Sozioökonomisches Monitoring bewegungsorientierter Aktivitäten in Großschutzgebieten: Fallbeispiel Nationalpark Eifel

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Wer kommt als Tourist in den Nationalpark Eifel, welchen Aktivitäten geht er nach und wie ist sein Besucherverhalten zu beschreiben? Welche regionalwirtschaftlichen Effekte entstehen durch seine Ausgaben und wie gehen touristische Leistungsträger neue Entwicklungen und Herausforderungen an? Kann die Wichtigkeit eines Großschutzgebietes als Erholungsraum bemessen werden?
All dies sind Fragestellungen, deren Beantwortung ein tiefes und differenziertes Verständnis für die touristischen Gegebenheiten in einem Großschutzgebiet, in welchem die Tourismusförderung mit den mannigfaltigen Schutzaufgaben für die regionaltypische Fauna und Flora in Einklang gebracht werden muss, schafft. Mit Hilfe eines triangulativen Forschungsdesigns wurde in der vorliegenden Untersuchung die touristische Situation im Nationalpark und der Nationalparkregion hinterleuchtet. Dazu wurde zum ersten mit Hilfe eines umfangreichen Fragebogens eine Besucherbefragung an 43 der insgesamt 90 Nationalparkeingängen durchgeführt, um ein differenziertes Bild der Nachfrageseite zu zeichnen. Als zweites wurden mit radtouristischen Leistungsträgern Experten aus einem entwicklungsfähigen und sich bereits in einem raschen Entwicklungsprozess befindlichen, touristischen Segment interviewt, um der Nachfrageseite die Sichtweisen und Handlungsfelder der Angebotsseite gegenüber stellen zu können. Als drittes wurden mittels einer touristischen Wirkungsanalyse die wirtschaftlichen Auswirkungen der touristischen Aktivität im Nationalpark Eifel analysiert. Hierbei wurden die Auswirkungen auf den Bruttoumsatz durch nationalparkaffine und weniger nationalparkaffine Touristen und die daraus ableitbaren Vollzeitbeschäftigungsäquivalenten dargestellt, welche eine Entwicklung seit einer vergleichbaren Studie im Jahre 2007 aufzeigen konnten. Zudem wurden erstmals unterschiedliche Ausgabeverhalten bei unterschiedlichen Aktivitätsgruppen wie Wanderern und Radfahrern in einem Großschutzgebiet analysiert. Als viertes wurde mittels Reisekostenmethode der Erholungswert des Nationalparks bestimmt. Damit wurde durch Bewertung der Erholungsleistung explizit eine nutzungsgebundene Bewertung einer Ökosystemleistung erstellt.
Abstract in deutscher Sprache
Insgesamt zeigt sich der Nationalpark Eifel aus einem touristischen Blickwinkel auf einem guten Weg. Er konnte sein Besuchsaufkommen in den ersten elf Jahren des Bestehens gut entwickeln und zieht inzwischen ca. 870.000 Touristen im Jahr an. Dabei ist auffallend, dass immer mehr nationalparkaffine Touristen den Nationalpark Eifel besuchen. In der vorliegenden Untersuchung war bereits die Hälfte aller Touristen „Nationalparktourist im engeren Sinne“. Die touristische Wertschöpfung entwickelt sich ebenso sehr gut und ist im Vergleich mit den anderen deutschen Nationalparken sogar überdurchschnittlich. Durch die touristische Wertschöpfungskette ergaben sich 674 Vollzeitbeschäftigungsäquivalente.
Spaziergänger zeigten sich mit durchschnittlich 113,89 € Tagesausgaben pro Kopf am ausgabefreudigsten. Wanderer gaben im Durchschnitt 78,25 € pro Tag aus und Radfahrer 47,40 €. Bei den Radfahrern war der niedrigere Ausgabenwert im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen vor allem darauf zurück zu führen, dass sie am häufigsten auf Campingplätzen übernachteten.
Einheimische identifizierten sich zu großen Teilen mit ihrem Nationalpark und haben im Durchschnitt großes Verständnis für Managementmaßnahmen, welche im Nationalpark anfallen.
Die Experten aus dem radtouristischen Segment bezeugten dem Nationalpark Eifel Strahlkraft als touristisches Zugpferd für die Region. Für den Wandertourismus übt er diese auch bereits vollumfänglich aus. Für den Radtourismus müssen die Zügel noch gestrafft werden. Hierfür bedarf es nach Meinung der Experten zum einen einer verbesserten Kommunikation des bestehenden radtouristischen Angebotes und die Anpassung der regionalen Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der radtouristischen Zielgruppe. Zum anderen wird eine Anbindung an überregionale Leuchtturmprojekte wie den Vennbahnradweg und der topographisch anstrengenderen Bereichen der Mittelgebirgslage an die Flussradwege innerhalb des Nationalparks als wichtiges Aufgabenfeld angesehen.
Der Erholungswert des Nationalparks Eifel konnte mit 2.119.358 € beziffert werden. Damit lag er mehr als dreimal so hoch wie der (rechnerische) Betriebswert der Nationalparkfläche. Vor dem Hintergrund, dass 93,1 % der Touristen zu Erholungszwecken den Nationalpark besuchen, erscheint die Bestimmung des Erholungswertes eine solche nutzungsgebundene Bewertung der Ökosystemleistung „Erholung“ in hohem Maße zu rechtfertigen.
OriginalspracheDeutsch
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
BandKöln
Seitenumfang226
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2017

ID: 2984487

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