Zusammenhänge zwischen sozialen Faktoren und einem gesunden Lebensstil bei Hauptschülern

Publikationen: Buch/BerichtDissertationsschriftForschung

AutorInnen

  • Gulshat Ouadine

Forschungseinrichtungen

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Einleitung: Zahlreiche nationale sowie internationale Studien zeigen, dass die gesundheitliche Situation und eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch die soziale Lage beeinflusst werden. Die ungünstigen Lebensbedingungen, in denen Kinder und Jugendliche aus sozial schwächer gestellten Familien aufwachsen, bestimmen weitestgehend über die körperliche, seelisch-geistige und soziale Entwicklung sowie das subjektive Wohlbefinden der Heranwachsenden. Ziel der vorliegenden Arbeit war es daher, die Gesundheitslage in der Zielgruppe der Hauptschüler aus der Perspektive des Lebensstilkonzepts unter der Berücksichtigung von verschiedenen sozialen Umwelteinflüssen zu analysieren.
Methodik: Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde mittels einer Clusteranalyse eine theoriegeleitete Lebensstiltypologie basierend auf den Variablen „körperlich-sportliche Aktivität“ und „Medienkonsummuster“ entwickelt. Cluster 1 (41,4% der Zielgruppe) war gekennzeichnet durch einen hohen Anteil an körperlich-sportlicher Aktivität und geringen Medienkonsum, Cluster 2 (21,5%) durch einen hohen Anteil an körperlich-sportlicher Aktivität und hohen Medienkonsum, Cluster 3 (21,2%) durch einen geringen Anteil an körperlich-sportlicher Aktivität und geringen Medienkonsum sowie Cluster 4 (16,0%) durch einen geringen Anteil an körperlich-sportlicher Aktivität und hohen Medienkonsum. In einem zweistufigen Verfahren wurde zunächst im Querschnitt die gesundheitliche Ist-Situation der Hauptschüler anhand der Dimensionen körperliche Gesundheitsfaktoren, Gesundheitsverhalten, Gesundheitsorientierung und Umwelt/Umfeldfaktoren analysiert. In einem zweiten Schritt wurde im Längsschnitt untersucht, wie sich die ausgewählten anthropometrischen Daten (BMI und Bauchumfang) und die Ausdauerleistungsfähigkeit (6-min-Lauf) von T0 zu T2 in den einzelnen Lebensstilgruppen, unter besonderer Berücksichtigung der sozio-ökonomischen (SES, Migrationshintergrund) und sozio-strukturellen (Geschlecht) Merkmale auf die Entwicklung dieser Parameter, entwickelten.
Ergebnisse: Der höchste Anteil übergewichtiger und adipöser Kinder fand sich in den „sportlich-inaktiven“ Clustern 3 (40,7%) und 4 (36,1%). Eine abdominale Fettverteilung (ab 90. bzw. 97. Perzentile, Kromeyer-Hauschild et al. 2011) wurde am häufigsten bei den Kindern in Cluster 4 (45,8%), in Cluster 3 (44,0%) und in Cluster 1 (38,7%) identifiziert. Innerhalb des Beobachtungszeitraums stieg der BMI der Migrantenkinder in Cluster 1 und in Cluster 2 signifikant höher im Vergleich zu Nicht-Migranten. Geschlechtsspezifische Differenzen bzgl. der BMI und BU Werte wurden zu Ungunsten der Jungen mit niedrigem SES und mit Migrationshintergrund festgestellt. Hinsichtlich der Ausdauerleistungsfähigkeit zeigten Migrantenkinder in Cluster 2 und Cluster 3 signifikant schlechtere Leistungsergebnisse als Nicht-Migranten.
Diskussion: Zusammenfassend zeigt die vorliegende Untersuchung eine hohe Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern aus Familien mit einem niedrigen SES und mit Migrationshintergrund. Dies betrifft auch weitere, aus primärpräventiver Sicht wichtige Parameter wie die Ausdauerleistungsfähigkeit, aktive bzw. inaktive Freizeitaktivitäten und die personalen, familiären und sozialen Schutzfaktoren. Defizite in den personalen Schutzfaktoren wurden zudem bei den deutschen Kindern häufiger festgestellt, als bei den Migranten. Das Aufwachsen in einem sozial benachteiligten Umfeld vermindert deutlich die Chance für eine gesunde Lebensführung. Die vorliegende Datenlage unterstreicht die Forderung nach frühen zielgruppenspezifischen gesundheitsfördernden Interventionsmaßnahmen, die insbesondere sozial schwache Familien erreichen sollen.

OriginalspracheDeutsch
ErscheinungsortKöln
Herausgeber/inDeutsche Sporthochschule Köln
Seitenumfang267
PublikationsstatusVeröffentlicht - 2014

ID: 3063973

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