Effekte einer gezielten Kurzintervention im Setting Apotheke mit Einsatz motivierender Beratung, Schrittzäher und Medikationsanalyse auf die Gesundheit sowie Lebensführung von Kunden

Publikationen: Buch/BerichtDissertationsschriftForschung

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Hintergrund:
Die Prävalenzen von Zivilisationserkrankungen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas nehmen in Deutschland stetig zu (Gößwald et al. 2012; Gößwald et al. 2013; Ohlmeier et al. 2015; Neuhauser et a. 2013; DEGS1 2008-2011). Lebensstilfaktoren haben in diesem Zusammenhang einen entscheidenden Einfluss auf den Gesunderhalt, die Krankheitsentstehung sowie deren Verlauf (DEGS1 2008-2011; Gesundheitssurvey 2011). Um diese Entwicklungen aufzufangen, ist es erforderlich, dass bei den Leistungsanbietern im Gesundheitswesen wie beispielsweise den Apotheken als eine zentrale und niedrigschwellige Anlaufstelle für Bürger in Gesundheitsfragen, entsprechende Konzepte zum Erhalt sowie zur Verbesserung der Versorgungsqualität im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung entwickelt werden (Bundesapothekerkammer 2015).
Methodik:
Die vorliegende Arbeit überprüfte in diesem Kontext in einem Zeitraum von 12 Wochen den Einfluss einer gezielten Kurzintervention mit Schrittzählern, Medikationsanalysen, Ernährungsempfehlungen sowie motivierenden Beratungen auf den Gesundheitszustand und das Bewegungsverhalten von Kunden im Setting Apotheke. Es wurden gesundheitlich eingeschränkte (Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte) und/oder übergewichtige Personen im Alter zwischen 18 und 64 Jahre ausgewählt, die in drei Gruppen randomisiert wurden. Speziell wurden Körpergewicht, BMI, Bauchumfang, WHtR, Blutdruck, Blutfettwerte sowie die Lebensqualität (SF12) untersucht. Zusätzlich wurden die Verhaltensänderungen durch die Intervention im Bereich Bewegung und Sitzverhalten im Alltag sowie die Veränderungen der Medikation in Bezug auf Einnahme, Anwendung, Dosierung, Nebenwirkungen und Kontraindikation analysiert.
Ergebnisse:
Von 93 Teilnehmern standen 64 Personen zum Zeitpunkt T0 zur Verfügung. 60 Teilnehmer schlossen die Studie ab (62% w; 38% m). Signifikante Effekte wurden beim Körpergewicht, BMI, Bauchumfang und WhtR erzielt (kg: IG: -1,7 ± 2,1kg; KG: 0,3 ± 0,8 kg; p= 0,012: BMI: IG: -0,7 ± 0,9kg/m2; KG: 0,0 ± 0,3 kg/m2; p= 0,038; BU: IG: -2,2±4,0cm; KG: 0,0±1,6cm; p=0,017; WHtR: -0,1±0,2; KG: 0,1±0,1; p =0,018).
Frauen erreichten eine größere Reduktion als die Männer beim Gewicht (p= 0,013), BMI (p= 0,041) und Bauchumfang (p= 0,036). Die Blutdruckparameter (ausser BDsys) zeigten keine relevanten Entwicklungen durch die Intervention. Auch bei den Blutfettwerten gab es keine nennenswerten Veränderungen. Ausschließlich bei der Geschlechterbetrachtung zeigten die Männer einen signifikanten Unterschied beim HDL-CH-Wert (p= 0,040).
Im Bereich der Lebensqualität konnten signifikante Verbesserungen um drei Score-Punkte (p= 0,002) bei der physischen Lebensqualität ermittelt werden, die psychische Lebensqualität veränderte sich kaum (p= 0,072).
Sowohl die Bewegungszeiten im Beruf und Alltag als auch die Sitzzeiten im Beruf und Alltag veränderten sich nur unwesentlich. Die Schrittzahlen der IG konnten dagegen signifikant an Wochenenden gesteigert werden (p=0,008). Die Medikationsanalyse zeigte, dass bei 8,7% der männlichen Teilnehmer der IG aufgrund der Intervention auf eine regelmäßige Einnahme eines Arzneimittels verzichtet werden konnte (p= 0,051*). Es zeigte sich, dass bei den Teilnehmern der IG nach der Intervention nur noch 27,7% der detektierten ABP ermittelt werden konnten, was bedeutet, dass 72,3% der zu T0 detektierten ABP erfolgreich behoben wurden. In allen Bereichen der ABP kam es zu signifkanten Verbesserungen.
Schlussfolgerung:
Die positiven Ergebnisse der Studie konnten den Nutzen einer kombinierten Kurzintervention im Setting Apotheke bei gesundheitlich vorbelasteten Menschen bestätigen. Durch die Weiterentwicklung einzelner Module könnte noch intensiver auf einzelne Teilnehmer eingegangen werden. Das Potenzial der Apotheker als wichtige Ressource im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung sollte stärker in den Fokus genommen werden und diese genutzt werden. Die Entwicklung geeigneter Rahmenbedingungen für die Machbarkeit in Apotheken wäre dazu notwendig und wünschenswert.

OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang233
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2020

ID: 5244101

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