Die Spur der Gesellschaft: Reflexionen zur Gesellschaftstheorie nach Luhmann

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Die gesellschaftstheoretische Lektüre der Gesellschaft ist seit der Geburt der Weltgesellschaft auf die Reflexion von Kontingenz und Komplexität eingestellt. Für das Re-flexionsproblem dieser kontingenten und komplexen Einheit bietet die von Niklas Luhmann (im Anschluss an Talcott Parsons) ausgearbeitete Systemtheorie das differenzierteste und am besten erprobte Beobachtungswerkzeug. Von Beginn an waren die systemtheoretischen Selbst-Thematisierungen der Gesellschaft zugleich Gegenstand der Kritik. Die Kritik der systemtheoretischen Gesellschaftstheorie beinhaltet dabei nicht nur die Frage nach ihrer Angemessenheit, sondern stellt sich zugleich als Frage nach der Möglichkeit und Notwendigkeit einer anderen Gesellschaftstheorie – einer Gesellschaftstheorie „nach Luhmann“ – dar. Diese Konstellation von Systemtheorie als orientierungsrelevantem Traditionsgut der Gesellschaftstheorie, ihrer Kritik und der Möglichkeit einer neuen Lektüreform wird in dieser Arbeit auf das Problem der Normativität hin beobachtet. Für die moderne Theorie (und Praxis) der Gesellschaft stellt sich die Frage, wie sie ihren normativen Grund begreift, in sich aufnimmt und welche architektonischen Konsequenzen diese Aufnahme hat. Die These lautet, dass eine Gesellschaftstheorie nach Luhmann als Theorie einer normativen Ordnung von Freiheits- und Herrschaftsverhältnissen auszuarbeiten ist, die eine Parteilichkeit für wahre und gegen falsche Formen sozialer Relationierung artikuliert. Für diese Frage nach der Normativität von Theorie (und Praxis) der modernen Gesellschaft gilt es, vor allem Überlegungen aus der kritischen Rechtsphilosophie (Christoph Menke) auf das Feld der Gesellschaftstheorie zu übertragen. Als Medium der Vermittlung von soziologischer Systemtheorie, soziologie-interner Versuche ihrer Überschreitung oder Depotenzierung (Gesa Lindemann, Heinz Bude, Uwe Schimank, Andreas Reckwitz, Oliver Marchart; Kritische Systemtheorie) und kritischer Rechtsphilosophie dient die Gesellschaftstheorie Mediale Moderne. Die gesellschaftstheoretische Reflexion der Beziehung von Komplexität/Kontingenz und Normativität/Kontingenz ist zugleich eine Vorarbeit, die das Verstehen des modernen Sports, der modernen Politik, der modernen Erziehung usw. – kurz: des Mannigfaltigen der Einheit moderner Gesellschaft – ermöglicht.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortWeilerswist
Herausgeber/inVelbrück
Seitenumfang266
ISBN (Print)978-3-95832-206-6
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2020

ID: 5181900

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