Auswirkungen unbewusster Verarbeitung unter visueller (Un-)Aufmerksamkeit auf Entscheidungen, Verhalten und Präferenzen

Publikationen: Buch/BerichtDissertationsschriftForschung

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Unsere Umwelt ist unbeschreiblich komplex. Die menschliche Wahrnehmung dieser Umwelt wird durch unsere Aufmerksamkeit strukturiert und ihre Inhalte aufgrund unserer begrenzten Kapazität selektiert: Den im Fokus unserer Aufmerksamkeit liegenden Informationen werden mehr kognitive Ressourcen zuteil als Informationen, die nicht im Fokus unserer Aufmerksamkeit stehen. Dieser Prozess kann mitunter zu Unstimmigkeiten zwischen den gegebenen Bedingungen in unserer Umwelt und unserem Abbild davonführen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit zwei unterschiedlichen Konsequenzen dieser selektiven Verarbeitung.
Im ersten Teil der Synopsis wird die Verarbeitung von Reizen untersucht, die zwar innerhalb unseres Wahrnehmungs- und Blickfeldes liegen, aber aufgrund von Unaufmerksamkeit unentdeckt bleiben, also nicht bewusst wahrgenommenen werden. Ein Großteil der Forschung zu Unaufmerksamkeit beschäftigte sich bisher mit den Faktoren, die beeinflussen, ob ein Reiz die Wahrnehmungsschwelle überschreitet oder nicht. Die vorliegende Arbeit hingegen soll die Stärke der Verarbeitung dieser Reize unterhalb der Wahrnehmungsschwelle sowie ihre Auswirkungen auf das Erleben und Verhalten untersuchen. Die durchgeführte Metaanalyse zeigt, dass die durch Unaufmerksamkeit unentdeckten Reize trotzdem so stark verarbeitet werden, dass sie die Entscheidung für bestimmte Reizmerkmale beeinflussen. Auch Reize, die nicht bewusst wahrgenommen werden, weil sie außerhalb des Aufmerksamkeitsfokus liegen, verursachen ein verhaltensrelevantes Ausmaß mentaler Verarbeitung (Publikation I). Weiterhin zeigt sich in zwei durchgeführten Laborexperimenten, dass die perzeptuelle Belastung der im Aufmerksamkeitsfokus liegenden Reize keinen moderierenden Faktor für die Verarbeitungsstärke unentdeckter Reize darstellt; auch unter hoher perzeptueller Belastung wirken sich Eigenschaften der unentdeckten Reize noch signifikant auf Zielreaktionen aus (Publikation II). Abschließend untersucht eine dritte Studie mit drei Experimenten, ob vorbewusste Verarbeitung, über die in der Metaanalyse bereits gezeigte Beeinflussung des Entscheidungsverhaltens hinaus, auch einen Einfluss auf subjektive Präferenzen haben kann. Die Befunde legen nahe, dass auch eine wiederholte Darbietung und dadurch mehrfache unbewusste Verarbeitung von Reizen keine subjektiven Präferenzen für diese vormals unbekannten Reize hervorruft (Publikation III).
Die Verzerrung der Wahrnehmung durch Aufmerksamkeitsprozesse ist nicht nur auf die Reize beschränkt, die außerhalb des Fokus unserer Aufmerksamkeit liegen, sondern betrifft auch
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diejenigen Reize, die genau im Fokus der Aufmerksamkeit liegen. Die durch die Aufmerksamkeit verstärkte mentale Verarbeitung von Reizen kann zu Verzerrungen in der Wahrnehmung ebendieser Reize führen. Im zweiten Teil der Synopsis wird im Rahmen von drei Experimenten die wahrnehmungsverzerrende Auswirkung affektinduzierter motivationaler Ausrichtung auf Reize innerhalb des Aufmerksamkeitsfokus untersucht. Trotz erfolgreicher Manipulation der motivationalen Orientierung durch emotionale Reize zeigt sich keine verstärkte Verzerrung visueller Wahrnehmung im verwendeten Verhaltensmaß (Publikation IV).
Die im Rahmen der Arbeit gewonnenen Erkenntnisse über das Zusammenspiel von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung im Rahmen unbewusster Verarbeitungsprozesse werden vor dem Hintergrund ihrer Limitationen interpretiert, Schlussfolgerungen für die zukünftige Forschung abgeleitet sowie mögliche praktische Implikationen diskutiert.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang70
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2020

Bibliographische Notiz

Kumulative Dissertation

ID: 5479268

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