Geschwindigkeitsbasiertes Krafttraining in Training und Therapie

Lars Donath*, Eduard Kurz

*Korrespondierende*r Autor*in für diese Arbeit

Publikation: Beitrag in FachzeitschriftZeitschriftenaufsätzeTransferBegutachtung

Abstract

Regelmäßig und optimal durchgeführtes Krafttraining ist für den Gesundheits-, Breiten-, Reha- und Leistungssport aus leistungssteigernder, verletzungspräventiver, rehabilitativer und gesundheitsfördernder Perspektive relevant. Dabei werden in der Regel die Erscheinungsformen Maximalkraft, Kraftausdauer, Schnellkraft und Reaktivkraft differenziert. Übersichtsarbeiten der letzten 5 Jahre zeigten, dass die Ausschöpfung des Krafttrainingspotenzials maßgeblich von den Faktoren (Kraft, Hypertrophie, Leistung/Power) sowie vom Trainingsmodus (Freihantel, Maschinentraining, Plyometrik, ballistisches Training etc.) beeinflusst wird [5]. Für eine adäquate Kraft- und Hypertrophieentwicklung scheinen allerdings hohe Trainingslasten im Vergleich zu geringen Lasten bei gleichem Trainingsvolumen lediglich bei der Steigerung des Einwiederholungsmaximums (One Repetition Maximum, 1RM) überlegen [4]. Die isometrische Maximalkraft sowie Hypertrophie scheinen bei gleichen Volumina auch bei niedrigen Lasten mit positiven Trainingsanpassungen zu reagieren.

Vor diesem Hintergrund haben sich in den letzten Jahrzehnten vermehrt alternative Formen des Krafttrainings wie das geschwindigkeitsbasierte Krafttraining (Velocity Based Training, VBT) etabliert [3]. Im Rahmen des VBT-Trainings wird ein Trainingssatz nach Unterschreiten einer vorgegebenen Bewegungsgeschwindigkeit (angegeben als Geschwindigkeitsverlust, Velocity Loss, in Prozent, ausgehend von der maximalen Bewegungsgeschwindigkeit) abgebrochen. Dieser Trainingsansatz kann Regenerationszeiten und Beanspruchungsdimensionen bei gleichen Kraftanpassungen verringern: Wir konnten beispielsweise in einer Trainingsstudie zeigen, dass VBT-Training bei Leistungsruderern zu einer deutlichen Verbesserung der Kraft bei geringerem Stress und Trainingsvolumen sowie zu schnellerer Erholung im Vergleich zu traditionellem Training führen kann [1]. Weiterführende Befunde unserer Arbeitsgruppe mithilfe von Netzwerk-Metaanalysen bestätigen überlegene Befunde von VBT gegenüber traditionellem Training für die motorischen Aufgaben Kraft, Sprung und Sprint. Hier kann sogar zwischen der Höhe des Geschwindigkeitsverlustes in Abhängigkeit von der Zielaufgabe (Kraft, Sprung, Sprint) differenziert werden [2].

Dieses Heft bietet daher einen wissenschaftlich fundierten und praxisbezogenen Einblick in akute und chronische Effekte von geschwindigkeitsbasiertem Krafttraining. Eingebettet wird dieser gebündelte Themenblock in einen orientierenden Einführungsartikel für Leser mit wenig Krafttrainingserfahrung und ein spannendes Praxisinterview. So bekommen Sie solides und interessantes Wissen für eine unkomplizierte praktische Umsetzung in Training und Therapie.
OriginalspracheDeutsch
ZeitschriftSportphysio
Jahrgang11
Ausgabenummer4
Seiten (von - bis)157
Seitenumfang1
ISSN2196-5951
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 31.08.2023

Zitation