Ganztagsberufsschule

Projekt: Finanziert durch Drittmittel

Forschungsziel

Die Berufsbildungstradition in Deutschland basiert auf einer Verbindung von praktischer und theoretischer Ausbildung. Immer noch wird die Mehrheit der Jugendlichen im sog. „Dualen System“ ausgebildet und stellt daher den wichtigsten Übergang von Schule zum Beruf dar.

Um den Forderungen insbesondere des Handwerks nach weniger Berufsschultagen und damit mehr betrieblicher Anwesenheit der Auszubildenden nachzukommen, hat der Ausbildungskonsens NRW im Jahr 2006 einen Vorhabenkatalog zur Flexibilisierung der Berufsschulzeit beschlossen.
In dem Modellversuch GIGS wird der Berufsschulunterricht zu einem ausgedehnten Berufsschultag mit zehn Unterrichtsstunden zusammengefasst. Die Anzahl der Berufsschultage lassen sich so von bis zu 80 auf nunmehr 50 pro Schuljahr verringern, ohne die Zahl der vorgeschriebenen 480 Regelstunden zu reduzieren.
Um Unterrichtsqualität, Lernmotivation und Leistungsstand weiterhin zu gewährleisten, soll der Lernerfolg im Ganztagsberufsschultag durch den handlungsorientierten Unterricht, die Umsetzung des Lernfeldkonzeptes sowie durch die Einführung und Etablierung eines integrierten Sport-, Gesundheits- und Ernährungskonzeptes sichergestellt und gefördert werden.

Methode

In dem vom Institut für Schulsport und Schulentwicklung wissenschaftlich begleiteten Modellversuch werden in Hennef für Maler- und Lackierer, in Bocholt für Tischler und in Recklinghausen für Frisöre folgende Fragestellungen im Vordergrund stehen:
• Wie wirkt sich der Ganztagsberufsschulunterricht auf die Motivation und Zufriedenheit der Auszubildenden und Lehrenden aus?
• Wie ist der Berufsschultag aus arbeitswissenschaftlicher Sicht zu bewerten?
• Welche Auswirkungen hat das Angebot auf das Lernverhalten der Auszubildenden, z.B. Konzentrations- und Aufnahmevermögen?
• Wie kann ein aufeinander abgestimmtes Sport-, Ernährungs- und Gesundheitskonzept in den Bildungsgang integriert und leistungsphysiologisch förderlich umgesetzt werden?
• Gibt es relevante Unterschiede zwischen Modell- und Kontrollgruppe, z.B. hinsichtlich Ausbildungserfolg, Fehlzeiten, Unterrichtsqualität?
• Welchen Bedingungen unterliegt der Sportunterricht in der Berufsschule?

Im Rahmen des Evaluationsvorhabens werden sowohl quantitative als auch qualitative Methoden zur Anwendung kommen. Darüber hinaus gilt es in Kooperation mit dem FBH zu klären, welche organisatorischen Bedingungen und welche didaktisch-methodischen bzw. curricularen Aspekte berücksichtigt werden müssen, um die Ganztagsberufsschule erfolgreich umsetzen zu können.

Zentrale Ergebnisse

Eine abschließende Bewertung des dreijährigen GigS-
Modellversuchs soll hier kurz zusammengefasst werden:

• Aus Schülersicht und dabei vor allem bezogen auf ihren eigenen Lern- und Schulerfolg fällt die Bilanz des Modellversuchs positiv aus.
• Aus Lehrersicht und dabei besonders im Hinblick auf die Lehrerbelastung zeigt sich ein ambivalentes Bild. Mehr als die Hälfte der involvierten Lehrkräfte bestätigen einen erhöhten Mehraufwand, wobei die Mehrzahl der Lehrerinnen und Lehrer eine positive Einstellung gegenüber der Grundkonzeption des Modellversuchs gewonnen haben.
• Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist grundsätzlich nicht gestiegen, jedoch ist eine verbesserte Stimmung hinsichtlich der Ausbildung durch GigS vernehmbar.

Das Modell "GigS" wird seit dem Schuljahr 2008/2009 an weiteren Berufskollegs in weiteren Ausbildungsberufen erprobt.
StatusAbschlussdatum
Laufzeit01.06.0631.12.09

ID: 431581

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