Trainingsphysiologische Faktoren der Gewichtsreduktion im Sport

Publikation: Buch/BerichtDissertationsschrift

Abstract

Einleitung: Taekwondo (TKD), Judo, Ringen und Boxen sind olympische Disziplinen und Zweikampfsportarten, in denen unterschiedliche Gewichtsklassen angewendet werden. Ziel der Einteilung in Gewichtsklassen ist es, dass ein fairer und interessanter Wettkampf gewährleistet wird, in dem Athleten möglichst gleichen Körpergewichts aufeinandertreffen. Beim T aekwondo, Judo und Ringen gibt es nur einen Wiegetermin, an dem das Gewichtslimit erreicht werden kann. Dieser Wiegetermin findet am T ag vor dem Hauptwettkampf statt. Im Judo gibt es einen zusätzlichen Nach-Wiegetermin am Wettkampftag. Dieser wird ausgelost. Zur Einhaltung der Gewichtsvorgaben werden verschiedene Praktiken der Gewichtsreduktion verwendet. Von den Athleten wird hierbei oft eine rapide Gewichtsreduktion (RGR) bevorzugt. Die Forschungsergebnisse zu diesem Themenkomplex sind aufgrund der Untersuchungsprotokolle oft nicht vergleichbar oder übereinstimmend. In den bisherigen Studien wurde sehr selten die graduelle Gewichtsreduktion (länger als vier Wochen) speziell von Taekwondo-Athleten untersucht.
Das Ziel dieser vorliegenden Dissertation war es, eine sportartspezifische Untersuchung in Bezug auf die rapide und graduelle Gewichtsreduktion (GGR) durchzuführen. Somit konnten die Effekte der unterschiedlichen Gewichtsreduktionen auf die physiologischen, psychologischen und hämorheologischen Veränderungen und Leistungsfähigkeit verglichen werden.
Methoden: Um eine bessere Unterscheidung der Gewichtsreduktion zwischen der RGR und GGR vor dem offiziellen Wettkampftag festzustellen, wurden in zwei Studien physiologische, psychologische und hämorheologische Parameter bei TKD-Athleten analysiert. Die RGR um 5% des Körpergewichts musste innerhalb von vier Tagen realisiert werden, während die GGR um 5% innerhalb von vier Wochen stattfand. Zwischen den beiden Interventionen wurde eine einwöchige Pause integriert. Weiterhin wurde eine zusätzliche Messung aller Parameter (ohne vertikalen Sprungtest), jeweils nach beiden Methoden der Gewichtsreduktion generiert. Um die Bedingungen einer möglichen Kompensation zu erfassen, wurde dies entsprechend auf den eingeführten Wettkampftag gelegt. Zu dieser Besonderheit finden sich in der aktuellen Literatur kaum Hinweise. Anschließend wurden die bisherigen wissenschaftlichen Studienergebnisse (Literaturrecherche) in Bezug auf die RGR zusammengefasst (Review).
Ergebnisse: Im Gegensatz zur GGR verloren die TKD-Athleten einen höheren Wasseranteil ihres Körpergewichts während der viertägigen RGR. Weiterhin wurden die physiologischen Parameter Glukose, Kreatinkinase, Kreatinin, Urea und ebenfalls die Elektrolytkonzentrationen während der RGR beeinträchtigt. Zusätzlich wurden die Befindlichkeitsskalen während der RGR eindeutig herabgesetzt. Die TKD-Kickfrequenz wurde während der RGR im Vergleich zur GGR verringert. Während der RGR wurden die Verformbarkeit und die Aggregation der Erythrozyten (RBC), die hauptsächlich durch die verringerte Aktivierung der Stickstoffmonoxid-Synthase (RBC-NOS) verursacht wurde, negativ beeinflusst. Die negativen Effekte der physiologischen Indikatoren sowie der Stresshormone, des oxidativen Stresses, des Plasminogen-Aktivator-Inhibitor-1 und die relevante Regenerationszeit von der RGR zwischen dem Wiegetermin und Wettkampftag wurden in der Review Studie betrachtet und erläutert.
Zusammenfassung/Fazit: Die Ergebnisse der durchgeführten Studien liefern Informationen über die physiologischen, psychologischen und hämorheologischen Beeinträchtigungen von der vier tägigen RGR im Vergleich zur vier wöchigen GGR. Bisherige Studien wiesen die negativen Einwirkungen der RGR auf die physiologischen Faktoren vor dem offiziellen Wettkampftag nach. Die beeinträchtigten Indikatoren können die athletische Leistungsfähigkeit vermindern. Die Regenerationszeit zwischen dem Wiegetermin und Wettkampftag nach der RGR könnte von entscheidender Bedeutung für die erfolgreichen Wettkämpfe sein. Jedoch wurde dieser entscheidende Faktor nicht direkt in den vorliegenden Studien untersucht. Um einen Leistungsabfall zu vermeiden, sollten die Athleten und Trainer längerfristig die Gewichtsreduktion planen: dies bedeutet, dass die Gewichtsreduktion mit ≤ 5% des Körpergewichts über mindestens vier Wochen durchzuführen ist.
Wenn eine RGR vor dem Wettkampf notwendig ist, sollten die Athleten das Morgentraining sowie hoch intensives Training während der RGR-Phase aufgrund der physiologischen Beeinträchtigungen vermeiden. Weiterhin wird empfohlen, dass internationale, nationale und regionale Verbände der Olympischen Zweikampfsportarten den Anteil der Gewichtsreduktion vor dem Wettkampf kontrollieren, idealerweise am Wettkampftag selbst.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang43
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2017

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