Big Data trifft auf Sportpsychologie - ein Projektbericht über Daten und Experimente zu sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball

Publications: Chapter in Book/Report/Conference proceedingConference contribution - Published abstract for conference with selection processResearchpeer-review

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Big Data trifft auf Sportpsychologie - ein Projektbericht über Daten und Experimente zu sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball. / Ittlinger, Sandra; Raab, Markus; Link, Daniel et al.

Antizipation und Entscheidungsfindung im Sport . 2022.

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title = "Big Data trifft auf Sportpsychologie - ein Projektbericht {\"u}ber Daten und Experimente zu sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball",
abstract = "Dieses Projekt zeigt, wie Big Data und Sportpsychologie beim Testen von sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball zusammenkommen. Daf{\"u}r wird zun{\"a}chst das Ph{\"a}nomen der {"}Hot Hand{"} im Beachvolleyball veranschaulicht, d. h. die Annahme, dass ein Spieler nach zwei oder drei Treffern eine h{\"o}here Chance hat zu punkten als nach zwei oder drei Fehlschl{\"a}gen. Hierf{\"u}r wird ein einfacher heuristischer Rahmen genutzt. Dieser Rahmen beschreibt und erkl{\"a}rt schnelle Entscheidungen mit Hilfe von Faustregeln, z. B. bei der Entscheidung eines Beachvolleyballspielers, ob er zu Beginn des Ballwechsels auf Spieler A oder B aufschl{\"a}gt. Um Big Data zu erfassen, wurden Analysen von Sequenzentscheidungen von Hochleistungssportlern der Sportart Beachvolleyball in mehr als 1.300 Spielen der World Series 2012-2018 und der Olympischen Spiele 2012 und 2016 durchgef{\"u}hrt. Es konnte zun{\"a}chst gezeigt werden, dass es einen Unterschied von Basisraten zwischen Athleten eines Teams von bis zu 34.0% (Basisratenunterschied = .16 ± .13) gibt und diese Informationen somit f{\"u}r die Aufschlagsentscheidung genutzt werden sollen. Weiterhin reagieren Athleten bei der Entscheidung, auf wen sie aufschlagen, sensibel auf gegnerische Basisraten und passen ihre Strategien jeweils an diese Leistungen an. Unsere Daten beschreiben einen Schwellenwert des Basisratenunterschiedes von circa .25, ab dem die Spieler ihre urspr{\"u}nglichen Strategien {\"a}ndern und die aktuellen Basisraten verwenden, um den schw{\"a}cheren Spieler zu treffen und somit gr{\"o}{\ss}ere Chancen auf den Sieg zu haben (Link & Raab, 2021). Mit diesen Ergebnissen kommt nun die Sportpsychologie ins Spiel. In einer Interview-Studie, die im vergangenen halben Jahr mit deutschen Nationalmannschafts-Trainern durchgef{\"u}hrt wurde, zeigten sich verschiedene empfohlene Aufschlagstrategien die auf den Hot Hand Glauben im Beachvolleyball beruhen. Vier von sechs Trainern berichten, an die Hot Hand im Beachvolleyball zu glauben. Die Ergebnisse bez{\"u}glich der Aufschlagstrategien variieren {\"u}ber die verschiedenen Trainer, was auf eine nicht eindeutige Strategie im deutschen Beachvolleyball schlie{\ss}en l{\"a}sst. Aufbauend auf den Ergebnissen der Big Data Analyse und den Interviews werden im Moment Videoexperimente f{\"u}r Kaderathleten entwickelt. Diese Experimente haben zum Ziel, Entscheidungsstrategien im Beachvolleyball-Aufschlag unter Einbezug von Sequenzentscheidungen zu testen. Bis zur Tagung im Juni werden erste Ergebnisse der Videoexperimente pr{\"a}sentiert werden k{\"o}nnen. Dieses Projekt von Sportinformatikern und Sportpsychologen ist ein Beispiel daf{\"u}r, wie Sportverb{\"a}nde und -vereine von einer interdisziplin{\"a}ren Arbeit profitieren k{\"o}nnen. Zuk{\"u}nftig soll mithilfe von sequentieller Entscheidungsanalyse, Big Data, sportpsychologischen Experimenten und Diagnostik aus einer einfachen heuristischen Perspektive hilfreiche Empfehlungen f{\"u}r Sportentscheidungen generiert werden.",
author = "Sandra Ittlinger and Markus Raab and Daniel Link and Steffen Lang",
year = "2022",
month = jun,
day = "17",
language = "Deutsch",
booktitle = "Antizipation und Entscheidungsfindung im Sport",

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RIS

TY - CHAP

T1 - Big Data trifft auf Sportpsychologie - ein Projektbericht über Daten und Experimente zu sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball

AU - Ittlinger, Sandra

AU - Raab, Markus

AU - Link, Daniel

AU - Lang, Steffen

PY - 2022/6/17

Y1 - 2022/6/17

N2 - Dieses Projekt zeigt, wie Big Data und Sportpsychologie beim Testen von sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball zusammenkommen. Dafür wird zunächst das Phänomen der "Hot Hand" im Beachvolleyball veranschaulicht, d. h. die Annahme, dass ein Spieler nach zwei oder drei Treffern eine höhere Chance hat zu punkten als nach zwei oder drei Fehlschlägen. Hierfür wird ein einfacher heuristischer Rahmen genutzt. Dieser Rahmen beschreibt und erklärt schnelle Entscheidungen mit Hilfe von Faustregeln, z. B. bei der Entscheidung eines Beachvolleyballspielers, ob er zu Beginn des Ballwechsels auf Spieler A oder B aufschlägt. Um Big Data zu erfassen, wurden Analysen von Sequenzentscheidungen von Hochleistungssportlern der Sportart Beachvolleyball in mehr als 1.300 Spielen der World Series 2012-2018 und der Olympischen Spiele 2012 und 2016 durchgeführt. Es konnte zunächst gezeigt werden, dass es einen Unterschied von Basisraten zwischen Athleten eines Teams von bis zu 34.0% (Basisratenunterschied = .16 ± .13) gibt und diese Informationen somit für die Aufschlagsentscheidung genutzt werden sollen. Weiterhin reagieren Athleten bei der Entscheidung, auf wen sie aufschlagen, sensibel auf gegnerische Basisraten und passen ihre Strategien jeweils an diese Leistungen an. Unsere Daten beschreiben einen Schwellenwert des Basisratenunterschiedes von circa .25, ab dem die Spieler ihre ursprünglichen Strategien ändern und die aktuellen Basisraten verwenden, um den schwächeren Spieler zu treffen und somit größere Chancen auf den Sieg zu haben (Link & Raab, 2021). Mit diesen Ergebnissen kommt nun die Sportpsychologie ins Spiel. In einer Interview-Studie, die im vergangenen halben Jahr mit deutschen Nationalmannschafts-Trainern durchgeführt wurde, zeigten sich verschiedene empfohlene Aufschlagstrategien die auf den Hot Hand Glauben im Beachvolleyball beruhen. Vier von sechs Trainern berichten, an die Hot Hand im Beachvolleyball zu glauben. Die Ergebnisse bezüglich der Aufschlagstrategien variieren über die verschiedenen Trainer, was auf eine nicht eindeutige Strategie im deutschen Beachvolleyball schließen lässt. Aufbauend auf den Ergebnissen der Big Data Analyse und den Interviews werden im Moment Videoexperimente für Kaderathleten entwickelt. Diese Experimente haben zum Ziel, Entscheidungsstrategien im Beachvolleyball-Aufschlag unter Einbezug von Sequenzentscheidungen zu testen. Bis zur Tagung im Juni werden erste Ergebnisse der Videoexperimente präsentiert werden können. Dieses Projekt von Sportinformatikern und Sportpsychologen ist ein Beispiel dafür, wie Sportverbände und -vereine von einer interdisziplinären Arbeit profitieren können. Zukünftig soll mithilfe von sequentieller Entscheidungsanalyse, Big Data, sportpsychologischen Experimenten und Diagnostik aus einer einfachen heuristischen Perspektive hilfreiche Empfehlungen für Sportentscheidungen generiert werden.

AB - Dieses Projekt zeigt, wie Big Data und Sportpsychologie beim Testen von sequenziellen Entscheidungen im Beachvolleyball zusammenkommen. Dafür wird zunächst das Phänomen der "Hot Hand" im Beachvolleyball veranschaulicht, d. h. die Annahme, dass ein Spieler nach zwei oder drei Treffern eine höhere Chance hat zu punkten als nach zwei oder drei Fehlschlägen. Hierfür wird ein einfacher heuristischer Rahmen genutzt. Dieser Rahmen beschreibt und erklärt schnelle Entscheidungen mit Hilfe von Faustregeln, z. B. bei der Entscheidung eines Beachvolleyballspielers, ob er zu Beginn des Ballwechsels auf Spieler A oder B aufschlägt. Um Big Data zu erfassen, wurden Analysen von Sequenzentscheidungen von Hochleistungssportlern der Sportart Beachvolleyball in mehr als 1.300 Spielen der World Series 2012-2018 und der Olympischen Spiele 2012 und 2016 durchgeführt. Es konnte zunächst gezeigt werden, dass es einen Unterschied von Basisraten zwischen Athleten eines Teams von bis zu 34.0% (Basisratenunterschied = .16 ± .13) gibt und diese Informationen somit für die Aufschlagsentscheidung genutzt werden sollen. Weiterhin reagieren Athleten bei der Entscheidung, auf wen sie aufschlagen, sensibel auf gegnerische Basisraten und passen ihre Strategien jeweils an diese Leistungen an. Unsere Daten beschreiben einen Schwellenwert des Basisratenunterschiedes von circa .25, ab dem die Spieler ihre ursprünglichen Strategien ändern und die aktuellen Basisraten verwenden, um den schwächeren Spieler zu treffen und somit größere Chancen auf den Sieg zu haben (Link & Raab, 2021). Mit diesen Ergebnissen kommt nun die Sportpsychologie ins Spiel. In einer Interview-Studie, die im vergangenen halben Jahr mit deutschen Nationalmannschafts-Trainern durchgeführt wurde, zeigten sich verschiedene empfohlene Aufschlagstrategien die auf den Hot Hand Glauben im Beachvolleyball beruhen. Vier von sechs Trainern berichten, an die Hot Hand im Beachvolleyball zu glauben. Die Ergebnisse bezüglich der Aufschlagstrategien variieren über die verschiedenen Trainer, was auf eine nicht eindeutige Strategie im deutschen Beachvolleyball schließen lässt. Aufbauend auf den Ergebnissen der Big Data Analyse und den Interviews werden im Moment Videoexperimente für Kaderathleten entwickelt. Diese Experimente haben zum Ziel, Entscheidungsstrategien im Beachvolleyball-Aufschlag unter Einbezug von Sequenzentscheidungen zu testen. Bis zur Tagung im Juni werden erste Ergebnisse der Videoexperimente präsentiert werden können. Dieses Projekt von Sportinformatikern und Sportpsychologen ist ein Beispiel dafür, wie Sportverbände und -vereine von einer interdisziplinären Arbeit profitieren können. Zukünftig soll mithilfe von sequentieller Entscheidungsanalyse, Big Data, sportpsychologischen Experimenten und Diagnostik aus einer einfachen heuristischen Perspektive hilfreiche Empfehlungen für Sportentscheidungen generiert werden.

M3 - Konferenzbeitrag - Abstract in Konferenzband

BT - Antizipation und Entscheidungsfindung im Sport

ER -

ID: 6732450