Sportpädagogische Praxis - Ansatzpunkt und Prüfstein von Theorie. Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft-Jahrestagung der Sektion Sportpädagogik

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Stefan Meier - Vortragende*r

    „Einmal kompetent und zurück?!“ – Zur Kompetenzentwicklung im Rahmen der Sportlehrerbildung

    Die Orientierung an Kompetenzen sowie deren Messung ist für das Bildungssystem scheinbar zur Selbstverständlichkeit geworden, was u.a. auch die Lehrerbildung vor (neue) pädagogische Herausforderungen stellt – dies impliziert ebenso eine reformierte Theorie-Praxis-Verknüpfung. Im Hintergrund dieser Diskussion wird eine implizite Wirkungskette angenommen, wonach eine gute Lehrerbildung kompetente Lehrkräfte hervorbringt, welche wiederum einen hohen kompetenzorientierten Output auf Seiten der Schülerinnen und Schüler bewirken (vgl. Terhart et al., 2011, Zlatkin-Troitschanskaia et al., 2009). Transferiert man diesen Umstand auf die Sportlehrerbildung rücken die Sportlehrkräfte ins Zentrum des Interesses. Erkenntnisse bezüglich der Kompetenzentwicklung von Sportlehrkräften liegen jedoch erst ansatzweise vor (Balz, 2011; Sygusch, Bähr, Gerlach & Bund, 2013). Im Kontext professionsbezogener Lehrerbildungsforschung (Tillmann, 2011) wird Kompetenz verstanden als die Bewältigung beruflicher Anforderungen, die für den Lehrerberuf konstitutiv sind (Weinert, 2001). So bildet das fachdidaktische Wissen zusammen mit dem Fachwissen sowie dem fachübergreifenden pädagogischen Wissen eine Topologie von Wissensdomänen, die zur Bewältigung typischer Anforderungen im Lehrerberuf notwendig sind (z.B. Bromme, 1992; Shulman, 1986). Damit Sportlehrkräfte das (Bildungs-)Potenzial (Krüger & Neuber, 2011) einer sportpädagogisch verantwortbaren Unterrichtspraxis eröffnen können, ist die Entwicklung fachbezogener und fachübergreifender Kompetenzen erforderlich (Miethling & Gieß-Stüber, 2007), zumal jene als ein entscheidende Prädiktoren im Hinblick auf qualitativ hochwertigen Unterricht und damit auch für entsprechende Leistungen von Schülerinnen und Schülern benannt werden (u.a. Darling-Hammond & Lieberman, 2012). Der Beitrag widmet sich daher der Entwicklung fachübergreifender pädagogischer Kompetenzen angehender Sportlehrkräfte unter Berücksichtigung weiterer Prädiktoren (u.a. individuelle Lernvoraussetzungen, selbstregulative Fähigkeiten). Es wurden zwei komplette Ausbildungskohorten angehender Sportlehrkräfte aus NRW (n = 141) über drei Jahre hinweg (2010–2013) mittels standardisierten und validierten Fragebogens erfasst (Meier, 2012, 2015). Die Daten erlauben Rückschlüsse auf drei Phasen der Sportlehrerbildung (1. Messzeitpunkt zum Ende des Studiums, 2. Messzeitpunkt nach Abschluss des Vorbereitungsdienstes, 3. Messzeitpunkt ein Jahr später zum Berufseinstieg), wobei die dimensionale Struktur des Testinstruments faktorenanalytisch überprüft wurde. Im Zeitverlauf zeigt sich u.a. eine Progression von mittlerer praktischer Bedeutsamkeit in den Kompetenzeinschätzungen (d > 0.8) der Sportlehrkräfte. Es handelt sich jedoch nicht um eine lineare Entwicklung, da zwischen dem Abschluss der universitären Phase und dem des Vorbereitungsdienstes die deutlichsten Veränderungen vorliegen, wohingegen die Bewertungen zum Berufseinstieg nicht weiter steigen, sondern ein leicht gegenläufiger Effekt eintritt. Auf dieser Grundlage soll schließlich zweierlei thematisiert werden. Zum einen der erste Status Quo bezüglich der Kompetenzentwicklung in der Sportlehrerbildung zwischen dem Abschluss der universitären Phase und dem Berufseinstieg. Zum anderen eröffnet dies eine Möglichkeit zur Diskussion, welche Ausprägung von Kompetenz wünschenswert ist – im Sinne einer adäquaten Symbiose sportpädagogischer Theorie und unterrichtlicher Praxis.
    30.04.201502.05.2015
    Sportpädagogische Praxis - Ansatzpunkt und Prüfstein von Theorie. Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft-Jahrestagung der Sektion Sportpädagogik

    ID: 1048309

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