Reden wir aneinander vorbei? Subjektive Wahrnehmungsunterschiede in der Kommunikation zwischen Eltern und Trainer:innen im Nachwuchsfußball

Max Pallares Herbeck, Sebastian Schwab, Valeria Eckardt

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Abstract

Eltern und Trainer: innen agieren gemeinsam in einem komplexen sozialen Netzwerk im Nachwuchssport. Die Art und Weise, wie Eltern und Trainer:innen miteinander in Beziehung stehen und zusammenarbeiten, hat nachweislich Auswirkungen auf die Entwicklung und die sportliche Leistung von Kindern. Studien zeigen, dass die Eltern-Trainer:innen-Beziehung häufig durch mangelndes Vertrauen, unterschiedliche Erwartungshaltungen sowie eine unbefriedigende Kommunikation gekennzeichnet ist. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, subjektive Wahrnehmungsunterschiede in der Häufigkeit, den Themen sowie den Formen der Kommunikation zwischen Eltern und Trainer:innen zu bestim- men. 1042 Elternteile (MAlter = 45.2 ± 7.0 Jahre; 48% weiblich) und 338 Trai- ner:innen (MAlter = 40.0 ± 12,5 Jahre; 12% weiblich) aus Fußball-Leistungszentren sowie Breitensport-Vereinen nahmen an einer quantitativen Online-Erhebung teil. Eltern und Trainer:innen vervollständigten den Fragebogen zur Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrer:innen (sport-adaptiert; Sodogé et al., 2012) sowie die Skala zum Perceived Organisational Support (sport-adaptiert; Siebenaler & Fischer, 2020). Wahrnehmungsunterschiede in der Kommu- nikationshäufigkeit zwischen Eltern und Trainer:innen wurden mittels Mann- Whitney U Tests identifiziert. Beispielsweise gaben Eltern signifikant weniger im Vergleich zu Trainer:innen an, dass Gespräche mit Trainer:innen nach dem Training/nach einem Wettkampf, U = 44964.0, p < .001, r = -.417, oder Telefonate, U = 44901.5, p < .001, r = -.433, stattfinden. Die Ergebnisse deuten außerdem auf die Relevanz struktureller und organisatorischer Faktoren für die Kommunikation zwischen Eltern und Trainer:innen hin. So scheint die Umsetzung der Elternarbeit im Verein signifikant mit der Wahrnehmung der Eltern-Trainer:innen-Beziehung, r(285) = -.45, p < .001, der subjektiven Handlungssicherheit der Trainer:innen im Umgang mit Eltern, r(285) = .15, p = .011, sowie der wahrgenommenen Unterstützung von Seiten des Vereins, r(196) = .16, p = .025, zusammenzuhängen. Die Ergebnisse zeigen sich dabei sowohl für Eltern und Trainer:innen in Fußball-Leistungszentren als auch in Breitensport-Vereinen. Die Studie ergänzt bisherige qualitative Untersuchungen mit quantifizierbaren Daten und gibt erstmalig einen Einblick in den aktuellen Umsetzungsstand der Eltern-Trainer:innen-Kommunikation im Nachwuchsfußball. Zukünftige Studien sollten die Auswirkungen der Eltern-Trainer:innen-Kommunikation auf psychi- sche sowie leistungsbezogene Parameter bei Kindern sowie die Wirksamkeit von Kommunikations-Interventionen untersuchen. Die Ergebnisse verdeutlichen zudem den Bedarf, das Thema „Elternarbeit“ in der Aus- und Fortbildung von Trainer:innen zu implementieren, um eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Eltern und Trainer:innen zu fördern.
Original languageGerman
Title of host publicationHuman Performance - Assessment, Intervention & Analysen : Abstractband zur 55. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp)
EditorsNadja Schott, Heide Korbus, Thomas Klotzbier
Number of pages2
PublisherDeutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs)
Publication date05.2023
Pages122-123
Publication statusPublished - 05.2023
EventJahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie e.V. (asp): Human Performance, Assessment, Intervention und Analysen - Stuttgart
Duration: 18.05.202320.05.2023
https://asp-tagung.de/

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