Stressoren von Eltern in deutschen Fußballnachwuchsleistungszentren: Eine Mixed-Method Studie

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Die Begleitung der Leistungssportkarriere eines Kindes ist für Eltern nicht nur erfüllend, sondern auch herausfordernd (Wiersma & Fifer, 2008). Wie Studien zeigen, erleben Eltern vor allem in ihrer Rolle als Unterstützer Stress und emotionale Belastungen (z.B. trösten nach einer Niederlage; Dorsch et al., 2009; Fredricks & Eccles, 2004). Bislang fehlt in der Literatur eine ganzheitliche Betrachtung elterlicher Stresswahrnehmungen sowie Untersuchungen in Mannschaftssportarten (vgl. Harwood et al., 2019). Ziel dieser Studie war es daher, die wett-kampfbezogenen Stressoren von Eltern in deutschen Fußballnachwuchsleistungszentren sowie deren begleitende kognitive Bewertungen und Emotionen zu erfassen (vgl. Lazarus, 1999). 330 Eltern (MAlter = 46,0; SD = 6,2 Jahre) wurden in einem mixed-method Onlinefragebogen gebeten, Stressoren, die sie bezüglich der Fußballspiele ihres Kindes erlebt hatten, zu beschreiben. Diese offenen Antworten wurden anschließend mittels Qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring, 2014) ausgewertet. Zusätzlich wurden die kognitiven Bewertungen (PASA; Gaab, 2009) sowie die stressbezogenen Emotionen (SEQ; Jones et al., 2005) der Eltern erfasst. Eine Häufigkeitsanalyse der Nennungen ergab insgesamt 831 wettkampfbezogene Stressoren, die in 11 Hauptkategorien gegliedert wurden. Die Mehrheit der Beschreibungen (47%) bezog sich auf Situationen, in denen das eigene Kind involviert war, gefolgt von Stressoren bezüglich anderer Fußball-Eltern (18%) sowie des Trainers (15%). Die Ergebnisse zeigen, dass Stressoren mit Trainern signifikant mehr als Herausforderung (Erstbewertung) im Ver-gleich zu Situationen mit anderen Fußball-Eltern wahrgenommen wurden, F(2, 161) = 4,95; p = 0,008, partielles η² = 0,057. Das elterliche Selbstkonzept der eigenen Fähigkeiten (Zweitbe-wertung) war hingegen am höchsten für Stressoren mit anderen Fußball-Eltern, F(2, 161) = 3,29; p = 0,040; partielles η² = 0,039. In den emotionalen Erfahrungen der Eltern zeigten sich signifikante Unterschiede: Stresswahrnehmungen bezüglich des Trainers erzeugten die höchsten Ausprägungen elterlicher Wut, F(2, 161) = 3,61; p = 0,029; partielles η² = 0,043. Situationen, in denen das eigene Kind involviert ist oder sein physisches und psychisches Wohl gefährdet scheint, stellen für Eltern eine besonders emotional belastende Erfahrung dar. Im Kontext von Fußballnachwuchsleistungszentren scheint es unabdingbar, dass Trainer und Management sich den Erfahrungen der Eltern bewusst sind, diese thematisieren und sich für positive Beziehungen und Interaktionen auf Eltern-Trainer-Ebene sowie innerhalb der Eltern-gemeinschaft einsetzen. Die Stressoren der Eltern waren häufig durch eine hohe Interdependenz der an der Situation beteiligten Personen sowie einer zirkulären statt linearen Kausalität (Kelledy & Lyons, 2019) gekennzeichnet. Künftige Studien sollten daher eine interindividuelle Betrachtung elterlicher Stressprozesse gegenüber der vorherrschenden intraindividuellen Operationalisierung in Betracht ziehen.
OriginalspracheDeutsch
Titelasp 2021 - Abstractband : Talententwicklung & Coaching im Sport : 53. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie (asp) : Tübingen (online, 13.-15.05.2021)
Redakteure/-innenOliver Höner, Svenja Wachsmuth, Martin Leo Reinhard, Florian Schultz
Seitenumfang1
ErscheinungsortTübingen
Herausgeber (Verlag)Eberhard Karls Universität Tübingen, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, Institut für Sportwissenschaft
Erscheinungsdatum2021
Seiten153
DOIs
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2021
VeranstaltungJahrestagung der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie: Talententwicklung & Coaching im Sport - Tübingen (Online), Tübingen, Deutschland
Dauer: 13.05.202115.05.2021
Konferenznummer: 53
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-57943
https://www.asp2021.de

Bibliographische Notiz

© Eberhard Karls Universität Tübingen

ID: 6088340

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