Der Yips im Golf : Unwillkürliche Muskelkontraktion beim Golfspielen

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Beim sog. Yips handelt es sich um eine unwillkürliche Rotation des Unterarms oder des Handgelenks kurz vor dem Treffen des Golfballs. Der Yips tritt hauptsächlich beim Putt auf, bei dem durch die unpräzise Bewegungsausführung ein kontrolliertes Einlochen des Balls verhindert. Einer amerikanischen Studie zur Folge sind 47,5% der langjährig erfahrenen Golfer von Yips betroffen sind. Eigenen Untersuchungen zufolge sind in Deutschland 22,4% der Golfer von Yips betroffen. Bei Profigolfern kann der bislang schwer behandelbare Yips zum Ende der Karriere führen. Untersuchungen zeigen, dass Yips nicht nur im Golf, sondern auch in anderen Sportarten als unwillkürliche Muskelkontraktion auftritt, u.a. im Darts, Cricket, Tennis, Tischtennis und Laufen. Bisweilen ist noch unklar, wie Yips entsteht und welche Ursachen dazu führen. Der aktuelle Forschungsstand beschreibt die Ursachen dabei auf einem Kontinuum zwischen einem neurologisch (Fokale Dystonie) und einem psychologisch (Choking) bedingten Zusammenbruch der motorischen Kontrolle. In Interviews, die mit von Yips Betroffenen geführt wurden, zeigte sich, dass diese Golfer negative (z. B. dysfunktionale) kognitive sowie emotionale Assoziationen mit dem Putten verbinden. Dabei handelt es sich um Kontrollverlust (n = 8), Schwächung des Selbstvertrauens sowie des Vertrauens in die Puttleistung generell und um die Zunahme der Angst vor Fehlern (n = 7). Eine mögliche Verstärkung der Yips-Symptome kann in der Aufmerksamkeitslenkung gesehen werden. Vier Probanden gaben an, sich kurz vor der Bewegungsausführung auf einen möglichen, stattfindenden Yips und somit eine schlechte Leistung zu konzentrieren. Acht gaben an, sich auf technische Aspekte zu konzentrieren und weitere vier fokussierten ein Ziel, z. B. das Loch oder die Schlagrichtung. Die am häufigsten gewählte Lösungsstrategie, die bei einer Großzahl der Probanden temporär Erfolge brachte, war die Technikveränderung (z. B. Griffwechsel). Ebenso gaben neun Probanden an, ihr Equipment gewechselt zu haben und z. B. einen leichteren, schweren, kürzeren oder längeren Putter verwendet zu haben. Vor diesem Hintergrund berichten Verf. von drei umfangreichen Studien zum Yips, die an der Deutschen Sporthochschule Köln geplant sind. Die erste Studie zielt darauf ab, Golfer mit Yips eindeutig diagnostizieren zu können. In der zweiten Studie geht es um die Klassifizierung von Yips-Untergruppen im Bezug auf die Ursachen. Diese beiden Studien stellen die Grundlage der abschließenden Studie dar, in der eine ursachenspezifische Interventionsmethode getestet werden soll. Für die erste Studie wurden von Yips betroffene Golfer mit nicht betroffenen Golfern miteinander verglichen. Die explorativ angelegte Untersuchung soll Yips durch den Einsatz verschiedener Methoden erkennbar machen. Insgesamt wurden 40 Golfer und Golferinnen für die Studie rekrutiert, von denen jeweils 20 in die Gruppe von Yips betroffener Golfer und nicht betroffener Golfer eingeteilt wurden. Einteilungskriterien waren die Expertenbewertung eines professionellen Golflehrers und ein einarmiger Putttest bei dem auf mögliche Zuckungen und Verdrehungen geachtet wurde. Da diese Studie sich noch in der Auswertungsphase befindet, wird hier nur exemplarisch das Ergebnis der Puttleistung beider Gruppen aufgezeigt. Nur in der einarmigen Puttbedingung unterscheiden sich beide Gruppen signifikant. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass der Yips über das einarmige Putten diagnostiziert werden kann. Schlussfolgerungen können jedoch erst nach der Auswertung der kinematischen und elektromyografischen Daten gemacht werden. Von den Studien zwei und drei, die für das Jahr 2012 angesetzt sind, versprechen Verf. sich zum einen die Unterscheidung von verschiedenen Yips-Formen und zum anderen die Detektion wirksamer Behandlungsmethoden. Schiffer (unter Verwendung wörtlicher Textpassagen)
OriginalspracheDeutsch
ZeitschriftIMPULSE -- Das Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Köln
Jahrgang18
Seiten (von - bis)16-23
Seitenumfang8
ISSN2192-3531
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2012

Bibliographische Notiz

Köln

ID: 245533

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