Die ökonomischen Auswirkungen von COVID-19 für Nachwuchsleistungs- und Spitzensportler:innen in Deutschland

Publikationen: Buch/BerichtMonografie

AutorInnen

Forschungseinrichtungen

Details

Im Rahmen des vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft geförderten und von der Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützten Projekts wurde im März und April 2021 eine Online-Befragung von deutschen Nachwuchsleistungs- und Spitzensportler:innen durchgeführt. Ziel dieser Befragung war die Erfassung der ökonomischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand zum einen die Quantifizierung der Einkommens- und Ausgabenentwicklung der Athlet:innen im Jahr 2020 und zum anderen die Schätzung des Einflusses der ökonomischen Auswirkungen auf die Lebenszufriedenheit der Athlet:innen. Insgesamt haben an der Befragung 1.654 Athleten und Athletinnen erfolgreich teilgenommen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 42,5% der von der Deutschen Sporthilfe insgesamt geförderten Athlet:innen. Die Befragung baut dabei auf einer vorherigen Erhebung von Breuer et al. (2018) auf, so dass ein Vergleich der Kohorten für die Jahre 2017 und 2020 möglich ist. Die Befunde zeigen, dass sowohl der Trainings- als auch der Wettkampfbetrieb über alle Kader und Sportarten hinweg von der Pandemie im Jahr 2020 deutlich eingeschränkt war. Zudem gab im Vergleich zu der Gesamtbevölkerung ein deutlich höherer Anteil (8,2%) der Befragten eine Infektion mit COVID-19 in 2020 an. Positiv ist zu erwähnen, dass die Einschätzung der Athlet:innen hinsichtlich ihrer Zukunftsaussichten weiterhin eher optimistisch ausfällt. Hinsichtlich der ökonomischen Auswirkungen wurde ein indirektes Maß auf Basis des Querschnittsvergleichs und ein direktes Maß auf Basis der Befragung in 2021 ermittelt. Verglichen mit der Studie von Breuer et al. (2018) zeigt sich zunächst einmal, dass das jährliche Einkommen um 2.820 € (-15,1%) zurückgegangen ist. Von diesem Rückgang waren mit Ausnahme der Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe alle Einkommenskategorien betroffen. Die Einbußen fielen bei Athletinnen deutlich stärker aus als bei Athleten. Die direkte Befragung der Athlet:innen in Bezug auf ihrer Einkommensentwicklung im Vergleich zum Jahr 2019 zeigt, dass insbesondere bei den Einkommensquellen, die direkt mit dem Wettkampfsport in Verbindung stehen (z.B. Sponsoren, Werbeverträge, Preisgelder), ein Rückgang zu beobachten war. Im Durchschnitt reduzierte sich das Jahresgesamteinkommen der Sportler:innen um 2.630 € (-14,2% im Vergleich zu 2019). Auch bei den Ausgaben ist ein Rückgang im Jahr 2020 zu beobachten. Der Vergleich mit der Studie von Breuer et al. (2018) zeigt einen Rückgang der Gesamtkosten um 1.610 € pro Jahr. Insbesondere Fahrt- und Reisekosten fielen im Jahr 2020 geringer aus. Insgesamt liegt dieser Wert jedoch deutlich unter der bereits aufgeführten Reduzierung des Einkommens. Die direkte Abfrage bei den Athlet:innen im Vergleich zum Jahr 2019 bestätigt die Ergebnisse des Querschnittvergleichs. Jedoch fällt dieser Rückgang mit 190 € deutlich geringer aus. Bei der Zufriedenheit lässt sich im Querschnittsvergleich zwischen 2017 und 2020 zunächst deskriptiv eine Verschlechterung der durchschnittlichen Lebenszufriedenheit von 7,4 auf 6,9 beobachten (Skala 0-10). Diese Effekte treten unabhängig vom Geschlecht und der Sportart der Athlet:innen auf. Mit Hilfe von Regressionsmodellen wurde schließlich der Einkommensrückgang mit der Lebenszufriedenheit in Verbindung gesetzt. Die Analyse des Querschnittsdatensatzes aus 2020 zeigt einen eindeutig negativen Effekt von 0,678 Punkten auf die Lebenszufriedenheit (Skala 0-10) für den Fall, dass die Athlet:innen einen Einkommensschock erlitten haben. Weiter ist zu beobachten, dass der Einfluss mit der Größe des Einkommensschocks steigt. Beispielsweise beträgt der Einfluss des Einkommensschocks bei einem Rückgang von mehr als 50% des Einkommens -0,953 Punkte. Zusätzlich zeigen die Ergebnisse, dass der negative Effekt besonders bei Athlet:innen mit einem niedrigen Jahreseinkommen (unter 10.000 €) zu beobachten ist. Dazu passt, dass der negative Effekt bei Athlet:innen unter 20 Jahren und bei einer Kaderstufe unterhalb des Perspektivkaders besonders stark ausfällt. Eine zusätzliche Analyse des Längsschnitts kann aufgrund der geringeren Stichprobengröße die Ergebnisse der vorherigen Analyse zwar nicht bestätigen, verdeutlicht aber dennoch, dass die Pandemie die Lebenszufriedenheit der Athlet:innen insgesamt negativ beeinflusst hat.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln, Institut für Sportökonomie und Sportmanagement
Seitenumfang84
ISBN (Print)978-3-937058-14-6
PublikationsstatusVeröffentlicht - 12.2021

ID: 6315014

Beziehungsdiagramm anzeigen