Kardiovaskuläre und metabolische Risikofaktoren nach der Menopause. Einfluss unterschiedlicher Trainingsinterventionen auf die körperliche Leistungsfähigkeit, das kardiovaskuläre Risikoprofil und die Mechanismen des Energiestoffwechsels der postmenopausalen Frau

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Die Menopause ist der wichtigste kardiovaskuläre Risikofaktor der Frau. Ursächlich hierfür ist u.a. die mit ihr verbundene Reduzierung des kardioprotektiv wirkenden Hormons Östrogen, das Einfluss auf zahlreiche kardiovaskuläre Risikofaktoren hat. Das Risiko ein metabolisches Syndrom (MetS) zu entwickeln ist dadurch erhöht. Die Entwicklung präventiver und sekundärpräventiver Maßnahmen für postmenopausale Frauen hat in diesem Kontext eine gesundheitspolitische Bedeutung.
Ziele der Studie waren die Prävalenz des MetS bei der postmenopausalen Frau ohne Hormonsubstitution zu evaluieren und die Effektivität gezielter Präventionsmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung des Energiestoffwechsels zu überprüfen.
In einer ersten Studie im Querschnittsdesign wurde die kardiometabolische Situation von 12 prämenopausalen (25,0 ± 3,5 Jahre) und 12 postmenopausalen (57,7 ± 4,3 Jahre) normalgewichtigen Frauen verglichen.
Untersucht wurden folgende Parameter: Arterieller Blutdruck in Ruhe (systolisch (BDsys), diastolisch (BDdias), und bei einer Leistung von 100 Watt, Bauchumfang (BU), Körpergewicht, Body-Mass-Indes (BMI), Körperfett (KF), Magermasse (MA), stoffwechselaktive Körperzellmasse (BCM), Ruheenergiebedarf (REB), Nüchternglukose (BZ), HbA1C, Triglyzeride (TG), Gesamtcholesterin (G-CHOL), HDL- Cholesterin, LDL-Cholesterin, Pulswellengeschwindigkeit (PWV), Augmentationsindex (AI@75), Pulsdruck (PD), LF/HF-Ratio, total Power (TP), pNN50, r-MSSD, maximale Leistung (Wattmax), maximale relative Leistung (Wattmax/kg KG), maximale Sauerstoffaufnahme am Belastungsende (VO2peak), Leistung bei definierten Laktatwerten (2,0mmol/L, 2,5mmol/L, 3,0mmol/L Laktat) und der Leistung bei 60% der 4mmol/L Laktat, Respiratorischer Quotient (RQ) und Laktat in Ruhe nach zehn, 20, und 30 Minuten Dauerbelastung.
Die statistische Auswertung erfolgte unter Anwendung des t-test für unabhängige Stichproben bzw. des nicht parametrischen Mann-Whitney-U-Test.
Die Ergebnisse zeigten bei vergleichbarem BMI im Normalbereich (p=0,444) einen höheren BU (p=0,003), schlechtere Werte der Körperzusammensetzung (KF (p=0,001), MA (p=0,001), BCM (p=0,001) und REB (p=0,001)) und der Laborparameter (BZ (p=0,002), HbA1c (p=0,001), G-CHOL (p=0,001) und LDL (p=0,001)) bei den postmenopausalen Frauen. Weiter zeigte sich ein höherer
arterieller Blutdruck in Ruhe (BDsys (p=0,014); BDdias (p=0,018)) und bei einer Leistung von 100 Watt (p=0,001). Zusätzlich war die PWV (p=0,001) und der AI@75 (p=0,020) bei den postmenopausalen Frauen höher und die Parameter der HRV zeigen ein sympatho-vagales Ungleichgewicht der postmenopausalen Frau.
Die Ergebnisse der körperlichen Leistungsfähigkeit zeigten eine geringere Leistungs- und Ausdauerleistungsfähigkeit in der Gruppe postmenopausaler im Vergleich zu den prämenopausalen Frauen (Wattmax (p=0,001); Wattmax/kg KG (p=0,001), VO2peak (p=0,001), Leistung bei 2,0 mmol/L (p=0,031), 2,5 mmol/L (p=0,003), 3mmol/L (p=0,008) und bei einer Leistung von 60% von 4mmol/L Laktat (p=0,005)).
In der postmenopausalen Gruppe wurde eine niedrigere Fettoxidationsrate (p=0,011) im Vergleich zu der prämenopausalen Kohorte festgestellt.
Die Ergebnisse verdeutlichen die veränderte kardiometabolische Situation und damit das erhöhte Risiko der postmenopausalen Frau ein MetS zu entwickeln. Sie unterstreichen die Notwendigkeit geeigneter Trainingsinterventionen zur Verbesserung des Energiestoffwechsels und der Reduzierung des kardiovaskulären Risikos der postmenopausalen Frau ohne zusätzliche Hormonsubstitution.
In einer zweiten prospektiven randomisierten kontrollierten Interventionsstudie wurde der Einfluss unterschiedlicher Trainingsinterventionen auf das kardiovaskuläre Risiko und den Energiestoffwechsel, ohne Einfluss einer Hormonsubstitution, bei postmenopausalen Frauen untersucht.
Die Untersuchungsgruppe (49 gesunde, übergewichtige postmenopausale Frauen; 56,5 ± 3,7 Jahren) wurden zu drei Interventionsgruppen: Ausdauertrainingsgruppe (ATG) (n=12; 57,5 ± 5,0 Jahre); Intervalltrainingsgruppe (ITG) (n=12; 55,6 ± 3,6 Jahre) oder Krafttrainingsgruppe (KTG) (n=15; 56,8 ± 2,8 Jahre); bzw. einer Kontrollgruppe (KG) (n=10; 55,9 ± 3,6 Jahre) randomisiert. Vor Beginn und nach Abschluss der zwölfwöchigen Intervention wurden folgende Untersuchungen durchgeführt: Arterielle Blutdruckmessungen in Ruhe und bei einer Leistung von 100 Watt, Ermittlung von BMI und BU, Gefäßelastizitätsmessung, Bioimpedanzanalyse, Spiroergometrische Untersuchung auf dem Fahrradergometer, venöse Blutabnahme, 30minütige Fahrradspiroergometrie mit 60% der Leistung, die bei einem Laktatwert von 4mmol/L erreicht wurde und Bestimmung des one-repetition-maximum (1RM) mittels gezielter Kraftübungen (Rudern (RU), Brustpresse (BRP), Beinpresse (BP), Bauchmuskulatur
(BA), Rückenstrecker (RÜ), Beinstrecker (BS), Beinbeuger (BB), Schulterdrücken (SD), Schulterziehen (SZ), Adduktoren (AD), Abduktoren(AB)).
Die statistische Auswertung erfolgte unter Anwendung eines linearen Modells mit gemischten Effekten (LME). Die Post-Hoc-Auswertung wurde mittels t-test für gepaarte Stichproben bzw. des nicht parametrischen Wilcoxon-Testes durchgeführt. Im Gruppenvergleich zeigte das Ausdauertraining (AT) die größte Effizienz zur Steigerung der VO2peak (p=0,015) und der Leistungen bei definierten Laktatwerten (jeweils, p=0,001), während durch das Intervalltraining (IT) die Leistungsfähigkeit (Wattmax (p=0,022), Wattmax/kg KG (p=0,026) am effektivsten gesteigert wurde. Der systolische Blutdruck bei einer Leistung von 100 Watt wurde nicht beeinflusst.
Es wurde ein positiver Einfluss des AT auf die Fettoxidationsrate der postmenopausalen Frau festgestellt (p=0,031).
Das Krafttraining (KT) war am Effektivsten zu Verbesserung der dynamischen Muskelkraft (1RM). Signifikante Unterschiede wurden bei folgenden Kraftübungen festgestellt: RU (p=0,001), BRP (p= 0,001), SD (p=0,001), BS (p=0,001) BP (p=0,001). Durch die Trainingsinterventionen wurden nur bei einzelnen Parametern geringe Veränderungen des kardiovaskulären Risikoprofils erzielt: ITG: Reduktion des Körperfett (T1 zu T2; p=0,025), (Gruppenvergleich; p=0,020); KTG: Reduktion des systolischen Blutdruckes (T2 zu T1; p=0,004)). Bei allen andern Messparametern wurden keine Veränderungen festgestellt.
Die Ergebnisse bestätigen die Effizienz verschiedener Trainingsinterventionen bei postmenopausalen Frauen. Durch ein AT kann die kardiorespiratorische Leistungsfähigkeit, die aerobe Energiebereitstellung und der Energiestoffwechsel der postmenopausalen Frau am effektivsten gesteigert werden. Ein IT hat eine größere Effizienz zur Steigerung der maximalen Leistungsfähigkeit. Nur durch ein KT kann eine Verbesserung der dynamischen Kraft erzielt werden. Zukünftige Interventionen sollten daher die Kombination von aeroben Ausdauertraining und Krafttraining beinhalten.
Der Einfluss der Trainingsinterventionen auf die kardiovaskulären Risikofaktoren war geringer als in vergleichbaren Untersuchungen festgestellt. Die in dem zu geringen Trainingsumfang und der Programmdauer begründet sind. Die Frage des optimalen Umfangs und der optimalen Dauer solcher Interventionen muss durch zukünftige Studien beantwortet werden.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang237
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2018

ID: 3553477

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