Das kinematische und elektromyographische Gangbild von Bandscheibenpatienten mit segementalen Stabilitätsstörungen: Quantifizierung von Dysfunktionen und Therapieeffekten

Dagmar Bangert

Publikation: Buch/BerichtDissertationsschrift

1737 Downloads (Pure)

Abstract

Rückenschmerzen können durch schwer nachweisbare Stabilitätsverluste innerhalb der Wirbelsäulensegmente verursacht werden, die aus Veränderungen in den passiven Strukturen der Wirbelsäule oder in den neuromuskulären Aktivitäten von segmental stabilisierenden Muskeln resultieren. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Evaluation der Therapierbarkeit von segmental stabilisierenden Strukturen durch spezielle Bewegungsprogramme auf der Basis einer quantitativen Analyse des Stabilisierungs- und des Bewegungssystems von Bandscheibenpatienten im Bereich der Lendenwirbelsäule. Mit Hilfe einer Querschnittsanalyse wurde zuerst überprüft, inwieweit Rückenpatienten mit einem Bandscheibenvorfall Höhe L4/5 bzw. L5/S1 sich in ihrem Gangbild von Rückengesunden unterscheiden. Dafür wurden bei den Probanden sowohl die dreidimensionalen kinematischen Hüft-, Becken- und Lendenwirbelsäulen- Bewegungen als auch das elektromyographische Gangbild (beidseitig: M. transversus abdominis/M. obliquus internus, M. mulitifidus und M. gluteus medius) vermessen. Analysiert wurden der zeitliche Verlauf, die mittleren Amplituden und die Schritt- zu Schritt-Variabilitäten der kinematischen und elektromyographischen Daten. Im Vergleich zu den erheblichen inter- und intraindividuellen Unterschieden beim Gehen der rückengesunden Probanden, weichen Gangverhalten und Muskelaktivität bei chronischen Rückenpatienten im einzelnen deutlich stärker ab. Krankhafte Abweichungen lassen sich daher mithilfe eines in dieser Studie entwickelten Deviationsindexes quantitativ erfassen. In einer sich anschließenden Längsschnittstudie wurden die Patienten über einen Zeitraum von 4 Monaten von einer Physiotherapeutin behandelt. Während ein Teil der Patienten ein Stabilisations- und Mobilisationstraining absolvierte, führte die Vergleichsgruppe ein neuromuskuläres dreidimensionales Koordinationstraining nach spiraldynamischen Leitlinien durch. Nach Ende der Therapie wurden die oben genannten kinematischen und elektromyographischen Parameter erneut gemessen und analysiert. Es konnte in beiden Therapiegruppen eine Annäherung des Gangverhaltens an die rückengesunde Vergleichsgruppe nachgewiesen werden. Auffällig waren die signifikant größeren Fortschritte bei neuromuskulärem Koordinationstraining. So konnte in dieser Gruppe die Anzahl der als krankhaft definierten Bewegungen signifikant reduziert werden. Insgesamt konnte nachgewiesen werden, dass sich das Bewegungs- und Stabilisierungssystem beim Gehen durch Therapien nachhaltig beeinflussen lässt, die Art der Therapie jedoch für das Ausmaß und die Richtung der Veränderungen entscheidend ist.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang365
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2010

Zitation