Handstandvermittlung im Turnen: Praktische Auswirkungen forschungsgeleiteter Lehrkonzepte auf das Bewegungslernen von Novizen und Nachwuchsathleten

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Der Bildungssektor und der Leistungssport haben gemeinsam, dass den beteiligten Akteuren innerhalb kurzer Zeiträume immer schnellerer Fortschritt abverlangt wird, zumal fundamentale Grundlagen die Voraussetzung für nachhaltigen Erfolg verkörpern. Der Turnunterricht an Schulen und Universitäten und auch das leistungsorientierte Gerätturntraining stellen folglich zwei Gegenstandsbereiche dar, die durch diese Begebenheiten charakterisiert sind. Unabhängig von den Intentionen sportlichen Handelns im Bezugsrahmen dieser beiden Settings ist die Vermittlung und das Erlernen des Handstandes auf dem Boden als Basiselements des Turnens wesentlich. In Anbetracht steigenden Weltniveaus im leistungsorientierten Gerätturnen sowie zeitlich eng geschnürter Curricula in den Bildungseinrichtungen sind effiziente Lehrmethoden und -konzepte erforderlich, um innerhalb kurzer Zeiträume (motorischen) Lernfortschritt zu erzielen. Beim Erlernen des Handstandes stehen neben der Erarbeitung einer hinreichenden Bewegungsvorstellung die Schulung einer linearen Körperposition sowie die Aufrechterhaltung der Balancekontrolle im Fokus. Um entsprechende Lehrkonzepte zur Handstandvermittlung forschungsgeleitet zu optimieren, werden zwei Aspekte als essentiell eingestuft, 1: Fundierte Kenntnisse der biomechanischen Charakteristik und der posturalen Kontrollmechanismen des Handstandes (Das „Know-that“ der Handstandvermittlung), 2: Fundierte Kenntnisse zur Wirksamkeit externer Informationen (verbale, visuelle und/oder taktile Instruktion und Feedbackstrategien) im motorischen Lernprozess (Das „Know-how“ der Handstandvermittlung). Die drei im Rahmen der vorliegenden kumulativen Dissertationsschrift integrierten Studien stehen somit im Zeichen der folgenden leitenden Forschungsfrage: Welchen Einfluss haben verschiedene forschungsgeleitete Lehrkonzepte, basierend auf biomechanischen und psychologischen Erkenntnissen zur Charakteristik und Vermittlung einer turnerischen Fertigkeit, auf den motorischen Lernprozess von Novizen und Nachwuchsathleten beim Erlernen des Handstandes auf dem Boden?
Ergebnisse der Studie I zeigten positive Effekte eines visuell-vergleichenden Feedbacks hinsichtlich der Eigenbewegungswahrnehmung der individuellen Schulterwinkelposition im Handstand von Sportstudierenden, zumal standardisierte taktil-verbale Instruktionen zur Stabilisation der Körperlinie positive Effekte hinsichtlich eines geöffneten Arm-Rumpf-Winkels im Handstand bewirkten. Die Ergebnisse dieser Studie, die das „Know-how“ der Handstandvermittlung in den Fokus stellte, unterstreichen somit die Bedeutsamkeit unterschiedlicher Strategien der Rückmeldung für verschiedene Gegenstandsbereiche des motorischen Lernprozesses beim Erlernen des Handstandes. In Anbetracht der gelenkspezifisch zu differenzierenden Wirksamkeit der in Studie I untersuchten Rückmeldestrategien adressierten die Studien II und III primär das „Know-that“ der Handstandvermittlung. Mit Blick auf die herausragende Bedeutsamkeit der Handgelenksarbeit zur Aufrechterhaltung der Balancekontrolle im Handstand (wrist strategy) konnte mit Studie II gezeigt werden, dass eine ausschließliche, im Turntraining regelmäßig priorisierte Schulung der linear stabilisierten Körperposition nicht ausreichend zu sein scheint, um kurzfristig eine verlängerte Verweildauer im Handstand bei jungen Nachwuchsturnern realisieren zu können. In der Konsequenz dieser Erkenntnisse aus Studie II untersuchte Studie III den Einfluss einer expliziten Schulung zur Handgelenkssteuerung auf die Handstandleistung von turnunerfahrenen Novizen unterschiedlichen Leistungsniveaus. Für gänzlich unerfahrene Novizen deuten die Ergebnisse an, dass eine explizite Schulung zur Aktivierung der Handgelenkssteuerung im Handstand sowohl positive Auswirkungen auf die Verweildauer im Handstand als auch auf die Optimierung der linearen Handstandposition zu bewirken vermag. Die Handstandleistungen von Novizen mit implizit vorhandener Vorerfahrung zum Ausbalancieren des Handstandes blieben unbeeinflusst.
Zusammenfassend unterstreichen die Studienergebnisse der vorliegenden kumulativen Dissertationsschrift die Bedeutsamkeit vielfältiger externer Information in Form von Feedback und Instruktion zur Förderung motorischer Lernprozesse beim Erlernen des Handstandes. Des Weiteren weisen die Ergebnisse darauf hin, dass sich bei der Vermittlung des Handstandes eine forcierte Orientierung an den posturalen Kontrollmechanismen des Handstandes (Handgelenkssteuerung) positiv auf die Handstandleistungen unerfahrener Lernender auswirken kann. Bemerkenswert sind die kurzen Interventionszeiträume, innerhalb derer durch gezielte Intervention positive Effekte hinsichtlich verbesserter Handstandleistungen erzielt werden konnten. Dennoch ist weiterführende Forschung erforderlich, um die gewonnenen Erkenntnisse aus der vorliegenden kumulativen Dissertationsschrift nachhaltig in eine fundierte Optimierung der praktischen und ganzheitlichen Handstandvermittlung integrieren zu können.
Titel in ÜbersetzungHandstandacquisition in gymnastics: Practical Implications of research-based educational concepts on movement learning in novices and young athletes
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang53
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2019

Bibliographische Notiz

Kumulative Dissertation

ID: 4514127

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