körperlichen Akti- vität als eine theoriebasierte und gut kombinier- bare Maßnahme hervorzuheben, die aufgrund
ihrer vielen Coaching-Parameter zwar komplex aber auch hochindividualisierbar gestaltet wer- den kann. Durch diese individualisierbaren Ge- staltungsmöglichkeiten kann das Coaching als Maßnahme an den Arbeitsplatz und dessen Be- sonderheiten angepasst werden.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang118
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2024

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