Extended Reality als Trainingsansatz für Echtzeit-Feedback im Golf

Publikation: Beitrag in Buch/Bericht/KonferenzbandKonferenzbeitrag - Andere Beiträge zu KonferenzenForschungBegutachtung

Abstract

Einleitung
Visuelle Rückmeldungen zum Bewegungsablauf von Lernenden mittels Videoaufnahmen können motorisches Lernen fördern, erfolgen bislang jedoch meist zeitversetzt (Geisen & Klatt, 2021). Mithilfe von Extended Reality (XR) ist es Lernenden möglich, Rückmeldungen in Echtzeit zu bekommen, ohne sich dabei wie in ursprünglichen Trainingsmethoden auf die Perspektive eines Außenstehenden verlassen zu müssen. Einige wenige vielverspre-chende Ansätze solcher moderner Trainingsmethoden im Sport werden vorgeschlagen (z.B. Ikeda et al., 2018), jedoch bedarf es weiterer Forschung. Ziel dieser Studie war es, eine derart neue Methode im Golf, verglichen mit einer herkömmlichen Trainingsmethode, zu untersuchen, insbesondere in Bezug auf die Auswirkungen der Verarbeitung unge-wohnter visueller Informationen und des Tragens einer XR-Vorrichtung auf das motorische Lernen.
Methode
Es wurde ein XR-Training entwickelt, anhand dessen Lernende im Rahmen einer speziell dafür konzipierten Interventionsstudie Echtzeit-Feedback mittels einer HoloLens2-Brille er-hielten. Das Feedback wurde dabei in Form eines visuellen Vergleichs der optimierten Schlägerführung (vorprogrammierter, virtueller Schläger) mit der eigenen Schlägerführung (realer Schläger) bereitgestellt. Konkret sahen die Lernenden durch die Brille einen in die gewohnte Trainingsumgebung projizierten virtuellen Schläger, der die vorab berechnete optimierte Bewegungsgeschwindigkeit und -ausrichtung vorgab und an dem sich die Ler-nenden während ihrer eigenen Bewegungsausführung orientieren konnten. 16 Probanden (23,4 ± 2,9 Jahre, 8 weiblich, 8 männlich) wurden randomisiert in zwei Gruppen (XR-Training und Technikinstruktion) eingeteilt. Beide Gruppen durchliefen ein dreiwöchiges In-terventionsprogramm mit jeweils einer Trainingseinheit pro Woche und der Durchführung von 120 Putts aus einer Distanz von 3 m je Training. Vor bzw. nach dem Trainingspro-gramm absolvierten alle Probanden einen Prä- bzw. einen Posttest, bei denen 20 Putts ohne Hilfsmittel ausgeführt wurden.
Ergebnisse
Die Ergebnisse der 2 (Trainingsgruppe) x 2 (Prä- vs. Posttest) ANOVA mit Messwiederho-lung zeigten keinen signifikanten Interaktionseffekt, F(1,14) = 0,34, p = ,57, η2 = 0,02. Es wurde jedoch ein signifikanter Unterschied zwischen den Messzeitpunkten gefunden, F(1,20) = 18,27, p < ,01, η2 = 0,57. Die Trefferanzahl im Posttest (9,25 ± 4,44) war bei beiden Trainingsgruppen signifikant höher als im Prätest (4,06 ± 3,45).
Diskussion
So konnte gezeigt werden, dass motorisches Lernen im Golf nicht nur durch herkömmli-ches Techniktraining gefördert wird, sondern auch das XR-Training entsprechende Trai-ningseffekte erzeugte, obwohl diese Feedbackmethode für alle Probanden neu und unge-wohnt war sowie eine zusätzliche Informationsverarbeitung erforderte. Entsprechend kann ein XR-basiertes Echtzeit-Feedbacktraining als ergänzende Trainingsmethode zum moto-rischen Lernprozess beitragen. Zukünftige Langzeitstudien sollten prüfen, inwiefern die Auswirkungen eines Echtzeit-Feedbacktrainings in XR über einen längeren Zeitraum, in welchem sich die Lernenden umso intensiver mit der Methode anvertrauen können, über die Effekte eines herkömmlichen Trainings hinausgehen.
OriginalspracheDeutsch
TitelDiversität im Sportspiel - 12. Sportspiel-Symposium 2022
Erscheinungsdatum24.09.2022
PublikationsstatusVeröffentlicht - 24.09.2022
VeranstaltungDiversität im Sportspiel - 12. Sportspiel-Symposium 2022 (dvs) - Lüneburg, Deutschland
Dauer: 22.09.202224.09.2022

Zitation