Analysing collective tactical behaviours in football using an experimental approach

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Im Fußball ist die wissenschaftliche Untersuchung taktischer Bewegungsmuster eine
generell schwierige Aufgabe. Die vielen Freiheitsgrade in den Bewegungen der Spieler
und des Balles stellen die Forschung vor ein komplexes Problem. Sportwissenschaftler
bedienen sich daher der Theorie der komplexen Systeme, um das taktische Verhalten
der Fußballer besser zu verstehen. Hier wurden viele Ansätze aus dem Bereich der
kollektiven Verhaltensweisen von Tieren verwendet, wo kollektive Muster aus lokalen
Interaktionen zwischen sich selbst organisierenden Gruppenmitgliedern entstehen.
Dementsprechend wurden einige Prinzipien komplexer kooperativer Verhaltensweisen
in der Tierwelt zum Paradigma für das Verständnis kollektiver taktischer Bewegungen
im Fußball. Diese Entwicklung wurde durch die Technologie der Spielertracking-
Systeme verstärkt, welche die Bewegungen der Spieler kontinuierlich aufzeichnen, und
die Untersuchung verschiedener Spielkonfigurationen ermöglichen. In der vorliegenden
Dissertation wurde zunächst eine systematische Übersicht über empirische Studien
erstellt (Studie Eins), bevor der Schwerpunkt auf zwei Forschungslücken gelegt wurde.
Zum einen ist wenig über die zugrunde liegenden Prozesse bekannt, die das taktische
Verhalten im 11-gegen-11-Spiel erklären. Zum anderen ist die Forschung für die Praxis
nicht ausreichend kontextualisiert. Angesichts dieser beiden Lücken wurde in der
vorliegenden Arbeit ein experimenteller Ansatz gewählt, um das taktische Verhalten
von Fußballspielern im Spiel 11 gegen 11 auf der Grundlage ihrer Positionsdaten zu
analysieren und nach Erklärungsmechanismen zu suchen, die den beobachteten
taktischen Verhaltensweisen in verschiedenen Kontexten zugrunde liegen.
Dementsprechend wurden zwei empirische Studien durchgeführt, bei denen sechs
Jugendfußballmannschaften (unter 17 Jahren) an 11-gegen-11-Feldexperimenten
teilnahmen und 72 Versuchsdurchgänge im Setting Angriff gegen Verteidigung
durchführten. In jeder Studie wurde ein balanciertes Crossover-Design gewählt und die
Auswirkungen einer unabhängigen Variablen untersucht. Studie Zwei untersuchte die
Unterschiede im kollektiven taktischen Verhalten der Spieler zwischen zwei Pressing-
Strategien: Angriffs- und Verteidugungspressing. Studie Drei verglich die Unterschiede
im kollektiven taktischen Verhalten zwischen zwei Verteidigungsformationen: Der 4-4-2
und der 5-3-2 Formation. Das taktische Verhalten wurden auf verschiedenen
Organisationsebenen analysiert: Spielebene, Mannschaftsebene, Gruppenebene,
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dyadische Ebene und individuelle Ebene. Die Analysen wurden durch eine
Notationsanalyse von Pässen erweitert. Die Ergebnisse beider Studien boten diverse
Erklärungsmechanismen für das kollektive taktische Verhalten der Fußballer als
Resultat verschiedener Strategien. In Studie Zwei lässt sich die erhöhte Längsstreuung
in den Spielerpositionen beim Angriffspressing durch größere Abstände zwischen den
Linien erklären, welche den gegnerischen Stürmern und offensiven Mittelfeldspielern
mehr Raum bieten. In Studie Drei lässt sich die geringere Streuung beim Verteidigen in
einer 5-3-2-Formation im Vergleich zu einem 4-4-2 Formation dadurch erklären, dass
sich die Stürmer näher zu den Mittelfeldspielern zurückziehen. Die Kombination der
Ergebnisse aus den beiden empirischen Studien zeigt, dass Verteidigungs- und
Mittelfeldpressing zu ähnlichen kollektiven Strukturen führen, wobei das
Angriffspressing durch eine größere Längsstreuung gekennzeichnet ist. Vergleiche
diverser taktischer Variablen mit denen realer Spiele zeigen eine gute Repräsentativität
des Versuchsaufbaus. Darüber hinaus bietet die Untersuchung von verschiedenen
systemischen Organisationsebenen Einblicke in taktischen Verhaltensweisen von der
Mikro- bis zur Makroebene. In der Praxis könnte der vereinzelte Einsatz von
Angriffspressing wertvoll sein; die Wahl der 5-3-2-Verteidigungsformation gegenüber
dem 4-4-2 könnte die größten Auswirkungen auf die Außenverteidiger der angreifenden
Mannschaft haben; und die Analysen auf dyadischer Ebene könnten tiefere Einblicke in
das Deckungsverhalten der Spieler liefern. Insgesamt bietet diese Dissertation
verschiedene Erklärungsmodelle für kollektives taktisches Verhalten als Reaktion auf
diverse Verteidigungsstrategien, sowie eine methodische Erarbeitung kontextbezogener
Analysen, die den Praktikern im Sport tiefere Einblicke gewähren.
OriginalspracheEnglisch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang75
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2022

Bibliographische Notiz

Kumulative Dissertation

ID: 13552945

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