Die Zukunft der Leistungsdiagnostik im Nachwuchsfußball: Quantitative Spieldatenanalyse zur Erstellung von positionsspezifischen Anforderungsprofilen und Talentprädiktoren

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Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten aufzuzeigen, wie objektive Spieldaten in den Talentförderprozess eingebunden werden können und so dazu beitragen, die Nachwuchsförderung in Deutschland zu verbessern. Dabei kann im ersten Teil vorliegender Arbeit gezeigt werden, dass sich objektive Parameter, die von einer Expertengruppe ausgewählt wurden, um die Spielphilosophie eines Teams zu beschreiben, innerhalb der untersuchten Vereine über die Altersstufen hinweg in Anzahl und Effektstärke, je nach Verein variierend, statistisch relevant voneinander unterscheiden. Über alle Vereine hinweg zeigt sich dabei in einer Stichprobe von 6166 Spielen für den Parameter „Spieltempo“ die größte Effektstärke zwischen dem Nachwuchs- und dem Profiteam mit ɲ²=0.147, aber auch bei anderen Parametern, wie bspw. den „Schüssen auf das Tor pro Minute“ zeigt sich mit ɲ²=0.093 ein mittelgradiger Effekt. Im Rahmen dieser Untersuchung kann auch gezeigt werden, dass die „Einheitliche Ausbildung“ (gemessen an Indizes, die die signifikanten Unterschiede in den erhobenen Parametern berücksichtigen) im Sinne des EiJP, einen signifikanter Zusammenhang (rP =.560) auf die Anzahl an ausgebildeten späteren Profispielern hat und dieser Effekt auf die späteren BIG5-Spieler noch größer ist (rP =.693). Auf den späteren durchschnittlichen Marktwert der Spieler kann hingegen kein statistisch relevanter Einfluss (p=.697) gezeigt werden. Selbiges zeigt sich auch für die Anzahl an Profidebüts im eigenen Verein, allerdings mit differierendem Signifikanzniveau (.092≤p≥.972) für die unterschiedlichen Indizes. Ebenso veranschaulicht diese Erhebung, dass die U23-Teams dem Profiteam in ihrer Spielidee am ähnlichsten sind. Während der große Effekt im Bereich des Spieltempos in Einklang mit der vorherrschenden Literatur ist, so können die Erkenntnisse i.S. Einheitlichkeit der U23 zum Profiteam und die Ausprägungsform der Parameter aus dem Offensivspiel im Bereich der Junioren kritisch diskutiert werden, da die Ergebnisse vorliegender Studie konträr zum nicht evidenzbasierten Meinungsbild in den Medien stehen. Im zweiten Abschnitt der Arbeit können auf Einzelspielerebene zahlreiche, positionsspezifische Parameter identifiziert werden, die sich zwischen den einzelnen Altersstufen statistisch relevant unterscheiden. Dafür werden insgesamt 39173 Einzelspielerdatensets analysiert (IV: 11862, AV: 9002, ZM: 11899, AM: 2159 und ST: 4251). Die damit vorliegenden, positionsspezifischen Anforderungsprofile für die einzelnen Altersabschnitte können dazu dienen, Trainingsinhalte in den Nachwuchsteams anzupassen und ggf. auch den Wettkampfmodus zu überarbeiten, um die Spieler noch besser auf das spätere Anforderungsprofil in den Profiteams vorzubereiten. Ebenso können vorliegende Konfidenzintervalle auch dazu genutzt werden, Alternativpositionen für Spieler zu finden. Im letzten Teil der Arbeit können über die spätere Spielklassenzugehörigkeit der untersuchten Spieler, mittels multinominal logistischer Regression, Prädiktoren identifiziert werden, die es ermöglichen, mit schwachen bis großen Effektstärken (0.1<d>1.7) zwischen den späteren Spielklassen „keine Profiliga“, „Profiliga außerhalb der BIG5-Ligen“ und „BIG5-Ligen“ zu differenzieren. Die Ergebnisse differieren in ihrer Effektstärke und Signifikanzniveaus zwischen den einzelnen Altersstufen und Positionen. Für eine schnelle, praktikable Scoutinginformation können auch hier die angegebenen Konfidenzintervalle zur besseren Einschätzung des Spielers und seiner Perspektive genutzt werden. Die vorliegende Arbeit zeigt das enorme Potential von objektiven Spieldaten auf und reißt die breiten Möglichkeiten von der Trainingssteuerung über die Scoutingrelevanz bis hin zu einer modernen in-Game-Leistungsdiagnostik an und bietet somit eine gute Grundlage für weitergehende Forschung i.S. objektive Spieldaten in der Nachwuchsausbildung. So sollte weitere Forschungsarbeit darauf abzielen, ob die angeführten Prädiktoren auch auf jünger Altersstufen anwendbar sind und ob komplexere KPI’s, wie bspw., die Raumkontrolle oder der Pressingindex eine noch größere Relevanz i.S. der Talentprädiktion bieten.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortBerlin
VerlagWissenschaftlicher Verlag Berlin
Seitenumfang383
ISBN (Print)978-3-96138-330-6
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2022

ID: 6761845

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