Vom Seelenkerker zum virtuellen Flaneur: Körper-Geschichten von Platon bis Kurzweil

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Die Vielfalt und Dynamik gegenwartskultureller Körperthematisierungen füllt Bände und der Widerstreit zwischen Körper und Geist hat den gleichen Ursprung wie die abendländische Kulturgeschichte. Was mit "Körper" gemeint ist, wurde bzw. wird kontrovers diskutiert. Mit dem Sonderrang des Geistes eröffnet die antike Philosophie ihre Körperversion als "Seelenkerker". Die bis ins 15. Jahrhundert erhaltene Körperfeindlichkeit beginnt sich erst durch das aufkommende anatomische Interesse abzuschwächen. Der im Gegensatz zum Körper unauffindbare Geist lässt den Menschen im philosophischen Materialismus als eine Maschine erscheinen, die im 18. Jahrhundert durch die Betonung der Disziplin gefügig und gelehrig gemacht wird. Heutzutage lassen die medialen Entwicklungen eine Bewegungslosigkeit zu, die einen Untergang von Körper und Sinnen vermuten ließe. Demgegenüber stehen aber die die Sinne ansprechenden Zeichen- und Bilderbahnen beispielsweise des Internets, in dem alle menschlichen (und somit körperlichen) Bedürfnisse ihre virtuelle Entsprechung haben. Außerdem sieht Verf. in den realen Bewegungssequenzen der Computerwelt einen Appellcharakter, der zur Nachahmung anregen kann. Eine Möglichkeit zur Versöhnung von Körper und Geist über den Sport eröffnet sich vor dem Hintergrund der Motivation zur Ausübung von Fitness- oder Extremsport, bei denen trotz der wesentlichen Unterschiede die gemeinsame Selbstinszenierung über die physischen Leistungen bleibt. Die den Körper betreffenden und relativierenden Forschungsergebnisse bzw. -vorhersagen der Nanotechnik und Humangenetik zeichnen schließlich ein Bild von einer Welt, die den medien- und biotechnologischen Körperboom hinter sich gelassen hat und die Frage bleibt, ob das auch das Ende der Vorstellung sportlichen Handelns beinhalt. Amendt
OriginalspracheDeutsch
ZeitschriftForschung Innovation Technologie : das F.I.T.-Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Köln
Jahrgang7
Seiten (von - bis)22-26
Seitenumfang5
ISSN1434-7776
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2002

Bibliographische Notiz

Köln

ID: 304005

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