Einführung eines Empowerment-stärkenden Trainingsklimas zur Prävention von interpersonaler Gewalt in Sportvereinen

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Abstract

In den vergangenen Jahren haben eine Reihe von Studien die Prävalenz von
interpersonaler Gewalt in verschiedenen Ländern untersucht. Die Ergebnisse der
deutschen Studie "Sicher im Sport" (Rulofs et al., 2022) zeigen, dass interpersonale
Gewalt gleichermaßen im Alltag wie auch im Sport auftritt und 70% der teilnehmenden
Sportler*innen (n = 4.367) mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt im Sport erlebt
haben. Insbesondere der Sportverein ist der am häufigsten genannte Kontext für
Gewalterfahrungen. Qualitative Forschungsergebnisse zeigen, dass asymmetrische
Beziehungen, Machtmissbrauch sowie Toleranz und Konformität dominanter und
grenzüberschreitender Verhaltensweisen zum Auftreten interpersonaler Gewalt im
Sport beitragen (Brackenridge & Fasting, 2005; Roberts et al., 2020). Um diese Risikofaktoren vorzubeugen und vor Gewalt zu schützen, können laut Allroggen et al.
(2016) eine „Kultur des Hinsehens“ in Sportvereinen und das Empowerment von
Sportler*innen von Nutzen sein. Ohlert et al. (2022) fanden bei einer Korrelationsstudie
heraus, dass ein von Trainer*innen bewirktes Empowerment-stärkendes Klima, ein
möglicher Schutzfaktor zur Prävention von interpersonaler Gewalt sein kann. Der Begriff
Empowerment-stärkendes, bzw. im Englischen ein „Empowering“ Trainingsklima wird
verwendet, um akute Verhaltensweisen, Handlungen, Aktivitäten oder Strukturen zu
beschreiben, mit dem Ziel des Empowerments der Sportler*innen (Perkins &
Zimmerman, 1995). Empowerment im Kontext Sport wird also als Endprodukt durch
verschiedene Maßnahmen gesehen und gilt grundsätzlich als positiver Effekt für die
Motivation und Teilhabe am Sport (Duda & Appleton, 2016; Lim & Dixon, 2017). In den
letzten Jahrzehnten entwickelte es sich dadurch zu einem immer differenzierteren
Konstrukt, dessen Begriffsdefinition und -erläuterung fehlt (Perkins & Zimmerman,
1995; Zimmerman, 1995). Um die Prävention interpersonaler Gewalt basierend auf den
Annahmen von Allroggen et al. (2016) und Ohlert et al. (2022) besser zu verstehen und
gezielte Maßnahmen umzusetzen, wird im Promotionsvorhaben daher angestrebt, den
Begriff Empowerment in der ersten Studie näher zu erläutern. Hierzu wird
Empowerment für den Sportkontext definiert, von verwandten Konstrukten abgegrenzt
sowie ein theoretisches Modell mit dessen Beziehung zur Gewaltprävention geschaffen.
Dieses theoretische Modell stellt die Basis für zwei weitere Studien, die als Erstes die
Umsetzung eines Empowerment-stärkenden Trainingsklimas durch Workshops
analysieren, sowie zum Zweiten dessen Zusammenhang zu einer Präventionskultur im
Sportverein beleuchten. Hierzu muss eine Präventionskultur bzw. eine sogenannte
„Kultur des Hinsehens“ zuerst theoretisch hergeleitet und definiert werden, da die
aktuelle Forschungslage keine genaue Definition im Sportkontext vorsieht. Im Rahmen
des Vortrags werden weitere Informationen zum gesamten Promotionsvorhaben und
Ablauf der Studien gegeben. Erste Ergebnisse der ersten Studie werden voraussichtlich
im März erwartet, die ebenso vorgestellt werden.
OriginalspracheDeutsch
Titel27. Nachwuchstagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp)
Seitenumfang2
Herausgeber (Verlag)Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie
Erscheinungsdatum2023
Seiten47-48
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2023

Zitation