Körperliche Aktivität bei onkologischen Patienten in palliativer Erkrankungssituation: eine Analyse zur Machbarkeit und Effektivität

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Randomisierte klinische Studien haben gezeigt, dass bei Patienten mit heilbarer Tumorerkrankung unterschiedliche gezielte Trainingsprogramme die körperliche Leistungsfähigkeit, die Lebensqualität und die Kontrolle krankheits- oder therapiebedingter Symptome verbessern kann. Der Stellenwert von körperlicher Aktivität bei unheilbar kranken Krebspatienten unter palliativer onkologischer Therapie ist bislang aber noch unzureichend geklärt. Des Weiteren fehlen Untersuchungen zum Einsatz körperlicher Aktivität bei schwerst- und sterbenskranken Krebspatienten nach Abschluss jeglicher onkologischer Therapie. Erste Pilotstudien deuten aber an, dass auch bei unheilbar- und sterbenskranken Krebspatienten, sowohl während palliativer onkologischer Therapie als auch in der rein supportiven, palliativmedizinischen Versorgung, bewegungs- und physiotherapeutische Maßnahmen möglich sein können. Methodik: In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, inwieweit unheilbar kranke Krebspatienten unter palliativer onkologischer Therapie eigeninitiiert körperliche Aktivitäten durchführen und welche Akzeptanz für begleitende Bewegungstherapieangebote besteht. Zudem wurden die Machbarkeit und mögliche Effekte von Ausdauer- und Krafttraining auf die körperliche Leistungsfähigkeit, Lebensqualität und Symptomkontrolle, sowie auf verschiedene biologische Parameter bei Patienten mit fortgeschrittenen gastrointestinalen Tumorerkrankungen unter palliativer Chemotherapie untersucht. Inwieweit diese Erkenntnisse auch auf Patienten mit fortgeschrittenem, unheilbarem Bronchialkarzinom, unter palliativer Chemotherapie übertragbar sind, gilt es in einer geplanten bizentrischen Studie zu untersuchen. Abschließend wurde in einer retrospektiven Analyse evaluiert, inwieweit bewegungs- und physiotherapeutische Maßnahmen auch bei sterbenskranken Krebspatienten auf einer Palliativstation eingesetzt werden können. Ergebnisse: Etwa ein Drittel der untersuchten unheilbar kranken Krebspatienten waren auch während ihrer Erkrankung und unter laufender palliativer Chemotherapie immer noch sportlich aktiv. Mehr als 60% der Krebspatienten zeigten sich interessiert an einem begleitenden Bewegungsprogramm. Ein Kraft- sowie ein Ausdauertraining sind bei Patienten mit gastrointestinalen Tumoren unter laufender palliativer Chemotherapie ohne relevante Belastungen oder Unverträglichkeiten möglich. Die Ergebnisse zeigten nach 12 Wochen Training eine deutliche Abnahme des Fatigue-Syndroms, eine Erhöhung der Schlafdauer, sowie höhere Kraftwerte in der Krafttrainingsgruppe. Bei Patienten, die im Alltag auf eine höhere Anzahl an Schritten kamen, ließen sich auch höhere Werte in ihrer körperlichen und sozialen Funktion sowie geringere Schmerzen und Fatigue nachweisen. Bei etwa 75% der schwerst- und sterbenskranken Patienten auf der Palliativstation konnten bewegungs- und physiotherapeutische Maßnahmen durchgeführt werden. Mehr als 90% der Patienten, die ein Angebot erhielten, nahmen es auch an. Dabei waren etwa 50% der durchgeführten Maßnahmen aktive Bewegungsübungen. Schlussfolgerungen: Patienten in palliativer Erkrankungssituation haben Interesse an begleitenden Bewegungsprogrammen und können von Kraft- und Ausdauertraining hinsichtlich ihrer Lebensqualität, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Symptomatik profitieren. Außerdem können verschiedene Maßnahmen zur körperlichen Aktivität sogar noch bei sterbenskranken Krebspatienten auf einer Palliativstation sinnvoll eingesetzt werden.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
VerlagDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang97
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2014

ID: 3553379

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