Motorische Leistung und visuelle Wahrnehmung: Zwei Replikationsstudien

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Studien haben gezeigt, dass es mögliche Effekte von Leistung auf die Größenwahrnehmung von Objekten oder Zielen gibt (Witt et al., 2008; Witt & Proffitt, 2005). Diese Ergebnisse werden zurückgeführt auf leistungsspezifische Wahrnehmung (Gibson, 1979) („Embodied perception“), ein zuletzt zunehmend kritisierter und diskutierter Forschungsbereich. Canal-Bruland und van der Kamp (2015) geben Empfehlungen zu neuen theoretischen und methodischen Ansätzen und fordern u.a. dazu auf gemeinsam bisherige Studien in diesem Bereich zu replizieren. Demnach war es Ziel von zwei Studien, oben genannte Studien im Baseball und Golf zu replizieren und dabei Empfehlungen zu Replikationsstudien von > 2,5 Mal VPN der Originalstudie zu berücksichtigen (Simonsohn, 2013). Es wurde angenommen, dass eine gute Tagesleistung damit einhergeht, dass ein Baseball bzw. das Golfloch größer wahrgenommen wird. N = 134 Baseballspieler (Alter: MW = 25.16, SD = 6.51) wurden direkt nach Spielende dazu aufgefordert, auf einem Poster, auf dem acht verschiedene schwarze Kreise dargestellt waren, den Kreis auszuwählen, der ihrer Meinung nach der tatsächlichen Ballgröße entspricht. Zusätzlich wurde die Trefferleistung erfasst. Die Ergebnisse zeigen einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen der Trefferleistung und der wahrgenommenen Ballgröße, r = .184, p = .037. Die Ergebnisse der Original-Studie im Baseball, dass erfolgreichere Baseballspieler (bessere Trefferleistung im Spiel) den Baseball größer wahrnehmen als weniger erfolgreiche Spieler (Witt et al., 2005), wurden demnach repliziert. Es wurden jedoch keine Zusammenhänge zu Expertise, Erfahrung oder Spielausgang gezeigt. In der Golfstudie wurden N = 157 Golfspieler*innen (Alter MW = 50.26, SD = 17.73) direkt im Anschluss an ihr Turnier darum gebeten auf einem Poster den Kreis auszuwählen, der ihrer Meinung nach der tatsächlichen Golflochgröße entspricht. Zusätzlich wurde die Tagesleistung (Anzahl der Schläge nach 18 Löchern) erfasst. Bei besserer Tagesleistung wurde das Golfloch kleiner wahrgenommen, r = .178, p = .037, was der Hypothese aus der Originalstudie (Witt et al., 2008) widerspricht, dass eine gute Tagesleistung im Zusammenhang mit einer größeren Einschätzung des Golfloches steht. Der Unterschied zu Studie 1 könnte damit begründet werden, dass der Abstand und damit die Wahrnehmung der Golflochgröße während eines 18-Loch Turniers im Vergleich zum Baseball variiert. Dennoch kann damit nicht der negative Zusammenhang erklärt werden. Es wurden keine Zusammenhänge zum Handicap (generelles Leistungsniveau) oder der Erfahrung der Golfspieler*innen gezeigt, r = .22, p = .392. Insgesamt scheint demnach die aktuelle Tagesleistung mit der Wahrnehmung zusammen zu hängen, doch auch hier bestätigen die vorliegenden Studien die Originalstudien nur zum Teil und tragen weiter zur kritischen Diskussion der Embodied perception Forschungslage bei.
OriginalspracheDeutsch
Titelasp 2021 - Abstractband : 53. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp), Tübingen (online, 13.-15.05.2021)
Redakteure/-innenOliver Höner, Svenja Wachsmuth, Martin Leo Reinhard, Florian Schultz
Seitenumfang1
ErscheinungsortTübingen
Herausgeber (Verlag)Eberhard Karls Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Sportwissenschaft
Erscheinungsdatum2021
Seiten238
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2021
VeranstaltungJahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie: Talententwicklung & Coaching im Sport - Tübingen (Online), Tübingen, Deutschland
Dauer: 13.05.202115.05.2021
Konferenznummer: 53
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-57943
https://www.asp2021.de

Bibliographische Notiz

© Eberhard Karls Universität Tübingen

ID: 6084836

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