Leistungs- und Belastungscharakteristika im leichtathletischen Weitsprung mit Unterschenkelprothese

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Weitspringer mit Unterschenkelamputation, die ihre Prothese für den Absprungschritt nutzen, sind in der Lage außerordentliche Weiten zu erzielen. Die zu Grunde liegende Biomechanik ist allerdings nicht umfassend bekannt. Wissen hierüber ist jedoch wichtig, um Trainingsprotokolle anzupassen, Verletzungsmechanismen zu erkennen und Sportprothesen weiterzuentwickeln. Weiterhin können die gewonnenen Erkenntnisse als wichtige Informationsquelle für zukünftige Anpassungen in olympischen und paralympischen Regularien genutzt werden.
Im Rahmen eines multinationalen Forschungsprojektes, aus dem die vorliegende Dissertation hervorgeht, wurden drei Weitspringer mit Unterschenkelamputation und sieben nicht amputierte Athleten unter Laborbedingungen bewegungsanalytisch untersucht. Während des Absprungs beim Weitsprung und während des maximalen Sprints wurde die Kinematik und Kinetik der Athleten erfasst und zusammen mit der probanden-spezifischen Anthropometrie als Eingangsdaten für ein invers dynamisches Mehrkörpermodel zur detaillierten dreidimensionalen Analyse genutzt.
Athleten mit Unterschenkelprothese zeigten andere Merkmale bzgl. Körperschwerpunkt- und Gelenkmechanik während des Sprints und dem Absprung als nicht amputierte Athleten. Athleten mit Unterschenkelprothese liefen langsamer an, aber sprangen effizienter ab als nicht amputierte Athleten. Während des Absprungschrittes platzieren die amputierten Athleten ihre Prothese anders in Relation zum Körperschwerpunkt als nicht amputierte Athleten ihren Fuß und die Bewegungscharakteristik des Körperschwerpunks wies deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen auf. Im Allgemeinen war die muskulo-skelettale Belastung an der Hüfte und am Knie geringer während des Absprungs bei Athleten mit Unterschenkelprothese als bei nicht amputierten Athleten. Dies resultierte vornehmlich aus geringeren Abständen zwischen den Gelenkszentren und dem Vektor der Bodenreaktionskraft bei Athleten mit Unterschenkelprothese im Vergleich zu nicht
amputierten Athleten. Das Absprungverhalten von Athleten mit Unterschenkelprothese glich dem Sprung von einem Sprungbrett, während die nicht amputierten Athleten den bekannten Hebelmechanismus (Pivot) nutzten, um vertikale Abfluggeschwindigkeit zu generieren.
Resultierend aus begrenzten muskulo-skelettalen Kapazitäten oder mechanischen Beschränkungen weisen Weitspringer mit bzw. ohne Unterschenkelprothese, speziell im Absprungschritt, Bewegungscharakteristika auf, die einerseits auf unterschiedlichen Lokomotionsmechanismen basieren und andererseits von der jeweils anderen Gruppe nicht adaptiert werden können.
OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang114
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2019

Bibliographische Notiz

Kumulative Dissertation

ID: 4871670

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