Balance der knieumspannenden Muskulatur: Isokinetische Diagnostik und trainingsinduzierte Optimierung

Publikationen: Buch/BerichtDissertationsschriftForschung

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Die Balance der knieumspannenden Muskulatur spielt in Sportarten, die Lauf- oder Sprintaktionen enthalten, eine leistungsbestimmende Rolle. Des Wei­teren ist sie ein wichtiger Einflussfaktor für die Prävention von Oberschenkel- und Knieverletzungen wie z.B. Zerrungen der Ischiokruralmuskulatur oder Risse des vorderen Kreuzbandes. Die isokinetische Kraftdiagnostik wird als Goldstandard zur Beurteilung des Beuger-Strecker-Verhältnisses angesehen. Jedoch fehlt ein etabliertes Verfahren mit entsprechenden Parametern, das eine zufriedenstellende Validität in der Quantifizierung von Adaptations­prozessen und in der Verletzungsprävention aufweist. Mithilfe von sechs empirischen Studien wurde innerhalb des vorliegenden Forschungs­programms die Anwendbarkeit eines neuen isokinetischen Testprotokolls einschließlich seiner abgeleiteten Parameter in der Diagnostik der Balance der knieumspannenden Muskulatur geprüft.
Anhand dieser Studien konnte nachgewiesen werden, dass die Reproduzier­barkeit der Testdaten generell hoch ist. Jedoch variierte sie je nach Muskel­gruppe, Kontraktionsform und Messparameter signifikant, während die Winkelgeschwindigkeit keinen Einfluss auf die Test-Retest-Reliabilität zeigte. Die Generierung der maximalen Drehmomente und der maximal verrichteten Arbeit der konzentrisch und exzentrisch arbeitenden Knieextensoren wurde durch Handgriffe als Probandenstabilisierung ermög­licht. Die Stabili­sierung des Knie- und Hüftgelenks verringerte Ausweich­bewegungen und ver­besserte somit die Achsenkongruenz. Das konven­tionelle und funk­tionelle Beuger-Strecker-Verhältnis sowie der Punkt des Momentengleich­gewichts zeigten eine ver­gleichbare Reproduzierbarkeit. Der letzt­genannte Para­meter scheint über eine hohe Praxisrelevanz zu verfügen, die für seine zukünftige Anwen­dung und Interpre­tation spricht. Im Gegensatz zum funktionellen Beuger-Strecker-Verhältnis beeinflusste ein langfristig spezi­fisches Training das Drehmoment des Punkts des Momentengleich­gewichts positiv. Darüber hinaus korrelierte es sehr hoch mit dem maximalen Drehmoment und der Arbeit während exzentrischer isokinetischer Tests der Knieflexoren. Ein vier­wöchiges selektives exzentrisches Kniebeu­gertraining mittels standardisierter „Nordic Hamstring Exercise“ verbesserte die Balance der knieumspannenden Muskulatur. Die größten Anpassungseffekte traten zwei Wochen nach Been­digung des Trainings bei der höchsten gemessenen Winkel­geschwindigkeit auf, obwohl die Trainingsübung mit einer konstant langsamen Geschwindigkeit durch­geführt wurde.
Das vorliegende Forschungsprogramm liefert systematische Ergebnisse eines neuen isokinetischen Testprotokolls zur praxisrelevanten Beurteilung der Balance der knieumspannenden Muskulatur sowie zur Quantifizierung seiner trainingsinduzierten Optimierung. Die prognostische Validität des Punkts des Momentengleichgewichts in der Prävention und Rehabilitation von Ober­schenkel- und Knieverletzungen wurde bislang empirisch nicht überprüft. Dies sollte im Rahmen von prospektiven und retrospektiven Studien unter Anwen­dung einer mehrdimensionalen Testbatterie erfolgen.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang166
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2018

ID: 3254022

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