Soziale Kompensation von Leistungseinbrüchen und die Rolle der Beziehungsqualität –: laborexperimentelle Ergebnisse

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Von Teambuildings (TB) erhoffen sich Trainer*innen Leistungsgewinne Einzelner oder der Gruppe. Solche Leistungsgewinne können durch erhöhte Anstrengungsbereitschaft bedingt sein, mit der eine schwache Leistung eines Gruppenmitgliedes kompensiert werden soll (Willams & Karau, 1991). Ob dieses Kompensationsverhalten mit der Beziehungsqualität zusammenhängt, wird weder theoretisch (Collective Effort Modell; Karau & Willams, 2012) noch empirisch eindeutig erklärt. Es ist anzunehmen, dass die Beziehungsnähe zwischen den Teampartnern das Kompensationsverhalten bei Leistungseinbrüchen positiv beeinflusst. Studie 1: 22 Sportstudierende nahmen an Studie 1 teil (M = 24.85 Jahre, SD = 1.83) die jeweils ein Dyadenteam mit einem Konföderierten bildeten. Zur Manipulation der Beziehungsqualität führte die Hälfte der Probanden mit ihrem Partner ein TB durch. Die darauffolgende Leistungssituation bestand in einer zeitgleich zu erbringenden isometrischen Handkraftaufgabe (D1). Ein gemeinsames Teamergebnis wurde vor dem zweiten Durchgang (D2) von beiden bestimmt, um die Aufgabenvalenz und damit die Anstrengungsbereitschaft zu erhöhen. Der Manipulations-Check zeigte eine Erhöhung der Aufgabevalenz (U = -2.34, p = .018). Die Probanden erhielten dann während D2 ein manipuliertes Feedback über einen plötzlichen Leistungseinbruch des Konföderierten. Die Handkraftleistung der Probanden wurde anhand der Kraftleistung pro Durchgang (je 45 Sekunden) ermittelt. Zusätzlich wurde eine Kontrollgruppe (KG; n = 21) eingerichtet, die lediglich den Handkraftmessungen unterzogen wurde. Es zeigte sich kein Interaktionseffekt von Zeit*Untersuchungsgruppe auf die Kraftleistung (F(2,40) = 0.299, p = .743, ηp2 =.02). Ein Grund für den fehlenden Effekt könnte in der isometrischen Halteaufgabe liegen, da die Ermüdung durch D1 möglicherweise höher war als der Anstrengungsgewinn. Aufgaben mit dynamischen Belastungsanforderungen scheinen daher für das nachfolgende Anschlussexperiment sinnvoll.Studie 2: Das Forschungsdesign wurde beibehalten, lediglich die Aufgabe wurde hinsichtlich dynamischer Belastungsanforderungen modifiziert. Die Probanden (n = 40, M = 22.60 Jahre, SD = 3.43; KG: n = 20) waren dazu aufgefordert, in zwei Durchgängen auf dem Fahrradergometer bei isokinetischer Anforderung jeweils zwei Minuten mit maximaler Leistung zu treten. Es zeigte sich ein Interaktionseffekt zwischen Zeit*Untersuchungsgruppe auf die Fahrleistung (F(2,57) = 11.918; p < .001; ηp2 = .295). Beide Experimentalgruppen steigerten jeweils ihre Leistung von D1 zu D2, während sich die der KG verschlechterte. Teambuildings führten somit nicht zu Kompensationsverhalten, obwohl das experimentellen Teambuildings erfolgreich waren: Zwar erhöhte sich die Beziehungsnähe durch das TB (Studie 1: Z = -3.56; p < .001; Studie 2: Z = -2.30; p = .021), jedoch scheint es insgesamt zu schwach zu sein. Effektivere TBs oder auch der Vergleich von „Fremden“ vs. „Freunden“ sollten in Betracht gezogen werden.
OriginalspracheDeutsch
Titelasp 2021 - Abstractband : Talententwicklung & Coaching im Sport : 53. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) : Tübingen (online, 13.-15.05.2021)
Redakteure/-innenOliver Höner, Svenja Wachsmuth, Martin Leo Reinhard, Florian Schultz
Seitenumfang1
ErscheinungsortTübingen
Herausgeber (Verlag)Eberhard Karls Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Sportwissenschaft
Erscheinungsdatum2021
Seiten65
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2021
VeranstaltungJahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie: Talententwicklung & Coaching im Sport - Tübingen (Online), Tübingen, Deutschland
Dauer: 13.05.202115.05.2021
Konferenznummer: 53
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-57943
https://www.asp2021.de

Bibliographische Notiz

© Eberhard Karls Universität Tübingen

ID: 6001007

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