Einfluss kognitiver Fähigkeiten auf Lernphasen und Lernprozesse der visuomotorischen Adaptation

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Die visuomotorische Adaptation stellt einen wichtigen Lernprozess dar und ermöglicht die Anpassung des Bewegungsverhaltens an sich ständig verändernde Umweltbedingungen. Dabei konnte neben der Interaktion von sensorischen und motorischen Prozessen ein Einfluss kognitiver Fähigkeiten auf den Lernerfolg der visuomotorischen Adaptation gezeigt werden. Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Einfluss kognitiver Fähigkeiten auf den Adaptationserfolg genauer zu erforschen und in Beziehung zu möglichen Lernphasen zu setzen. Dabei wird auf ein neues, allgemeines Lernmodell Bezug genommen, welches drei Lernphasen vorschlägt, die mit unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten assoziiert sind (Chein & Schneider, 2012). Eine Applikation des Lernmodells auf die visuomotorische Adaptation wurde mittels Korrelationen der kognitiven Fähigkeiten zum Adaptationserfolg im Zeitverlauf untersucht. Dabei wurde der Bezug zum Adaptationserfolg und den erzielten Nacheffekten besonders betrachtet, um den Bezug zu strategischen Komponenten und der Rekalibrierung zu analysieren (Artikel I, II, III). In einer weiteren Studie wurde der Einfluss der Expositionsdauer auf den Adaptationserfolg untersucht (Artikel IV). Aufgrund der bekannten Degradierung kognitiver Fähigkeiten und der visuomotorischen Adaptation im Altersgang wurde zusätzlich geprüft, ob die verringerten kognitiven Fähigkeiten die veränderte Adaptationsleistung Älterer erklären können (Artikel II und III).Die Ergebnisse zeigen eine signifikante Interaktion zwischen kognitiven Fähigkeiten und Lernphasen der visuomotorischen Adaptation. Zudem zeigt sich für verschiedene kognitive Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten ein Einfluss auf die Adaptation (Artikel I, III). Dieser ist dabei auf explizite Lernprozesse beschränkt (Artikel I, II, III). Eine erhöhte Expositionsdauer kann die Anwendung von Strategien während der Adaptation nicht weiter erhöhen (Artikel IV). Die reduzierten expliziten Lernprozesse der visuomotorischen Adaptation im Altersgang und der damit einhergehende verringerte Adaptationserfolg können durch den Rückgang kognitiver Fähigkeiten erklärt werden (Artikel II, III). Das vorgeschlagene Chein und Schneider Modell lässt sich allerdings nur teilweise auf die visuomotorische Adaptation anwenden. Die erste Lernphase des Modells kann bisher nicht aufgezeigt werden (Artikel I, II, III). Die zweite und dritte Lernphase lassen sich hingegen aufzeigen (Artikel I, III). Ein Übertrag, der für Jüngere aufgefundenen Lernphasen des Chein und Schneider Modells, auf die Adaptation Älterer, zeigt sich weiter beschränkt. Ältere verharren scheinbar während der gesamten Adaptation in der zweiten Phase, in der die kognitive Kontrolle der Bewegungsausführung bestimmend ist (Artikel III). Es lässt sich vermuten, dass ein Eintritt Älterer in die dritte, automatisierte Phase aufgrund der verringerten kognitiven Fähigkeiten nicht erreicht werden kann. Der unterschiedliche Einfluss von verschiedenen kognitiven Fähigkeiten zu bestimmten Zeitpunkten der Adaptation deutet auf Lernphasen der expliziten Lernprozesse der visuomotorischen Adaptation hin. Die Ausprägung der kognitiven Fähigkeiten bestimmt dabei den Einfluss auf den Adaptationserfolg und kann Altersdefizite der visuomotorischen Adaptation erklären.


OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang116
PublikationsstatusVeröffentlicht - 14.12.2016

ID: 2893247

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