Die Auswirkungen eines präoperativen aeroben Ausdauertrainings bei alten Patienten (CAB,>70 Jahren) mit Indikation zu einer Bypass-Operation auf die Entwicklung der Gefäßelastizität und Endothelfunktion (EndoPAT, Pulswellenanalyse), der funktionalen Kapazität (6 MWT), der Lebensqualität und der Aktivität des täglichen Lebens (ADL)

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Abstract

Einleitung: Die meisten Patienten vor elektiver aortokoronarer Bypass-Operation sind während der Wartezeit inaktiv, um weitere Risiken zu vermeiden. Ziel dieser prospek- tiven randomisierten kontrollierten Interventionsstudie war es, die Auswirkungen eines zweiwöchigen präoperativen überwachten aeroben Ausdauertraining auf die Gefäß- elastizität und Endothelfunktion, funktionale Kapazität, Lebensqualität und Aktivität des täglichen Lebens bei Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit (KHK) und Indikation zur aortokoronaren Bypass-Operation zu untersuchen. Methodik: Insgesamt wurden n = 203 Patienten (n = 21 Frauen; n = 182 Männer; 67,1 ± 8,4 Jahre) randomisiert einer Interventions- (IG, n = 88, 9 Frauen; 79 Männer; 66,1 ± 9,0 Jahre) oder Kontrollgruppe (KG, n = 115, 12 Frauen; 103 Männer; 67,9 ± 7,9 Jahre) zugeordnet. Zum Zeitpunkt der Randomisierung bestand kein bedeutender Unterschied zwischen den Gruppen. Die Drop-Out-Rate betrug 25,7% (n = 59). Die Gründe für den Drop-Out waren nicht auf das präoperative Training zurückzuführen. Das präoperative Interventionsprogramm bestand aus einem zweiwöchigen aeroben Ausdauertraining mit Monitoring, bei dem die Patienten sechs Trainingseinheiten mit einer Intensität von 70% der Preak VO2 auf dem Fahrradergometer absolvierten. Die KG trainierte nicht. Zu Beginn (T1), einen Tag präoperativ (T2), zu Rehabilitations- beginn (T3) und -ende (T4) wurden folgende Untersuchungen durchgeführt: Endo- PAT®-Messung (Periphere Arterielle Tonometrie), Pulswellenanalyse (Mobil-O- Graph®), Spiroergometrie, Sechs-Minuten-Gehtest (6MWT) und Timed up and go Test (TUG). Ergänzend wurde der MacNew-Fragebogen (T1-T4) verwendet, um die Le- bensqualität (QoL) zu überprüfen, der HADS-D-Fragebogen, um Angst und Depres- sion (T1-T4) zu erfassen sowie der MOSES-Fragebogen zur Bestimmung der Mobili- tät, Selbstversorgung und des häuslichen Lebens (T3,T4). Ergebnisse: Das präoperative aerobe Ausdauertraining verlief komplikationslos und wurde von den Patienten gut toleriert. Präoperativ wurde in beiden Gruppen eine signi- fikante Veränderung der funktionalen Kapazität festgestellt, die in der IG signifikant deutlicher war (6MWD: IG: Δ 50,5 m, p < 0,001; KG: Δ 14,2 m, p < 0,001; p = 0,003; TUG: IG: Δ 0,8 s, p < 0,001; KG: Δ 0,1 s, p < 0,001; p = 0,018). Patienten der IG zeigten präoperativ eine signifikant höhere Reduktion der Blutdruckwerte im Vergleich zur KG (systolischer Blutdruck (sysBD): IG: Δ 8,2 mmHg, p < 0,001; KG: Δ 3,2 mmHg; p < 0,001; p = 0,020; diastolischer BD (diasBD): IG: Δ 5,6 mmHg, p < 0,001; KG: Δ 1,2 mmHg, p < 0,001; p = 0,003). Weiterhin wurde präoperativ in allen Domänen der QoL eine signifikant bessere Entwicklung in der IG festgestellt (IG: Δ 0,3 - 0,4, p ≤ 0,001; KG: Δ 0 - 0,1; p ≤ 0,001; p < 0,001). Zu Beginn der Rehabilitation (T3) zeigten sich insbesondere bei der funktionalen Kapazität positive Effekte der präoperativen Inter- vention (6MWT: T1 vs. T3: IG: Δ -64,7 m; KG: Δ -100,8 m; p = 0,013; T1 vs. T4: IG: Δ +47,2 m; KG: Δ +5,7 m; p < 0,001; TUG: T1 vs. T3: IG: Δ +1,4 s; KG: Δ +2,6 s; p = 0,003). Eine altersspezifische Analyse der > 70-Jährigen zeigte bei keinem Para- meter eine signifikante Interaktion zwischen Gruppe und Alter. Die älteren Patienten zeigten jedoch im Vergleich zu den ≤ 70-Jährigen signifikant niedrigere Werte bei fol- genden Parametern: diasBD (T1, T2, T4: p < 0,01), zentraler diastolischer Blutdruck (T1, T2, T4: p < 0,02), Sechs-Minuten-Gehstrecke (T3, T4: p < 0,02), maximal erreichte Ergometerleistung (Wattmax, T1-T4: p < 0,05), maximal erreichte Sauerstoffaufnahme (Peak VO2, T1-T4: p < 0,02) und HADS-D Summenskala für Angst (T1-T3: p < 0,04). Signifikant höhere Werte zeigten sich bei den älteren im Vergleich zu den jüngeren Patienten sowohl beim TUG (T1-T4: p < 0,001), in der Pulswellengeschwindigkeit (T1- T4: p < 0,001) und dem MOSES-Item „Gehen mit Hilfe“ (T4: p < 0,02). Das präopera- tive Ausdauertraining zeigte keinen signifikanten Einfluss auf die Endothelfunktion und Gefäßelastizität, die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit, Angst und Depression oder auf die Ergebnisse des MOSES-Fragebogens. Diskussion: Ein kurzzeitiges aerobes Ausdauertraining bei älteren Patienten (> 65 Jahre) mit stabiler KHK vor aortokoronarer Bypass-Operation konnte komplikationslos durchgeführt werden. Die Trainingsintervention war ausreichend, um präoperativ die funktionale Kapazität (6MWT, TUG), hämodynamische Parameter und die Lebens- qualität signifikant zu verbessern. Positive Effekte der Intervention zeigten sich zu Rehabilitationsbeginn im 6MWT und TUG. Die Durchführung weiterer prärehabilitativer Studien über eine längere Dauer (2 bis 4 Wochen) und mit einer kombinierten Trai- ningsintervention, bestehend aus Kraft- und Ausdauertraining, Entspannungstherapie und einem psychologischen Setting, ist empfehlenswert, um die Effektivität multi- modaler Prärehabilitationsmodelle zu überprüfen. Der Schwerpunkt der Prärehabilita- tion sollte bei älteren Patienten vor allem auf der Verbesserung der präoperativen funktionalen Kapazität liegen, um eine Pflegebedürftigkeit zu vermeiden und ein selbstständiges Leben nach dem Eingriff zu gewährleisten.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDSHS Köln
Seitenumfang247
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2018

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