Zum Selbstverständnis der Tänzerin in der Tanzgeschichte

Jutta Drewniok

Publikation: Buch/BerichtDissertationsschrift

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Abstract

Der Tanz ist zu jeder Zeit ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft. Ebenso spiegelt die Rolle der Frau im Tanz zu jeder Zeit ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft wider. In der Geschichte des Tanzes ist die Tänzerin immer weiter in den Vordergrund und schließlich in den Mittelpunkt gerückt und auch heute noch ist der Tanz eine Domäne der Frau. Die historischen und psychologischen Ursachen dafür zu finden, warum trotz aller Schwierigkeiten und Entbehrungen, die der Tänzerberuf mit sich bringt, gerade Frauen ihr Leben dem Tanz verschreiben, ist ein Anliegen dieser Arbeit. Zum anderen soll das Wissen darum genutzt werden, um zu verstehen, warum auch heute noch verstärkt Frauen im Beruf der Bühnentänzerin zu finden sind und inwieweit ihnen der Tanz helfen kann, die historisch bedingten Probleme einer Subjektwerdung zu kompensieren. Im ersten Teil der Arbeit werden dazu die Biographien berühmter Tänzerinnen in den unterschiedlichen Epochen der Tanzgeschichte betrachtet. Es geht dabei darum, zu untersuchen, wie sich die Tänzerinnen als Person und ihre Rolle als Tänzerin verstanden haben. Dabei zeigt sich, dass die Lebensführung der Tänzerinnen, egal welche Art zu tanzen sie favorisiert haben, erstaunliche Parallelen aufweisen. Die Ausschließlichkeit mit der die Frauen sich dem Tanz widmeten, bot für die Tänzerinnen in tragisch-faszinierender Weise zugleich die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und der Flucht. Die Konfliktbewältigung durch Rückzug auf den eigenen Körper aber verhinderte eine wirkliche Selbstentfaltung und psychosoziale Entwicklung. Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen die Problematik der Subjektwerdung von Frauen und die Chancen, die der Tanz im Subjektwerdungsprozess bietet. Der Tanz als Körperkunst stellt in diesem Zusammenhang für Frauen eine aussichtsreiche Quelle dar, um ihnen Möglichkeiten einer Selbstbegegnung sowie neue Entfaltungsräume zu eröffnen. Gerade aber im Bühnentanz wird der Tanz für viele Frauen zu einem Zufluchtsort, um eigentlichen Konflikten und sozialen Auseinandersetzungen auszuweichen. So bleibt der professionelle Tanz sowohl bedingt durch seine Strukturen als auch durch den Umgang der Tänzerinnen mit ihm in seiner therapeutischen Wirkung weitgehend eingeschränkt und macht eine Entfaltung der eigenen Persönlichkeit beinahe unmöglich. Jenseits des professionellen Tanzbetriebes bietet der Tanz in der kreativen schöpferischen Auseinandersetzung Möglichkeiten sich und andere tiefer kennen zu lernen und sich neue Formen des Selbstseins zu erschließen. Durch die bewusste oder unbewusste Nutzung seiner therapeutischen Potentiale können die Frauen im Tanz in Kontakt zum eigenen Innenleben treten und sich mit sich selbst auseinandersetzen.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang244
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2009

Zitation