Der Verlauf ausgewählter Stressreaktionen unter physischen und psychosozialen Stressoren: Implikationen für die Betriebliche Gesundheitsförderung

Publikation: Buch/BerichtDissertationsschrift

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Abstract

Einleitung: Psychische Erkrankungen nehmen nach wie vor eine enorme Rolle bei der Ent-stehung von Arbeitsunfähigkeiten ein. Sportliche Aktivität, als Ausgleich zu psychischen Belastungen, ist bei vielen Menschen mittlerweile ein fester Bestandteil. Dabei erhält besonders das High-intensity interval training (HIIT) als zeiteffizienter Stimulus Einzug in Breiten-, Leistungs- und Gesundheitssport. Der aktuelle Forschungsstand belegt aller-dings, dass abhängig von der gewählten Intensität, körperliche Aktivität sowohl eine hormonelle als auch eine Stressreaktion des autonomen Nervensystems hervorruft. Nicht erforscht ist hingegen, als wie intensiv die stressgenerierende Belastung im Vergleich zu einem standardisierten psychosozialen Stressor eingestuft werden kann. Zusätzlich herrscht einerseits Unklarheit darüber, inwiefern die stressbedingten Adaptationsvorgän-ge stressorübergreifend gelten und andererseits, welche positiven Effekte mit einer akuten Stressbelastung einhergehen. Die Auswirkungen stressbedingter Belastungen sind insbesondere für das noch verhältnismäßig junge Forschungsfeld der Betrieblichen Ge-sundheitsförderung (BGF) relevant. Die bisherige Literatur weist eine große Heterogeni-tät hinsichtlich Fragestellung, Repräsentativität und Methodik auf. Die hier eingesetzte Stressprävention / Stressbewältigung basiert aktuell auf nicht-evidenzbasierten Interven-tionen, die i. d. R. keine objektiven, biologischen Stressparameter zur Evaluation verwen-den. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die stressgenerierende aber auch potentiell vor-teilhafte Wirkung von intensiver körperlicher Aktivität mithilfe eines standardisierten psychosozialen Stressors zu quantifizieren und hieraus den Rahmen für evidenzbasierte Forschungs- und Interventionsansätze, u. a. für das Setting Betrieb, zu generieren.
Methoden: 32 gesunde Männer wurden sowohl einem akuten physischen Stressor (mul-tipler Wingate -Test – WG), als auch einem akuten psychosozialen Stressor (Trierer Sozi-aler Stresstest – TSST) ausgesetzt. Zur Erfassung der objektiven Anpassungen wurden Cortisol, die Herzratenvariabilität (HRV) und Laktat vor und nach Applikation des Stres-sors erhoben. Darüber hinaus wurden die State-Version des State-Trait-Anxiety Inventory (STAI), der Primary Appraisal Secondary Appraisal (PASA) und eine visuelle Analogskala (VAS) als stressrelevante Fragebögen zur Ermittlung subjektiver Anpassungsreaktionen eingesetzt. Des Weiteren wurde der neurotrophe brain-derived neurotrophic factor (BDNF) vor und nach TSST-Induktion als auch bei einer Kontrollbedingung erhoben.
Ergebnisse: Sowohl der WG als auch der TSST führten zu einer signifikanten Veränderung von Cortisol, HRV, Laktat und der wahrgenommenen Angst, im Vergleich zur Baseline. Gegenüber dem WG, führte der TSST zu einem signifikant höheren Stressindex und stär-ker ausgeprägter Bedrohungsdimension des PASA.
Während sich eine signifikante, TSST-abhängige BDNF-Veränderung nachweisen ließ, konnte in der Kontrollbedingung keine signifikante Veränderung festgestellt werden.
Schlussfolgerung: Neben den vorteilhaften Effekten eines HIIT-Trainings ist intensive kör-perliche Aktivität ebenfalls als Stressor zu bewerten, die im Vergleich zu psychosozialem Stress als subjektiv weniger relevant eingestuft wird. Demnach scheint eine signifikant gesteigerte biologische Stressreaktion nicht zwangsläufig mit einem entsprechend wahr-genommenen Stress einherzugehen. Gleichzeitig konnte ein TSST-bedingter Anstieg des BDNF und somit eine positive biologische Veränderung in Folge eines akuten psychosozi-alen Stressors nachgewiesen werden. Mithilfe der hier ermittelten Grundlagenergebnis-se lassen sich weitere Forschungsansätze aufstellen, die beispielsweise dem Ziel einer evidenzbasierten Interventionsgestaltung im Setting Betrieb dienen können.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang22
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2021

Zitation