Effekte einer multimodalen Intervention auf das kardiovaskuläre Risikoprofil ausgewählter Hochrisikopatienten in der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen: Ergebnisse der PräFord-Studie

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Abstract

Einleitung: In den westlichen industrialisierten Ländern sind kardiovaskuläre Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache. Standardisierte evidenzbasierte, wissenschaftlich fundierte Konzepte für effektive Präventionsprogramme existieren noch nicht. Zusätzlich ist die Kontrolle der klassischen Risikofaktoren in der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen als unzureichend anzusehen. Die PräFord-Studie ist zum einen eine prospektive, multizentrische Kohortenstudie zur Bewertung des Risikos für ein kardiovaskuläres Akutereignis (Gesamtkollektiv) und zum anderen eine prospektive, randomisierte, kontrollierte, multizentrische klinische Interventionsstudie für das Hochrisikoteilkollektiv. Ziel der vorliegenden Studie war es, für die Teilkohorte mit hohem kardiovaskulärem Risikoprofil zu evaluieren, ob eine neu konzipierte multimodale Interventionsmaßnahme im Vergleich zu einer KG einen kurz- und langfristigen Effekt (zwei Jahre) auf ausgewählte Risikofaktoren und den ESC-Score hat. Methode: 286 Patienten, die nach dem ESC-Score ein hohes kardiovaskuläres Risiko von ≥ 5% aufwiesen, wurden in dieser Arbeit ausgewertet. Nach der Randomisierung befanden sich 142 Patienten in der Interventionsgruppe (IG: 124 m/18 w; 62,7 ± 6,9 Jahre) und 144 Patienten in der Kontrollgruppe (KG: 132 m/12 w; 60,9 ± 6,8 Jahre). Die IG erhielt eine 15-wöchige neuartige, multimodale, ambulante Gruppenintervention (2,5-3 Std. pro Woche) in Verbindung mit leitlinienbasierter Medikation. Die Inhalte bestanden aus den Modulen Ernährung, Sport- und Bewegungstherapie, Psychotherapie, Gesundheitstraining sowie ärztliche Betreuung. Die KG erhielt eine detaillierte Aufklärung hinsichtlich ihres kardiovaskulären Risikofaktorenprofils von einem Facharzt für Kardiologie. Drei Patienten brachen die Interventionsmaßnahme vorzeitig ab. 14 Patienten erreichten im zweijährigen Beobachtungszeitraum sekundäre Endpunkte. Die IG war signifikant (p=0,026) älter als die KG. Weitere relevante signifikante Unterschiede in der Patientencharakteristik gab es zwischen den Gruppen sind nicht. Ergebnisse: Im unmittelbaren Anschluss an die Interventionsmaßnahme zeigten sich signifikante (p<0,001) Verbesserungen der anthropometrischen Daten (Körpergewicht -2,6 kg; BMI -0,9 kg/m2; Bauchumfang -3,0 cm), des systolischen und diastolischen Ruheblutdrucks (-9,1 mmHg; -5,6 mmHg), der Laborparameter (Gesamtcholesterin -28,2 mg/dl; LDL-Cholesterin -22,5 mg/dl; Triglyzeride -37,0 mg/dl; HbA1c -0,14%) und des ESC-Scores (-2,6%). Die Gewichtsreduktion konnte zwei Jahre lang stabilisiert werden (Körpergewicht -1,6 kg und BMI -0,5 kg/m2; p<0,001). Der Effekt auf den Bauchumfang wurde ein Jahr lang stabilisiert (-2,1 cm; p<0,001). In der KG konnten keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Die Reduzierung der Lipidparameter konnte zwei Jahre lang signifikant stabilisiert werden (Gesamtcholesterin -19,1 mg/dl, p<0,001; LDL-Cholesterin -18,0 mg/dl, p<0,001; Triglyzeride -20,7 mg/dl, p=0,002). In der KG zeigten sich keine signifikanten Veränderungen. Zudem waren die Lipidparameter in der IG im Vergleich zur KG bei der Ein- und Zwei-Jahres-Katamnese signifikant niedriger. Der systolische Ruheblutdruck konnte ein Jahr (IG -6,3 mmHg, KG -1,7 mmHg; p<0,001) und der diastolische Ruheblutdruck zwei Jahre lang (IG -3,2 mmHg, KG -0,8 mmHg; p=0,019) in beiden Gruppen nachhaltig beeinflusst werden. Die absolute Veränderung war in der IG zwar größer, der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht signifikant. Das Rauchen wurde in beiden Gruppen fast vollständig eingestellt (Nichtraucher: IG 99,3%; KG 100%). In der IG zeigte sich nach zwei Jahren eine signifikante Reduzierung der linken (-0,1 mm; p=0,035) und rechten IMT (-0,11 mm; p=0,011). In der KG wurden keine Veränderungen festgestellt. Zusätzlich war die linke IMT zur Zwei-Jahres-Katamnese in der IG signifikant niedriger als die der KG. Die Reduzierung des ESC-Scores konnte in der IG im Vergleich zur KG ein Jahr lang nachhaltig (-1,9%; p<0,001) stabilisiert werden. Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen die Annahme einer klinischen kurz- und nachhaltig wirksamen Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Hochrisikopatienten durch eine multimodale Interventionsmaßnahme. Die kurzfristigen und die nach einem Jahr erzielten Ergebnisse sind als gut zu bewerten. Nach zwei Jahren sind die Effekte auf den ESC-Score und teilweise auf die kardiovaskulären Risikofaktoren nicht mehr vorhanden. Durch eine intensivere engmaschigere Nachbetreuung hätten womöglich länger anhaltende Ergebnisse erzielt werden können. In der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen sind kombinierte Maßnahmen zur Ernährungsumstellung, körperlichen Aktivität und zum psychosozialen Management somit als effizient zu bewerten, um das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren. Durch die Bereitstellung von multimodalen ambulanten Interventions-programmen in Kombination mit einer konsequenten Umsetzung präventiver Maßnahmen könnte das kardiovaskuläre Risiko langfristig reduziert werden.
OriginalspracheDeutsch
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
BandKöln
Seitenumfang193
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2014

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