Erholung, Belastung und Stress im Sportstudium - eine Längsschnittuntersuchung

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Studierende aller Studienrichtungen erleben im Studienverlauf (Holm-Hadulla, 2001) und insbesondere in Prüfungsphasen ein hohes Maß an Stress (vgl. Grobe, Steinmann, & Szecsenyi, 2018, Middendorff et al. 2012). Bisher haben nur vereinzelte Studien das Stresserleben bei Sportstudierenden im Studienverlauf untersucht. Während des Sportstudiums müssen die Studierenden körperliche Leistungen erbringen, die einen Einfluss (Erholung/ Beanspruchung) auf das Stresserleben haben können. Daher ist das Ziel der vorliegenden Untersuchung einerseits das Stresserleben bei Sportstudierenden im Semesterverlauf zu untersuchen und andererseits mögliche Unterschiede von Erholungs- und Beanspruchungsfaktoren im sportwissenschaftlichen Studium darzustellen. Weiterhin soll überprüft werden, inwieweit Erholungsfaktoren zur Aufklärung des Stresserlebens einen Beitrag leisten. An der Längsschnittuntersuchung nahmen zu Untersuchungsbeginn (t0 = Semesteranfang) insgesamt 111 und zu Untersuchungsende (t1 = Semesterende) 45 Bachelor-Sportstudierende teil (42.2 % männlich; Alter M = 20.8 Jahre, SD = 2.0 Jahre) teil. Zur Erfassung des allgemeinen Stresserlebens wurde die deutsche Version des Perceived Stress Questionnaire (PSQ-20, Fliege et al., 2001) eingesetzt. Zur Erfassung von allgemeinen Erholungs- und Beanspruchungsfaktoren wurde der Erholungs-Belastungsfragebogen (EBF-24; Kellmann, 2000) eingesetzt. Die Ergebnisse einer MANOVA mit Messwiederholung zeigen signifikante Unterschiede im Gesamt-Stresserleben der Studierenden zwischen t0 und t1 (F(1/44) = 4.96, p = .031, η² =.10), wobei das Stresserleben zu Semesterende (t1) höher ist als zu Beginn des Semesters (t0). Besonders die Dimension Anspannung ist am Semesterende signifikant stärker ausgeprägt (F(1/44) = 32.08, p <.001, η² = .42). Von Semesterbeginn zu -ende erhöht sich bei den Sportstudierenden die erlebte emotionale Beanspruchung (F(1/44) = 4.34, p = .043, η² = .09), die soziale Beanspruchung (F(1/44) = 7.06, p = .011, η² = .14), Konflikte/Leistungsdruck (F(1/44) = 8.07, p = .007, η² = .16) und es verschlechtern sich die allgemeine Erholung (F(1/44) = 8.04, p = .007, η² = .15), die soziale Erholung (F(1/44) = 4.97, p = .031, η² = .10) und der Schlaf (F(1/44) = 10.15, p = .003, η² = .19). Von den Erholungsfaktoren (t1) erweist sich lediglich die somatische Erholung als Prädiktor des Gesamt-Stresserlebens zu t1 (β= -.76; r²korr = .19; F(3/44) = 1.33, p = .023). Die Ergebnisse belegen ergänzend zu früheren Studien (Holm-Hadulla, 2001) auch für Sportstudierende eine Zunahme von Stress und erhöhten Belastungen im Semesterverlauf. Erklären lässt sich dieser Anstieg u.a. mit der erhöhten Anspannung aufgrund von Prüfungen am Semesterende. Weiterhin scheinen speziell soziale Belastungen (z.B. Konflikte in Beziehungen oder in Prüfungsgruppen) oder auch Leistungsdruck die Studierenden am Semesterende vermehrt zu beanspruchen. Dies kann auch die signifikant niedrigeren Werte in den allgemeinen und sozialen Erholungsbereichen zu t1 erklären. Weitere längsschnittliche Studien sind notwendig, um studiengangs- und alltagsspezifische Erholungs- und Belastungsfaktoren im Tages-, Semester- oder Studienverlauf während Prüfungsphasen zu erfassen und mögliche Wirkzusammenhänge (auch in Abhängigkeit von Moderator-/ Mediatorvariablen wie bspw. Geschlecht) zwischen diesen zu untersuchen.
OriginalspracheDeutsch
TitelZukunft der Sportpsychologie : zwischen Verstehen und Evidenz; Book of Abstracts ; virtuelle Online-Tagung ; 52. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie 21. bis 23. Mai 2020, Salzburg
Redakteure/-innenGünther Amesberger, Sabine Würth, Thomas Finkenzeller
Seitenumfang1
ErscheinungsortSalzburg
Herausgeber (Verlag)Universität Salzburg
Erscheinungsdatum05.2020
Seiten211
PublikationsstatusVeröffentlicht - 05.2020
VeranstaltungJahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie: Zukunft der Sportpsychologie - Salzburg, Österreich
Dauer: 21.05.202023.05.2020
Konferenznummer: 52

ID: 5594479

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