Abstract
Die vorliegende interdisziplinär angelegte Dissertationsstudie beschäftigt sich mit der
forschungsleitenden Fragestellung, wie ein Life-Coaching-Format für den deutschen
Profi- und Nachwuchsfußball im Rahmen der beiden Spannungsfelder Verantwortungs-
und Leistungsorientierung sowie Säkularität und Spiritualität systemischorganisational
eingeordnet und ausgestaltet sein muss, damit einerseits auf der individuellen
Ebene der Spieler*innen und Trainer*innen das Zusammenspiel von Performance,
Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung karriere- und lebensphasenübergreifend
und gleichsam sinn- und identitätsstiftend gelingt (Mikroebene) –
andererseits allerdings auch die Vereine und Verbände selbst als Entfaltungs- und
Resonanzräume entwickelt werden (Mesoebene) und dadurch einen positiven Beitrag
zur Transformation der Gesellschaft (Makroebene) leisten können. Das Ziel dieses
handlungsorientierten Forschungsvorhabens bestand darin, ein aus den erzielten
Untersuchungsergebnissen abgeleitetes „Life-Coaching“-Modell für den deutschen
Profi- und Nachwuchsfußball zu entwickeln und dabei auch die individuellen, organisationalen
sowie gesellschaftlichen Chancen und Grenzen bzw. Herausforderungen
der Implementierung einer solchen Betreuungsform als eigenständiges Format zu
reflektieren. Einen Schwerpunkt der Studie bilden zum einen Analysen zum englischen
Profi- und Nachwuchsfußball, da in der Premier League bei der Mehrzahl der
Vereine Fragen zu Sinndeutungen und Wertvorstellungen sowie zur Lebensgestaltung
seit vielen Jahren durch sogenannte „Sports Chaplains“ (Sportseelsorger*innen)
behandelt werden. Und zum anderen dienen die Entwicklungen im Business-
Coaching im Wirtschaftskontext als zweiter Referenzpunkt. Darüber hinaus wurden
weitere relevante Quellen und Studien zum Forschungsgebiet, die vornehmlich aus
dem angloamerikanischen Raum stammen, erfasst und analysiert. Die qualitative
Datenerhebung erfolgte in Form von einvernehmlich nicht-anonymisierten, halbstandardisierten
Leitfadeninterviews (N = 36) mit Verantwortlichen, Trainern und aktuellen
und ehemaligen Spielern sowie Spieler-, Vereins- und Verbandsberatern und Expert*
innen aus den untersuchten Nachbarformaten bzw. -disziplinen des Life-
Coachings – konkret aus den Bereichen Sportpsychologie, Sportpsychiatrie und -
psychotherapie und Sportseelsorge. Resultierend aus den Ergebnissen der Dissertationsstudie
kann u.a. festgehalten werden, dass in Erweiterung gegenüber dem vorherrschenden
biopsychosozialen Modell erst ein bio-psycho-sozio-spirituelles Verständnis
dem Anspruch einer ganzheitlichen Begleitung und Förderung genügt – und
die Ergänzung der Athlet*innen-Identität durch sportferne Identitäten auf der individuellen
Mikroebene bereits während der sportlichen Karriere kein Hemmnis ist, sondern
die Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung stärkt sowie eine existenzielle
Stütze in der Transitionsphase nach dem Karriereende darstellt. Gleiches gilt
für die Auseinandersetzung mit Sinnfragen. Im Betreuungs- und Fördersystem des
deutschen Profi- und Nachwuchsfußballs existieren für dieses Thema derzeit – zumindest
flächendeckend – lt. dem Befund der Untersuchung keine Angebote, obwohl
aktuelle und ehemalige Fußball-Profis bereits vielfach auf diesen „Missing Link“ hingewiesen
haben und es sich bei der Sehnsucht nach Sinn um eine „anthropologische
Konstante“ handelt. Weiterhin zeigt die Studie, dass Vereine und Verbände auf der
organisationalen Mesoebene unter Zugrundelegung einer verantwortungsbestimmten
Leistungsorientierung Performance und Well-Being fördern sowie selbst als Entfaltungs-
und Resonanzräume entwickelt werden können. Und wird Life-Coaching in
seiner Triage-(, Kitt-) und Vermittlungs-Funktion für Formate wie Sportpsychiatrie,
Sportpsychologie und Sportseelsorge genutzt, ist ein analyseebenenübergreifender
Impact bis hin zur gesellschaftlichen Makroebene vorstellbar, der einen transformativen
Charakter aufweist. Insgesamt wird durch die Dissertationsstudie deutlich, wie
wichtig es für eine ganzheitliche Betreuung und Förderung im deutschen Profi- und
Nachwuchsfußball ist, die einzelnen sozialwissenschaftlichen Analyseebenen sowohl
voneinander zu unterscheiden als auch aufeinander zu beziehen.
forschungsleitenden Fragestellung, wie ein Life-Coaching-Format für den deutschen
Profi- und Nachwuchsfußball im Rahmen der beiden Spannungsfelder Verantwortungs-
und Leistungsorientierung sowie Säkularität und Spiritualität systemischorganisational
eingeordnet und ausgestaltet sein muss, damit einerseits auf der individuellen
Ebene der Spieler*innen und Trainer*innen das Zusammenspiel von Performance,
Persönlichkeitsentwicklung und Lebensgestaltung karriere- und lebensphasenübergreifend
und gleichsam sinn- und identitätsstiftend gelingt (Mikroebene) –
andererseits allerdings auch die Vereine und Verbände selbst als Entfaltungs- und
Resonanzräume entwickelt werden (Mesoebene) und dadurch einen positiven Beitrag
zur Transformation der Gesellschaft (Makroebene) leisten können. Das Ziel dieses
handlungsorientierten Forschungsvorhabens bestand darin, ein aus den erzielten
Untersuchungsergebnissen abgeleitetes „Life-Coaching“-Modell für den deutschen
Profi- und Nachwuchsfußball zu entwickeln und dabei auch die individuellen, organisationalen
sowie gesellschaftlichen Chancen und Grenzen bzw. Herausforderungen
der Implementierung einer solchen Betreuungsform als eigenständiges Format zu
reflektieren. Einen Schwerpunkt der Studie bilden zum einen Analysen zum englischen
Profi- und Nachwuchsfußball, da in der Premier League bei der Mehrzahl der
Vereine Fragen zu Sinndeutungen und Wertvorstellungen sowie zur Lebensgestaltung
seit vielen Jahren durch sogenannte „Sports Chaplains“ (Sportseelsorger*innen)
behandelt werden. Und zum anderen dienen die Entwicklungen im Business-
Coaching im Wirtschaftskontext als zweiter Referenzpunkt. Darüber hinaus wurden
weitere relevante Quellen und Studien zum Forschungsgebiet, die vornehmlich aus
dem angloamerikanischen Raum stammen, erfasst und analysiert. Die qualitative
Datenerhebung erfolgte in Form von einvernehmlich nicht-anonymisierten, halbstandardisierten
Leitfadeninterviews (N = 36) mit Verantwortlichen, Trainern und aktuellen
und ehemaligen Spielern sowie Spieler-, Vereins- und Verbandsberatern und Expert*
innen aus den untersuchten Nachbarformaten bzw. -disziplinen des Life-
Coachings – konkret aus den Bereichen Sportpsychologie, Sportpsychiatrie und -
psychotherapie und Sportseelsorge. Resultierend aus den Ergebnissen der Dissertationsstudie
kann u.a. festgehalten werden, dass in Erweiterung gegenüber dem vorherrschenden
biopsychosozialen Modell erst ein bio-psycho-sozio-spirituelles Verständnis
dem Anspruch einer ganzheitlichen Begleitung und Förderung genügt – und
die Ergänzung der Athlet*innen-Identität durch sportferne Identitäten auf der individuellen
Mikroebene bereits während der sportlichen Karriere kein Hemmnis ist, sondern
die Leistungsfähigkeit und Persönlichkeitsentwicklung stärkt sowie eine existenzielle
Stütze in der Transitionsphase nach dem Karriereende darstellt. Gleiches gilt
für die Auseinandersetzung mit Sinnfragen. Im Betreuungs- und Fördersystem des
deutschen Profi- und Nachwuchsfußballs existieren für dieses Thema derzeit – zumindest
flächendeckend – lt. dem Befund der Untersuchung keine Angebote, obwohl
aktuelle und ehemalige Fußball-Profis bereits vielfach auf diesen „Missing Link“ hingewiesen
haben und es sich bei der Sehnsucht nach Sinn um eine „anthropologische
Konstante“ handelt. Weiterhin zeigt die Studie, dass Vereine und Verbände auf der
organisationalen Mesoebene unter Zugrundelegung einer verantwortungsbestimmten
Leistungsorientierung Performance und Well-Being fördern sowie selbst als Entfaltungs-
und Resonanzräume entwickelt werden können. Und wird Life-Coaching in
seiner Triage-(, Kitt-) und Vermittlungs-Funktion für Formate wie Sportpsychiatrie,
Sportpsychologie und Sportseelsorge genutzt, ist ein analyseebenenübergreifender
Impact bis hin zur gesellschaftlichen Makroebene vorstellbar, der einen transformativen
Charakter aufweist. Insgesamt wird durch die Dissertationsstudie deutlich, wie
wichtig es für eine ganzheitliche Betreuung und Förderung im deutschen Profi- und
Nachwuchsfußball ist, die einzelnen sozialwissenschaftlichen Analyseebenen sowohl
voneinander zu unterscheiden als auch aufeinander zu beziehen.
| Originalsprache | Deutsch |
|---|
| Erscheinungsort | Köln |
|---|---|
| Verlag | Deutsche Sporthochschule Köln |
| Seitenumfang | 1.521 |
| Publikationsstatus | Veröffentlicht - 2025 |