Das Praxisverständnis als zentrales Element der Fachlichkeitskonstruktion im Fach Musik

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    Abstract

    Anders als das Fach Sport, zählt Musik nicht als sog. großes Fach: Es wird i.d.R. nicht durchgängig unterrichtet, sondern teilweise in ästhetisch-künstlerischen Fächerverbünden bzw. im Wahlpflichtbereich verortet. Umso größer scheint daher der Druck, Begründungen zum Erhalt oder gar Ausbau des Faches im Fächerkanon zu liefern. Im musikdidaktischen Diskurs lässt sich ein Rekurs auf drei prominente fachbezogene Legitimationsmuster ausmachen: In anthropologischer Sichtweise wird Musik als unentbehrlich zur vollgültigen Entfaltung der Person aufgefasst. Die kulturtheoretische Argumentation hingegen betont die kulturelle Bedeutung von Musik und sieht den Auftrag des Musikunterrichts somit in der Ermöglichung sozial-kultureller Teilhabe. Das ästhetische Paradigma wiederum hebt den Erkenntnisgewinn durch musikalisch-ästhetische Wahrnehmung und Sinneserfahrung als einen eigenständigen und unersetzlichen Modus der Selbst- und Welterfahrung hervor (Jank, 2017). An den unterschiedlichen Legitimationsmustern orientierte fachliche Konzeptionen nehmen wiederum unterschiedliche Ausdeutungen eines musikpädagogischen Praxisbegriffs vor. Konkurrierende Praxisbegriffe stehen sich in einer bildungstheoretischen Lesart in der ‚Verständigen Musikpraxis‘ (Kaiser, 2010), in einem lerntheoretischen Verständnis, das v. a. im ‚Aufbauenden Musikunterricht‘ aufscheint, sowie unter der Perspektive der ästhetischen Wahrnehmung gegenüber. Letztere hebt vor allem die Selbstgenügsamkeit ästhetischer Praxis hervor, deren Zweck allein in sich selbst, im erfüllten Vollzug liegt (Campos, 2019). Insbesondere im Rahmen der Verständigen Musikpraxis wird eine differenzierte Bestimmung des Praxisbegriffs vorgenommen: Während die sog. Verbrauchspraxis als beiläufiger bzw. passiver Umgang mit Musik eine eher nachgeordnete Rolle spielt, liefern die auf eine Zweck-Mittel-Relationierung rekurrierende Gebrauchspraxis sowie die verständige Musikpraxis, die aus der herstellenden, zweckgerichteten Tätigkeit (Poeisis) sowie dem Prozess der Tätigkeit (Praxis) besteht, Anknüpfungspunkte auch für sportfachliche Fragen. Im Vortrag sollen die Auslegungen des Praxisbegriffs in der Musikpädagogik und die einhergehenden pädagogischen Zielvorstellungen mit Bezug zu sportdidaktischen Strömungen befragt werden.
    OriginalspracheDeutsch
    TitelFigurationen sportpädagogischer Forschung und Lehre : 34. Jahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik vom 03. Juni - 04. Juni 2021
    Herausgeber*innenVera Volkmann, Peter Frei, Alexander Kranz
    Seitenumfang1
    ErscheinungsortHildesheim
    Herausgeber (Verlag)Universitätsverlag Hildesheim
    Erscheinungsdatum06.05.2021
    Seiten31
    DOIs
    PublikationsstatusVeröffentlicht - 06.05.2021
    VeranstaltungJahrestagung der dvs-Sektion Sportpädagogik: Figurationen sportpädagogischer Forschung und Lehre - Online, Hildesheim, Deutschland
    Dauer: 03.06.202104.06.2021
    Konferenznummer: 34
    https://www.uni-hildesheim.de/34-jahrestagung-der-dvs-sektion-sportpaedagogik/

    Zitation