Entwicklung und Evaluation eines gerätegestützten Sturzpräventionszirkels

Projekt: Finanziert durch Drittmittel

Forschungsziel

Mit zunehmendem Alter vollziehen sich zahlreiche physiologische, biochemische, psychische und letztlich auch soziologische Veränderungen, die sich auf Bewegungen des Alltagslebens (wie Treppensteigen, von einem Stuhl aufstehen, Gehen) und alltägliche Aktivitäten (wie sich waschen, Hausarbeit erledigen) und damit verbunden auf die Mobilität auswirken. Zahlreiche Längsschnittstudien zeigen, dass gezielte Trainingsprogramme alternsbedingten Veränderungen entgegenwirken können. Um die Effekte von Interventionsprogrammen auf die Mobilität erfassen zu können, muss die Ausgangsleistung mit Hilfe von geeigneten Messverfahren diagnostiziert werden. Verfahren in diesem Bereich liefern allerdings bisher nur begrenzte Informationen über die Mobilität bei Älteren. Häufig sind nur unzureichend wechselnde Umgebungssituationen, Hindernisse oder auch unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten integriert. Auf Basis der erhaltenen Ausgangswerte kann im Anschluss an die Messungen ein Trainingsprogramm systematisch geplant und umgesetzt werden. Obwohl die Studienlage zu effektiven Trainingsprogrammen zur Beeinflussung der Kraft, des Gleichgewichts und der Mobilität (Alltagsbewegungen, reale Situationen und unterschiedliche Bodenbeschaffenheit) sehr umfassend ist, sind diese drei wichtigen Bausteine in bisherigen Programmen noch nicht innerhalb jeder Trainingseinheit integriert. Des Weiteren herrscht für die Belastungssteuerung, zum Beispiel während des Krafttrainings, noch Uneinigkeit über die Auswirkungen der Anwendung verschiedener Steuerungsparameter.

Im Rahmen des Projekts stand die Mobilität von Älteren im Mittelpunkt. Es wurde sowohl ein neuer Test zur Erfassung der Mobilität, als auch ein systematisches Trainingsprogramm mit den drei wichtigen Bausteinen (Kraft, Gleichgewicht, Alltagsbewegungen, reale Situationen und unterschiedliche Bodenbeschaffenheit) in jeder Trainingseinheit, zur positiven Beeinflussung der Mobilität und Kraftfähigkeit bei Älteren, evaluiert. Außerdem wurde die während des Krafttrainings eingesetzte Methode der Intensitätssteuerung mit einer Steuerung über die Wiederholungszahl verglichen.

Methode

Das neu entwickelte Testverfahren „The Multisurface Obstacle Test for older adults (MSOT)“ zeigte eine hohe relative und absolute Test Re-Test Reliabilität. Es konnten erste Normwerte von 128 über 60-jährigen Personen gemessen werden. Außerdem wurden Effekte verschiedener Trainingsprogramme hinsichtlich der Leistung im MSOT miteinander verglichen. Eines dieser Trainingsprogramme ist der „Functional Movement Circle for older adults (FuMoC)“, der zur positiven Beeinflussung der Kraft und Mobilität von Älteren in der vorliegenden Dissertation evaluiert wurde. Aufgrund der detaillierten Darstellung der im FuMoC integrierten Trainingsübungen und der Überprüfung in einer Pilotstudie, kann er in der Praxis sehr gut eingesetzt und für weitere Zielgruppen modifiziert werden. Eine hohe Trainingsanwesenheit und positive Veränderungen bezüglich Kraft und Mobilität als Folge des Trainings im FuMoC sprechen für die im FuMoC realisierte Kombination aus systematischen Kraft- und Gleichgewichtsübungen in Verbindung mit Bewegungen aus dem Alltag. Bezüglich der Belastungssteuerung während dem Krafttraining zeigte sich, dass die Vorgabe einer Zielwiederholungszahl die Reduzierung des Gewichts in aufeinander folgenden Sätzen erforderte. Diese Methode sollte bevorzugt werden, wenn Trainingsziel im Erreichen einer hohen physikalischen Arbeit liegt und vor allem Hypertrophie-Effekte erzielt werden sollen. Im Gegensatz dazu führt eine prozentuale Intensitätsvorgabe dazu, dass die Zahl der Wiederholungen in aufeinander folgenden Sätzen abnimmt. Dies hat ein geringeres Trainingsvolumen und höhere tatsächliche Trainingsintensitäten zur Folge – Eigenschaften einer Trainingsmethode zur Erhöhung der Maximalkraft.

Zentrale Ergebnisse

Aufgrund der guten Testökonomie (geringer Platz-, Material-, Zeit- und Personalaufwand) bei gleichzeitig guten Gütekriterien bietet der „Multisurface Obstacle Test for older adults (MSOT)“ eine sinnvolle Ergänzung zu bisherigen Testverfahren im Bereich der Mobilität. Durch Training im „Functional Movement Circle for older adults (FuMoC)“ lassen sich nicht nur positive Veränderungen im MSOT, sondern auch in Kraftfähigkeiten und anderen mobilitätsbezogenen Tests, erzielen. Die Einbeziehung von alltäglichen Bewegungen und unterschiedlichen Untergründen im FuMoC führten zu den höchsten Verbesserungen in den mobilitätsbezogenen Parametern im Vergleich mit anderen Trainingsprogrammen. Darüber hinaus führte das Training im FuMoC auch zu vergleichbaren Verbesserungen der Kraft (gegenüber einem reinen Kraft- und Gleichgewichtstraining). Besonders im Bereich der optimalen Belastungssteuerung während des Krafttrainings liefert diese Arbeit nur erste Trends mit Älteren und es besteht noch weiterer Forschungsbedarf. Neben der objektiven Messung der Leistung in einer spezifischen Aufgabe (zum Beispiel isometrische Kraftmessung, MSOT), wie es im Rahmen der vorliegenden Dissertation geschehen ist, sollen zukünftig auch Überlegungen zur Erfassung und Beeinflussung der zugrunde liegenden neuronalen, muskulären und psychosozialen Komponenten erfolgen.
AkronymStuPZi
StatusAbschlussdatum
Laufzeit01.11.1031.12.15

ID: 434073

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