Depression and stress in German competitive athletes: From basic research to preventive interventions for adolescent athletes

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Die Depression ist eine häufige Erkrankung unter Leistungssportler*innen und kann mit schwerwiegenden Konsequenzen wie einem drastischen Leistungsabfall, einem vorzeitigen Karriereende oder sogar einem Suizid einhergehen. Es hat sich gezeigt, dass Sportler*innen genauso anfällig für depressive Symptome sind wie Nicht-Sportler*innen, und im Leistungssport wurde Stress wiederholt mit depressiver Symptomatik in Verbindung gebracht. Ausgehend von den alarmierenden möglichen Folgen von Depressionen im Leistungssport werden in der vorliegenden Dissertation depressive Symptomatik und Stress sowie damit verbundene Faktoren bei deutschen Leistungssportler*innen untersucht.

Ein Überblick über den aktuellen Stand der Literatur zeigt, dass bestehende Prävalenzstudien zu Depressionen ein breites Spektrum an Prävalenzraten und inkonsistente Befunde bezüglich des Zusammenhangs zwischen depressiver Symptomatik und demographischen Variablen (z.B. Alter, sportliches Leistungsniveau) aufweisen. Mehrere der existierenden Prävalenzstudien sind zudem durch methodische Limitationen, wie kleine und nicht repräsentative Stichproben, und die fehlende Berücksichtigung von jugendlichen Leistungssportler*innen gekennzeichnet. Um sich mit den genannten Limitationen und Forschungslücken zu befassen, ist das Ziel von Studie I dieser Dissertation die Untersuchung der Prävalenz depressiver Symptome in einer umfangreichen Stichprobe deutscher Leistungssportler*innen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Untersuchung des Zusammenhangs zwischen der Prävalenz depressiver Symptome und den demographischen Variablen Alter, Geschlecht und sportliches Leistungsniveau. Studie I ergab, dass von 1799 deutschen Leistungssportler*innen 13,4% depressive Symptome und 10,2% Beeinträchtigungen des psychischen Wohlbefindens zeigten. Als Risikofaktoren für depressive Symptomatik wurden das Jugendalter, das weibliche Geschlecht und das sportliche Leistungsniveau der Junioren-Nationalmannschaft identifiziert.

In der Allgemeinbevölkerung gibt es umfassende empirische Evidenz für den Zusammenhang zwischen Depressionen, Stress und Rückenschmerzen. Trotz der Tatsache, dass Rückenschmerzen im Leistungssport ein weit verbreitetes Problem mit negativen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und die (psychische) Gesundheit der Athlet*innen sind, hat der Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und den psychosozialen Variablen Depressionen und Stress im Leistungssport bisher kaum wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfahren. Um diese Forschungslücke zu schließen, wird in Studie II dieser Dissertation der
Zusammenhang zwischen Depressionen, Stress und Rückenschmerzen bei deutschen Leistungssportler*innen untersucht. Studie II zeigte, dass bei einer Stichprobe von 154 Leistungssportler*innen depressive Symptome und Stress mit Rückenschmerzparametern assoziiert waren. Insbesondere konnten Stress mit Schmerzintensität und depressive Symptome mit schmerzbezogener Beeinträchtigung in Verbindung gebracht werden.

Eine Vielzahl empirischer Befunde unterstützt die Annahme, dass das Jugendalter eine sensible Zeit für das Erleben von Stress und stressbedingten psychischen (z.B. Depressionen) und physischen (z.B. Rückenschmerzen) Gesundheitsfolgen ist. Um das aus empirischen Befunden und theoretischen Grundlagen gewonnene Wissen auf die angewandte Arbeit mit Leistungssportler*innen zu übertragen, ist das Ziel von Studie III die Entwicklung, Durchführung und Evaluation einer theoriebasierten Stresspräventionsintervention für jugendliche Fußballspieler*innen in einer randomisiert-kontrollierten Studie. Die Evaluation der Intervention bezog sich auf die Beurteilung der Wirksamkeit der Intervention in Bezug auf Stress-, Bewältigungs- und Depressionsparameter sowie auf die von den Athlet*innen wahrgenommene Nützlichkeit der Intervention. Es traten keine Interventionseffekte bezüglich Stress, Bewältigungsfähigkeiten und depressiven Symptomen auf. Dessen ungeachtet empfanden die Athlet*innen die Stresspräventionsintervention als nützlich, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung ihrer Leistung und ihres Wohlbefindens.

Die vorliegende Dissertation kann mittels Grundlagenforschung über Querschnittsdesigns (Studie I und Studie II) und einer längsschnittlichen präventiven Interventionsstudie (Studie III) neue Erkenntnisse über Depressionen, Stress und damit verbundene Faktoren im Leistungssport liefern. Betrachtet man die durchschnittliche Prävalenzrate über alle drei Studien hinweg, so wurde jede/r zehnte deutsche Leistungssportler*in positiv auf depressive Symptome untersucht. Diese beobachtete Prävalenzrate bei Leistungssportler*innen entspricht der Prävalenzrate, die auch in der deutschen Allgemeinbevölkerung festgestellt wurde. Diese Dissertation legt außerdem nahe, dass jugendliche Leistungssportler*innen offenbar anfälliger für depressive Symptome sind als andere Altersgruppen. Zukünftige Studien sollten in Betracht ziehen, die Mechanismen von Stress und stressbedingten Gesundheitsfolgen (z.B. Depressionen) im Leistungssport zu untersuchen, um das Verständnis für deren Entstehung zu verbessern und um effektive präventive Interventionen für den Kontext Leistungssport im Allgemeinen und für jugendliche Leistungssportler*innen im Besonderen entwickeln zu können.
Titel in ÜbersetzungDepressionen und Stress in deutschen Leistungssportler*innen: Von Grundlagenforschung zu präventiven Interventionen für jugendliche Leistungssportler*innen
OriginalspracheEnglisch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang67
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2020

Bibliographische Notiz

Kumulative Dissertation

ID: 5439033

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