Untersuchungen zur Validität und Reliabilität eines neuen Testverfahrens zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit

Publikationen: Buch/BerichtDissertationsschrift

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Untersuchungen zur Validität und Reliabilität eines neuen Testverfahrens zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit. / Wawer, Corinna.

Köln : Deutsche Sporthochschule Köln, 2018. 103 S.

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title = "Untersuchungen zur Validit{\"a}t und Reliabilit{\"a}t eines neuen Testverfahrens zur Bestimmung der anaeroben Leistungsf{\"a}higkeit",
abstract = "Im Leistungssport stellt die physiologische Leistungsdiagnostik eine wichtige Untersuchung dar. Diese dient neben der Erfassung des Ist-Zustands auch der Trainingskontrolle und -steuerung. Zur Erfassung der aeroben Leistungsf{\"a}higkeit werden valide Testverfahren eingesetzt. Um die anaerobe Leistungsf{\"a}higkeit zu erfassen, werden Testverfahren im Radsport oder im Taekwondo angewandt (Hauser, 2012; Weber, 2003; Yang, 2014). Bei l{\"a}uferischen Disziplinen konnte sich bisweilen noch kein anaerober Test auf der Laufbahn oder auf dem Laufband durchsetzen. Die Studienlage zeigt, dass Margaria et al. (1966) einen Treppentest zur Erfassung der alaktaziden Leistungsf{\"a}higkeit, und Lakomy (1987) ein Testverfahren auf dem Laufband nutzt, das dem dieser Studie {\"a}hnelt. W{\"a}hrend Lakomy (1987) dieses Verfahren vorwiegend f{\"u}r biomechanische Analysen anwendet, nutzen Hamilton et al. (1991) dieses auch unter Einbeziehung von physiologischen Parametern. Die Anwendung des unmotorisierten Laufbandes in Testdesigns ist etabliert, wie die aktuelle Studienlage zeigt (Bracken et al., 2012; Brooks et al.,1990; Brughelli et al., 2010, 2011; Cronin & Rumpf, 2014; De Witt et al., 2009; Greenhaff et al., 1994; Goods et al., 2014; Hamilton et al., 1991; Highton et al., 2012; Hoffman et al., 2009; Holmyard et al., 1988, 1994; Lim & Chia, 2007; Mangine et al., 2014; Manson et al., 2014; McLain et al., 2015; Nevill et al., 1989, 1993; Oliver et al., 2007; Ratel et al., 2006; Rumpf et al., 2011, 2015; Sear et al., 2010; Siegler et al., 2012; Sirotic et al., 2007, 2008; Tong et al., 2001). Dennoch werden die Studiendesigns auf dem Laufband nicht genutzt, um die anaerobe Leistungsf{\"a}higkeit zu erfassen. {\"A}hnliches gilt auch f{\"u}r den Sprint im Feld, der ebenfalls seine Anwendung in der Forschung findet, jedoch nur selten zum Einsatz kommt, um die anaerobe Leistungsf{\"a}higkeit bzw. maximale Laktatbildungsrate zu determinieren (Assuncao et al., 2017; Bidaurrazaga-Letona, 2017; Krings, 2016; Nikolaidis et al., 2016; Pantoja et al., 2016). Ziel dieser Studie war es, ein Testverfahren f{\"u}r Laufbahn/ Spielsportfeld und Laufband zu entwickeln, das die anaerobe Leistungsf{\"a}higkeit erfasst. Hierf{\"u}r wurden sowohl maximale L{\"a}ufe mit verschiedenen Belastungszeiten als auch der lineare Sprint mit Richtungswechseln durchgef{\"u}hrt. Als Parameter der anaeroben Leistungsf{\"a}higkeit wurde die maximale Laktatbildungsrate nach Mader (1994) bestimmt. V_Lamax=(〖Max〗_NBLK-R_La)/(t_Bel-t_alak ) (Mader,1994) Gleichung 1 VLamax = maximale Laktatbildungsrate MaxNBLK = maximales Nachbelastungslaktat RLa = Ruhelaktatwert tBel = Belastungszeit talak = alaktazide Zeit Studie 1: Die Teilstudie 1 war in drei Teile (Part I-III) aufgeteilt und gliederte sich wie folgt. An Part I nahmen 25 weibliche und m{\"a}nnliche Sportstudenten teil, die an acht Tagen jeweils drei Sprints {\"u}ber 8, 10, 12 oder 14 Sekunden absolvierten. Jedes Zeitintervall wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Laufbahn gelaufen. Es konnte gezeigt werden, dass das Verfahren f{\"u}r die Bestimmung der maximalen Laktatbildungsrate reliabel eingestuft werden kann. {\"A}hnlich lassen sich die Ergebnisse f{\"u}r Part II einstufen. Hier absolvierten 25 m{\"a}nnliche Sportstudenten einen Zehn- oder Zw{\"o}lf-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. In Part III der ersten Teilstudie nahmen 23 m{\"a}nnliche Sportstudenten teil, die je einen Zehn-Sekunden Sprint auf der Laufbahn und einen auf dem unmotorisierten Laufband durchf{\"u}hrten. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Tests f{\"u}r die maximale Laktatbildungsrate aufgedeckt werden. Dies l{\"a}sst darauf schlie{\ss}en, dass beide Tests nahezu identische Ergebnisse liefern und somit als valide gelten k{\"o}nnen. Aufgrund der Ergebnisse der ersten Teilstudie konnten die Reliabilit{\"a}t und Validit{\"a}t f{\"u}r das Testverfahren zur Ermittlung der VLamax nachgewiesen werden. Studie 2: Nachdem, aufgrund der Ergebnisse aus Teilstudie 1, das Messverfahren zur Determination der maximalen Laktatbildungsrate als reliabel und valide eingestuft werden konnte, sollte in Studie 2 dieses Verfahren bei der Leistungsbeurteilung von bestimmten Athletengruppen eingesetzt werden bzw. {\"u}berpr{\"u}ft werden. Am ersten Teil dieser Studie absolvierten 21 m{\"a}nnliche und weibliche Sprinter und Ausdauerathleten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je einen Zehn-Sekunden Sprint auf einem unmotorisierten Laufband und nach gleicher Vorgehensweise auf der Laufbahn. Weiterhin wurde in einem weiteren Test die maximale Sauerstoffaufnahme ermittelt. Bei der Ergebnisanalyse konnte eine hohe Reliabilit{\"a}t festgestellt werden. In Part II liefen 16 weibliche und m{\"a}nnliche Sprinter und 14 weibliche und m{\"a}nnliche Ausdauerathleten einen Sprint mit einer Dauer von 10 Sekunden auf der Laufbahn sowie auf dem Laufband. Die VO2max wurde in einem weiteren Test auf dem Laufband festgestellt. Ein hoher Inter-Korrelationskoeffizient erlaubt es, das Testverfahren trotz signifikanter Differenzen als valide einzustufen. Die Gegen{\"u}berstellung von Sprintern und Ausdauerathleten unter Einbezug der maximalen Sauerstoffaufnahme verdeutlicht Unterschiede und l{\"a}sst die Annahme zu, dass eine Klassifizierung von Athletentypen mithilfe der Laktatbildungsrate m{\"o}glich ist. Studie 3: Am ersten Teil der dritten Teilstudie nahmen 20 m{\"a}nnliche Fu{\ss}ballspieler teil, die einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fu{\ss}ballfeld und einen 12-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband durchf{\"u}hrten (Part I). Beide Sprintarten wurden jeweils einmal t{\"a}glich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgef{\"u}hrt. Eine hohe Reliabilit{\"a}t konnte auf Grund der Ergebnisse nachgewiesen werden. 45 m{\"a}nnliche Fu{\ss}ballspieler absolvierten einen 12-Sekunden Sprint auf dem Laufband und einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fu{\ss}ballfeld (Part II). Ein hoher Korrelationskoeffizient l{\"a}sst die Annahme zu, dass das Testverfahren valide ist. Beide Teile der dritten Teilstudie inkludierten einen Test zur Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme. Diese Werte in Verbindung mit anderen Parametern sollten eine Leistungsbeurteilung von Athleten zulassen und unter anderem der Leistungsoptimierung dienen. Abschlie{\ss}end kann festgehalten werden, dass sich das untersuchte Design zur Erfassung der anaeroben Leistungsf{\"a}higkeit sowohl als reliabel als auch - eingeschr{\"a}nkt - als valide charakterisieren l{\"a}sst. Es kann als ein weiteres Diagnostiktool bei der Leistungsbestimmung und -optimierung eingesetzt werden. Die Entwicklung von sportartspezifischen Sprinttests zur Bestimmung der anaeroben Leistungsf{\"a}higkeit sollte dennoch weiterf{\"u}hrend untersucht werden. Unterschiedliche Sprintzeiten f{\"u}r verschiedene Athletengruppen sollten dabei ebenso fokussiert werden. Hauser (2012) empfahl dies bereits auf Grundlage seiner Ergebnisse, so dass er f{\"u}r Sprinter eine k{\"u}rzere Sprintzeit als f{\"u}r Marathonl{\"a}ufer vorschl{\"a}gt. Die vorliegende Arbeit ber{\"u}cksichtigte dies allerdings nicht, da eine Reliabilit{\"a}ts- und Validit{\"a}ts{\"u}berpr{\"u}fung sowie ein Gruppenvergleich auf Basis gleicher Testvoraussetzungen im Vordergrund standen. Weiterhin gilt es auch, f{\"u}r zuk{\"u}nftige Forschungsvorhaben, die Validit{\"a}t solcher Tests zu {\"u}berpr{\"u}fen, damit sie methodisch sicher im Leistungssport eingesetzt werden k{\"o}nnen. ",
author = "Corinna Wawer",
year = "2018",
language = "Deutsch",
publisher = "Deutsche Sporthochschule K{\"o}ln",

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RIS

TY - BOOK

T1 - Untersuchungen zur Validität und Reliabilität eines neuen Testverfahrens zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit

AU - Wawer, Corinna

PY - 2018

Y1 - 2018

N2 - Im Leistungssport stellt die physiologische Leistungsdiagnostik eine wichtige Untersuchung dar. Diese dient neben der Erfassung des Ist-Zustands auch der Trainingskontrolle und -steuerung. Zur Erfassung der aeroben Leistungsfähigkeit werden valide Testverfahren eingesetzt. Um die anaerobe Leistungsfähigkeit zu erfassen, werden Testverfahren im Radsport oder im Taekwondo angewandt (Hauser, 2012; Weber, 2003; Yang, 2014). Bei läuferischen Disziplinen konnte sich bisweilen noch kein anaerober Test auf der Laufbahn oder auf dem Laufband durchsetzen. Die Studienlage zeigt, dass Margaria et al. (1966) einen Treppentest zur Erfassung der alaktaziden Leistungsfähigkeit, und Lakomy (1987) ein Testverfahren auf dem Laufband nutzt, das dem dieser Studie ähnelt. Während Lakomy (1987) dieses Verfahren vorwiegend für biomechanische Analysen anwendet, nutzen Hamilton et al. (1991) dieses auch unter Einbeziehung von physiologischen Parametern. Die Anwendung des unmotorisierten Laufbandes in Testdesigns ist etabliert, wie die aktuelle Studienlage zeigt (Bracken et al., 2012; Brooks et al.,1990; Brughelli et al., 2010, 2011; Cronin & Rumpf, 2014; De Witt et al., 2009; Greenhaff et al., 1994; Goods et al., 2014; Hamilton et al., 1991; Highton et al., 2012; Hoffman et al., 2009; Holmyard et al., 1988, 1994; Lim & Chia, 2007; Mangine et al., 2014; Manson et al., 2014; McLain et al., 2015; Nevill et al., 1989, 1993; Oliver et al., 2007; Ratel et al., 2006; Rumpf et al., 2011, 2015; Sear et al., 2010; Siegler et al., 2012; Sirotic et al., 2007, 2008; Tong et al., 2001). Dennoch werden die Studiendesigns auf dem Laufband nicht genutzt, um die anaerobe Leistungsfähigkeit zu erfassen. Ähnliches gilt auch für den Sprint im Feld, der ebenfalls seine Anwendung in der Forschung findet, jedoch nur selten zum Einsatz kommt, um die anaerobe Leistungsfähigkeit bzw. maximale Laktatbildungsrate zu determinieren (Assuncao et al., 2017; Bidaurrazaga-Letona, 2017; Krings, 2016; Nikolaidis et al., 2016; Pantoja et al., 2016). Ziel dieser Studie war es, ein Testverfahren für Laufbahn/ Spielsportfeld und Laufband zu entwickeln, das die anaerobe Leistungsfähigkeit erfasst. Hierfür wurden sowohl maximale Läufe mit verschiedenen Belastungszeiten als auch der lineare Sprint mit Richtungswechseln durchgeführt. Als Parameter der anaeroben Leistungsfähigkeit wurde die maximale Laktatbildungsrate nach Mader (1994) bestimmt. V_Lamax=(〖Max〗_NBLK-R_La)/(t_Bel-t_alak ) (Mader,1994) Gleichung 1 VLamax = maximale Laktatbildungsrate MaxNBLK = maximales Nachbelastungslaktat RLa = Ruhelaktatwert tBel = Belastungszeit talak = alaktazide Zeit Studie 1: Die Teilstudie 1 war in drei Teile (Part I-III) aufgeteilt und gliederte sich wie folgt. An Part I nahmen 25 weibliche und männliche Sportstudenten teil, die an acht Tagen jeweils drei Sprints über 8, 10, 12 oder 14 Sekunden absolvierten. Jedes Zeitintervall wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Laufbahn gelaufen. Es konnte gezeigt werden, dass das Verfahren für die Bestimmung der maximalen Laktatbildungsrate reliabel eingestuft werden kann. Ähnlich lassen sich die Ergebnisse für Part II einstufen. Hier absolvierten 25 männliche Sportstudenten einen Zehn- oder Zwölf-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. In Part III der ersten Teilstudie nahmen 23 männliche Sportstudenten teil, die je einen Zehn-Sekunden Sprint auf der Laufbahn und einen auf dem unmotorisierten Laufband durchführten. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Tests für die maximale Laktatbildungsrate aufgedeckt werden. Dies lässt darauf schließen, dass beide Tests nahezu identische Ergebnisse liefern und somit als valide gelten können. Aufgrund der Ergebnisse der ersten Teilstudie konnten die Reliabilität und Validität für das Testverfahren zur Ermittlung der VLamax nachgewiesen werden. Studie 2: Nachdem, aufgrund der Ergebnisse aus Teilstudie 1, das Messverfahren zur Determination der maximalen Laktatbildungsrate als reliabel und valide eingestuft werden konnte, sollte in Studie 2 dieses Verfahren bei der Leistungsbeurteilung von bestimmten Athletengruppen eingesetzt werden bzw. überprüft werden. Am ersten Teil dieser Studie absolvierten 21 männliche und weibliche Sprinter und Ausdauerathleten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je einen Zehn-Sekunden Sprint auf einem unmotorisierten Laufband und nach gleicher Vorgehensweise auf der Laufbahn. Weiterhin wurde in einem weiteren Test die maximale Sauerstoffaufnahme ermittelt. Bei der Ergebnisanalyse konnte eine hohe Reliabilität festgestellt werden. In Part II liefen 16 weibliche und männliche Sprinter und 14 weibliche und männliche Ausdauerathleten einen Sprint mit einer Dauer von 10 Sekunden auf der Laufbahn sowie auf dem Laufband. Die VO2max wurde in einem weiteren Test auf dem Laufband festgestellt. Ein hoher Inter-Korrelationskoeffizient erlaubt es, das Testverfahren trotz signifikanter Differenzen als valide einzustufen. Die Gegenüberstellung von Sprintern und Ausdauerathleten unter Einbezug der maximalen Sauerstoffaufnahme verdeutlicht Unterschiede und lässt die Annahme zu, dass eine Klassifizierung von Athletentypen mithilfe der Laktatbildungsrate möglich ist. Studie 3: Am ersten Teil der dritten Teilstudie nahmen 20 männliche Fußballspieler teil, die einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fußballfeld und einen 12-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband durchführten (Part I). Beide Sprintarten wurden jeweils einmal täglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgeführt. Eine hohe Reliabilität konnte auf Grund der Ergebnisse nachgewiesen werden. 45 männliche Fußballspieler absolvierten einen 12-Sekunden Sprint auf dem Laufband und einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fußballfeld (Part II). Ein hoher Korrelationskoeffizient lässt die Annahme zu, dass das Testverfahren valide ist. Beide Teile der dritten Teilstudie inkludierten einen Test zur Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme. Diese Werte in Verbindung mit anderen Parametern sollten eine Leistungsbeurteilung von Athleten zulassen und unter anderem der Leistungsoptimierung dienen. Abschließend kann festgehalten werden, dass sich das untersuchte Design zur Erfassung der anaeroben Leistungsfähigkeit sowohl als reliabel als auch - eingeschränkt - als valide charakterisieren lässt. Es kann als ein weiteres Diagnostiktool bei der Leistungsbestimmung und -optimierung eingesetzt werden. Die Entwicklung von sportartspezifischen Sprinttests zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit sollte dennoch weiterführend untersucht werden. Unterschiedliche Sprintzeiten für verschiedene Athletengruppen sollten dabei ebenso fokussiert werden. Hauser (2012) empfahl dies bereits auf Grundlage seiner Ergebnisse, so dass er für Sprinter eine kürzere Sprintzeit als für Marathonläufer vorschlägt. Die vorliegende Arbeit berücksichtigte dies allerdings nicht, da eine Reliabilitäts- und Validitätsüberprüfung sowie ein Gruppenvergleich auf Basis gleicher Testvoraussetzungen im Vordergrund standen. Weiterhin gilt es auch, für zukünftige Forschungsvorhaben, die Validität solcher Tests zu überprüfen, damit sie methodisch sicher im Leistungssport eingesetzt werden können.

AB - Im Leistungssport stellt die physiologische Leistungsdiagnostik eine wichtige Untersuchung dar. Diese dient neben der Erfassung des Ist-Zustands auch der Trainingskontrolle und -steuerung. Zur Erfassung der aeroben Leistungsfähigkeit werden valide Testverfahren eingesetzt. Um die anaerobe Leistungsfähigkeit zu erfassen, werden Testverfahren im Radsport oder im Taekwondo angewandt (Hauser, 2012; Weber, 2003; Yang, 2014). Bei läuferischen Disziplinen konnte sich bisweilen noch kein anaerober Test auf der Laufbahn oder auf dem Laufband durchsetzen. Die Studienlage zeigt, dass Margaria et al. (1966) einen Treppentest zur Erfassung der alaktaziden Leistungsfähigkeit, und Lakomy (1987) ein Testverfahren auf dem Laufband nutzt, das dem dieser Studie ähnelt. Während Lakomy (1987) dieses Verfahren vorwiegend für biomechanische Analysen anwendet, nutzen Hamilton et al. (1991) dieses auch unter Einbeziehung von physiologischen Parametern. Die Anwendung des unmotorisierten Laufbandes in Testdesigns ist etabliert, wie die aktuelle Studienlage zeigt (Bracken et al., 2012; Brooks et al.,1990; Brughelli et al., 2010, 2011; Cronin & Rumpf, 2014; De Witt et al., 2009; Greenhaff et al., 1994; Goods et al., 2014; Hamilton et al., 1991; Highton et al., 2012; Hoffman et al., 2009; Holmyard et al., 1988, 1994; Lim & Chia, 2007; Mangine et al., 2014; Manson et al., 2014; McLain et al., 2015; Nevill et al., 1989, 1993; Oliver et al., 2007; Ratel et al., 2006; Rumpf et al., 2011, 2015; Sear et al., 2010; Siegler et al., 2012; Sirotic et al., 2007, 2008; Tong et al., 2001). Dennoch werden die Studiendesigns auf dem Laufband nicht genutzt, um die anaerobe Leistungsfähigkeit zu erfassen. Ähnliches gilt auch für den Sprint im Feld, der ebenfalls seine Anwendung in der Forschung findet, jedoch nur selten zum Einsatz kommt, um die anaerobe Leistungsfähigkeit bzw. maximale Laktatbildungsrate zu determinieren (Assuncao et al., 2017; Bidaurrazaga-Letona, 2017; Krings, 2016; Nikolaidis et al., 2016; Pantoja et al., 2016). Ziel dieser Studie war es, ein Testverfahren für Laufbahn/ Spielsportfeld und Laufband zu entwickeln, das die anaerobe Leistungsfähigkeit erfasst. Hierfür wurden sowohl maximale Läufe mit verschiedenen Belastungszeiten als auch der lineare Sprint mit Richtungswechseln durchgeführt. Als Parameter der anaeroben Leistungsfähigkeit wurde die maximale Laktatbildungsrate nach Mader (1994) bestimmt. V_Lamax=(〖Max〗_NBLK-R_La)/(t_Bel-t_alak ) (Mader,1994) Gleichung 1 VLamax = maximale Laktatbildungsrate MaxNBLK = maximales Nachbelastungslaktat RLa = Ruhelaktatwert tBel = Belastungszeit talak = alaktazide Zeit Studie 1: Die Teilstudie 1 war in drei Teile (Part I-III) aufgeteilt und gliederte sich wie folgt. An Part I nahmen 25 weibliche und männliche Sportstudenten teil, die an acht Tagen jeweils drei Sprints über 8, 10, 12 oder 14 Sekunden absolvierten. Jedes Zeitintervall wurde an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Laufbahn gelaufen. Es konnte gezeigt werden, dass das Verfahren für die Bestimmung der maximalen Laktatbildungsrate reliabel eingestuft werden kann. Ähnlich lassen sich die Ergebnisse für Part II einstufen. Hier absolvierten 25 männliche Sportstudenten einen Zehn- oder Zwölf-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. In Part III der ersten Teilstudie nahmen 23 männliche Sportstudenten teil, die je einen Zehn-Sekunden Sprint auf der Laufbahn und einen auf dem unmotorisierten Laufband durchführten. Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Tests für die maximale Laktatbildungsrate aufgedeckt werden. Dies lässt darauf schließen, dass beide Tests nahezu identische Ergebnisse liefern und somit als valide gelten können. Aufgrund der Ergebnisse der ersten Teilstudie konnten die Reliabilität und Validität für das Testverfahren zur Ermittlung der VLamax nachgewiesen werden. Studie 2: Nachdem, aufgrund der Ergebnisse aus Teilstudie 1, das Messverfahren zur Determination der maximalen Laktatbildungsrate als reliabel und valide eingestuft werden konnte, sollte in Studie 2 dieses Verfahren bei der Leistungsbeurteilung von bestimmten Athletengruppen eingesetzt werden bzw. überprüft werden. Am ersten Teil dieser Studie absolvierten 21 männliche und weibliche Sprinter und Ausdauerathleten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen je einen Zehn-Sekunden Sprint auf einem unmotorisierten Laufband und nach gleicher Vorgehensweise auf der Laufbahn. Weiterhin wurde in einem weiteren Test die maximale Sauerstoffaufnahme ermittelt. Bei der Ergebnisanalyse konnte eine hohe Reliabilität festgestellt werden. In Part II liefen 16 weibliche und männliche Sprinter und 14 weibliche und männliche Ausdauerathleten einen Sprint mit einer Dauer von 10 Sekunden auf der Laufbahn sowie auf dem Laufband. Die VO2max wurde in einem weiteren Test auf dem Laufband festgestellt. Ein hoher Inter-Korrelationskoeffizient erlaubt es, das Testverfahren trotz signifikanter Differenzen als valide einzustufen. Die Gegenüberstellung von Sprintern und Ausdauerathleten unter Einbezug der maximalen Sauerstoffaufnahme verdeutlicht Unterschiede und lässt die Annahme zu, dass eine Klassifizierung von Athletentypen mithilfe der Laktatbildungsrate möglich ist. Studie 3: Am ersten Teil der dritten Teilstudie nahmen 20 männliche Fußballspieler teil, die einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fußballfeld und einen 12-Sekunden Sprint auf dem unmotorisierten Laufband durchführten (Part I). Beide Sprintarten wurden jeweils einmal täglich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgeführt. Eine hohe Reliabilität konnte auf Grund der Ergebnisse nachgewiesen werden. 45 männliche Fußballspieler absolvierten einen 12-Sekunden Sprint auf dem Laufband und einen linearen Sprint mit Richtungswechseln auf dem Fußballfeld (Part II). Ein hoher Korrelationskoeffizient lässt die Annahme zu, dass das Testverfahren valide ist. Beide Teile der dritten Teilstudie inkludierten einen Test zur Bestimmung der maximalen Sauerstoffaufnahme. Diese Werte in Verbindung mit anderen Parametern sollten eine Leistungsbeurteilung von Athleten zulassen und unter anderem der Leistungsoptimierung dienen. Abschließend kann festgehalten werden, dass sich das untersuchte Design zur Erfassung der anaeroben Leistungsfähigkeit sowohl als reliabel als auch - eingeschränkt - als valide charakterisieren lässt. Es kann als ein weiteres Diagnostiktool bei der Leistungsbestimmung und -optimierung eingesetzt werden. Die Entwicklung von sportartspezifischen Sprinttests zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit sollte dennoch weiterführend untersucht werden. Unterschiedliche Sprintzeiten für verschiedene Athletengruppen sollten dabei ebenso fokussiert werden. Hauser (2012) empfahl dies bereits auf Grundlage seiner Ergebnisse, so dass er für Sprinter eine kürzere Sprintzeit als für Marathonläufer vorschlägt. Die vorliegende Arbeit berücksichtigte dies allerdings nicht, da eine Reliabilitäts- und Validitätsüberprüfung sowie ein Gruppenvergleich auf Basis gleicher Testvoraussetzungen im Vordergrund standen. Weiterhin gilt es auch, für zukünftige Forschungsvorhaben, die Validität solcher Tests zu überprüfen, damit sie methodisch sicher im Leistungssport eingesetzt werden können.

M3 - Dissertationsschrift

BT - Untersuchungen zur Validität und Reliabilität eines neuen Testverfahrens zur Bestimmung der anaeroben Leistungsfähigkeit

PB - Deutsche Sporthochschule Köln

CY - Köln

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ID: 3490697