Die Entwicklung des Sports in Leverkusen. Eine historische Analyse von 1880-2015

Research output: Book/ReportDissertations

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Die Entwicklung des Sports in Leverkusen. Eine historische Analyse von 1880-2015. / Böcker, Fabian.

Köln : Deutsche Sporthochschule Köln, 2016. 714 p.

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title = "Die Entwicklung des Sports in Leverkusen.: Eine historische Analyse von 1880-2015",
abstract = "Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnte erstmals die Gesamtentwicklung der bis- herigen Leverkusener Sportgeschichte umfassend und unter Zuhilfenahme zahlrei- cher bisher unver{\"o}ffentlichter Originalquellen dargestellt werden. Hierbei standen jedoch nicht die Ergebnisse und sportlichen Erfolge, die bereits in verschiedenen Publikationen aufgearbeitet worden sind, sondern die jeweiligen gesellschaftlichen, sportpolitischen sowie stadtgeschichtliche Entwicklungstendenzen als Leitlinie im Fokus der Untersuchung.Im Ergebnis wird dabei vor allem deutlich, dass die Entwicklung und die Organi- sation des Sports in Leverkusen insgesamt den besonderen Bedingungen vor Ort geschuldet ist und insoweit nur teilweise parallel zum {\"u}brigen Deutschland verlief.Zun{\"a}chst kam es beginnend in den 1880er Jahren im vergleichsweise d{\"u}nn besie- delten Raum des heutigen Stadtgebietes wie fast {\"u}berall im Deutschen Kaiserreich zur Gr{\"u}ndung von Vereinen, die sich programmatisch {\"u}berwiegend an Ludwig Jahn und den traditionellen Leitlinien der konservativen Deutschen Turnerschaft orien- tierten. Durch die Entscheidung der Firma Bayer, am Rhein in der N{\"a}he von Wiesdorf einen neuen Werksstandort aufzubauen, etablierten sich ab dem Jahr 1904 zus{\"a}tzlich Vereine, die sich von Beginn an durch eine stark ideologisch gepr{\"a}gte, personelle und wirtschaftliche Anbindung an den Chemiekonzern auszeichneten. W{\"a}hrend der Weimarer Republik entwickelte sich neben Turnen und Spiel vor allem der Sport zu einem bedeutsamen Teil der Alltags- und Massenkultur.Nach der Macht{\"u}bernahme durch die Nationalsozialisten und der damit einher- gehenden Zerschlagungs- und Gleichschaltungspolitik kam es auch in der noch jungen Stadt Leverkusen zu einer deutlichen Z{\"a}sur in der Sportentwicklung, die jedoch im Vergleich zum {\"u}brigen Deutschland abgeschw{\"a}cht ausfiel. Denn die bereits in Kaiserzeit und Weimarer Republik etablierten Traditionen betrieblicher Sozialpolitik und das darin fest verankerte Sportvereinswesen erwiesen sich als wirk- sames Bollwerk gegen die Tendenzen der Zeit.Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte ein Neuaufbau des Sports von der Vereinsebene aus, bei dem an bew{\"a}hrte Strukturen und Kontinuit{\"a}ten aus der Weimarer Republik angekn{\"u}pft wurde. Einhergehend mit der positiven wirtschaft- lichen Entwicklung des Bayerwerkes und dem 1955 errungenen Status einer kreis- freien Stadt verbesserte sich zudem die kommunale Finanzlage Leverkusens nach- haltig. Deshalb konnte ab Mitte der 1960er Jahre auch eine systematische st{\"a}dtische Sportf{\"o}rderung betrieben werden. Das Image des bisher vornehmlich als „Chemie- stadt“ wahrgenommenen Mittelzentrums entwickelte sich infolge einer zunehmend sichtbareren spitzensportlichen Profilierung mehr und mehr zu dem einer „Sport- stadt“. Hierbei setzte die kommunale Sportverwaltung mit Projekten wie den Ferien- sportkursen und sp{\"a}ter dem Schulsportmodell eigene Akzente und profilierte sich in Teilbereichen als ein mit den etablierten Vereinen konkurrierender Anbieter vonSportdienstleistungen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es auch zu Modernisierungs- tendenzen im vereinsgebundenen Sportangebot und zu einer Repositionierung der jeweiligen Einflussbereiche.Die Entwicklung bis Anfang der 1980er Jahre war zus{\"a}tzlich auch durch den Bau einer stadtbildpr{\"a}genden Sportst{\"a}tteninfrastruktur gekennzeichnet, bei der die Stadt nicht zuletzt auch auf Grund von Finanzierungsproblemen immer wieder eine Koali- tion mit Bayer einging. Dabei gen{\"u}gten offenbar die auf dem {\"o}konomischen Gewicht des Unternehmens aufbauende Verhandlungsposition und auch zahlreiche gut funktionierende informelle Kommunikationskan{\"a}le, um die Stadt praktisch immer im Sinne des Werkes agieren und entscheiden zu lassen.W{\"a}hrend sich die Kommune immer aktiver in der Sportf{\"u}rsorge engagierte, setzte bei praktisch allen freiwilligen sozialpolitischen Bayer-Leistungen, zu denen auch der Sportbereich z{\"a}hlte, zunehmend ein relativer Bedeutungsverlust ein. Parallel dazu ver{\"a}nderte sich die Unternehmenskultur der Bayer AG im Gefolge des Globalisie- rungsschubs bereits seit den 1980er-Jahren nachhaltig. Daher setzte sp{\"a}ter auch eine letztendlich beispiellose Restrukturierung der gesamten Sportf{\"o}rderung ein. Die in diesem Zusammenhang erkl{\"a}rte Abkehr vom M{\"a}zenatentum im Bereich der Spitzen- sportf{\"o}rderung zugunsten einer klar fokussierten Sport-Sponsoring-Strategie stellte faktisch einen regelrechten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Bayer-Sports dar. Aus der bereits 1993 eingeleiteten Repositionierung ging letztendlich aus- schlie{\ss}lich der Profifu{\ss}ball gest{\"a}rkt hervor, w{\"a}hrend die Unterst{\"u}tzung f{\"u}r andere Mannschaftssportarten und die zuvor traditionell stark gef{\"o}rderte Leichtathletik von da an in mehreren Stufen bis zum Jahr 2015 sukzessive zur{\"u}ckgefahren wurde.Als die Stadt Leverkusen zu Beginn der 1990er Jahre in Folge wegbrechender Steuereinnahmen in die schwerste Finanzkrise ihrer Geschichte rutschte, wurde zus{\"a}tzlich ein selbstverschuldeter Sanierungsstau im Bereich der Sportst{\"a}tteninfra- struktur offensichtlich. Da notwendige Investitionen zur Substanzsicherung und f{\"u}r die fortschreitende Modernisierung insbesondere im Bereich der B{\"a}der trotz zuvor kontinuierlich j{\"a}hrlicher Haushalts{\"u}bersch{\"u}sse {\"u}ber einen l{\"a}ngeren Zeitraum unter- blieben waren, mussten nun Altanlagen abgerissen und teilweise durch Neubauten ersetzt werden. Die parallel dazu erfolgte Umwandlung des Sport- und B{\"a}deramtes in einen kommunalen Eigenbetrieb war ebenfalls zentraler Bestandteil der Restruktu- rierungsbem{\"u}hungen, um zuk{\"u}nftig ein moderneres Sportst{\"a}ttenmanagement und eine effizientere Sportverwaltung zu erreichen.Durch die in den Folgejahren praktizierte strategisch-planvolle Umsetzung eines konsequenten Konsolidierungskurses in Verbindung mit einer wirtschaftlicheren Betriebsf{\"u}hrung haben sich die Entwicklungsperspektiven der Leverkusener Sport- st{\"a}tten und damit auch des kommunalen Sportangebotes inzwischen wieder deutlich verbessert.",
author = "Fabian B{\"o}cker",
year = "2016",
language = "Deutsch",
publisher = "Deutsche Sporthochschule K{\"o}ln",

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RIS

TY - BOOK

T1 - Die Entwicklung des Sports in Leverkusen.

T2 - Eine historische Analyse von 1880-2015

AU - Böcker, Fabian

PY - 2016

Y1 - 2016

N2 - Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnte erstmals die Gesamtentwicklung der bis- herigen Leverkusener Sportgeschichte umfassend und unter Zuhilfenahme zahlrei- cher bisher unveröffentlichter Originalquellen dargestellt werden. Hierbei standen jedoch nicht die Ergebnisse und sportlichen Erfolge, die bereits in verschiedenen Publikationen aufgearbeitet worden sind, sondern die jeweiligen gesellschaftlichen, sportpolitischen sowie stadtgeschichtliche Entwicklungstendenzen als Leitlinie im Fokus der Untersuchung.Im Ergebnis wird dabei vor allem deutlich, dass die Entwicklung und die Organi- sation des Sports in Leverkusen insgesamt den besonderen Bedingungen vor Ort geschuldet ist und insoweit nur teilweise parallel zum übrigen Deutschland verlief.Zunächst kam es beginnend in den 1880er Jahren im vergleichsweise dünn besie- delten Raum des heutigen Stadtgebietes wie fast überall im Deutschen Kaiserreich zur Gründung von Vereinen, die sich programmatisch überwiegend an Ludwig Jahn und den traditionellen Leitlinien der konservativen Deutschen Turnerschaft orien- tierten. Durch die Entscheidung der Firma Bayer, am Rhein in der Nähe von Wiesdorf einen neuen Werksstandort aufzubauen, etablierten sich ab dem Jahr 1904 zusätzlich Vereine, die sich von Beginn an durch eine stark ideologisch geprägte, personelle und wirtschaftliche Anbindung an den Chemiekonzern auszeichneten. Während der Weimarer Republik entwickelte sich neben Turnen und Spiel vor allem der Sport zu einem bedeutsamen Teil der Alltags- und Massenkultur.Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und der damit einher- gehenden Zerschlagungs- und Gleichschaltungspolitik kam es auch in der noch jungen Stadt Leverkusen zu einer deutlichen Zäsur in der Sportentwicklung, die jedoch im Vergleich zum übrigen Deutschland abgeschwächt ausfiel. Denn die bereits in Kaiserzeit und Weimarer Republik etablierten Traditionen betrieblicher Sozialpolitik und das darin fest verankerte Sportvereinswesen erwiesen sich als wirk- sames Bollwerk gegen die Tendenzen der Zeit.Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte ein Neuaufbau des Sports von der Vereinsebene aus, bei dem an bewährte Strukturen und Kontinuitäten aus der Weimarer Republik angeknüpft wurde. Einhergehend mit der positiven wirtschaft- lichen Entwicklung des Bayerwerkes und dem 1955 errungenen Status einer kreis- freien Stadt verbesserte sich zudem die kommunale Finanzlage Leverkusens nach- haltig. Deshalb konnte ab Mitte der 1960er Jahre auch eine systematische städtische Sportförderung betrieben werden. Das Image des bisher vornehmlich als „Chemie- stadt“ wahrgenommenen Mittelzentrums entwickelte sich infolge einer zunehmend sichtbareren spitzensportlichen Profilierung mehr und mehr zu dem einer „Sport- stadt“. Hierbei setzte die kommunale Sportverwaltung mit Projekten wie den Ferien- sportkursen und später dem Schulsportmodell eigene Akzente und profilierte sich in Teilbereichen als ein mit den etablierten Vereinen konkurrierender Anbieter vonSportdienstleistungen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es auch zu Modernisierungs- tendenzen im vereinsgebundenen Sportangebot und zu einer Repositionierung der jeweiligen Einflussbereiche.Die Entwicklung bis Anfang der 1980er Jahre war zusätzlich auch durch den Bau einer stadtbildprägenden Sportstätteninfrastruktur gekennzeichnet, bei der die Stadt nicht zuletzt auch auf Grund von Finanzierungsproblemen immer wieder eine Koali- tion mit Bayer einging. Dabei genügten offenbar die auf dem ökonomischen Gewicht des Unternehmens aufbauende Verhandlungsposition und auch zahlreiche gut funktionierende informelle Kommunikationskanäle, um die Stadt praktisch immer im Sinne des Werkes agieren und entscheiden zu lassen.Während sich die Kommune immer aktiver in der Sportfürsorge engagierte, setzte bei praktisch allen freiwilligen sozialpolitischen Bayer-Leistungen, zu denen auch der Sportbereich zählte, zunehmend ein relativer Bedeutungsverlust ein. Parallel dazu veränderte sich die Unternehmenskultur der Bayer AG im Gefolge des Globalisie- rungsschubs bereits seit den 1980er-Jahren nachhaltig. Daher setzte später auch eine letztendlich beispiellose Restrukturierung der gesamten Sportförderung ein. Die in diesem Zusammenhang erklärte Abkehr vom Mäzenatentum im Bereich der Spitzen- sportförderung zugunsten einer klar fokussierten Sport-Sponsoring-Strategie stellte faktisch einen regelrechten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Bayer-Sports dar. Aus der bereits 1993 eingeleiteten Repositionierung ging letztendlich aus- schließlich der Profifußball gestärkt hervor, während die Unterstützung für andere Mannschaftssportarten und die zuvor traditionell stark geförderte Leichtathletik von da an in mehreren Stufen bis zum Jahr 2015 sukzessive zurückgefahren wurde.Als die Stadt Leverkusen zu Beginn der 1990er Jahre in Folge wegbrechender Steuereinnahmen in die schwerste Finanzkrise ihrer Geschichte rutschte, wurde zusätzlich ein selbstverschuldeter Sanierungsstau im Bereich der Sportstätteninfra- struktur offensichtlich. Da notwendige Investitionen zur Substanzsicherung und für die fortschreitende Modernisierung insbesondere im Bereich der Bäder trotz zuvor kontinuierlich jährlicher Haushaltsüberschüsse über einen längeren Zeitraum unter- blieben waren, mussten nun Altanlagen abgerissen und teilweise durch Neubauten ersetzt werden. Die parallel dazu erfolgte Umwandlung des Sport- und Bäderamtes in einen kommunalen Eigenbetrieb war ebenfalls zentraler Bestandteil der Restruktu- rierungsbemühungen, um zukünftig ein moderneres Sportstättenmanagement und eine effizientere Sportverwaltung zu erreichen.Durch die in den Folgejahren praktizierte strategisch-planvolle Umsetzung eines konsequenten Konsolidierungskurses in Verbindung mit einer wirtschaftlicheren Betriebsführung haben sich die Entwicklungsperspektiven der Leverkusener Sport- stätten und damit auch des kommunalen Sportangebotes inzwischen wieder deutlich verbessert.

AB - Im Rahmen der vorliegenden Arbeit konnte erstmals die Gesamtentwicklung der bis- herigen Leverkusener Sportgeschichte umfassend und unter Zuhilfenahme zahlrei- cher bisher unveröffentlichter Originalquellen dargestellt werden. Hierbei standen jedoch nicht die Ergebnisse und sportlichen Erfolge, die bereits in verschiedenen Publikationen aufgearbeitet worden sind, sondern die jeweiligen gesellschaftlichen, sportpolitischen sowie stadtgeschichtliche Entwicklungstendenzen als Leitlinie im Fokus der Untersuchung.Im Ergebnis wird dabei vor allem deutlich, dass die Entwicklung und die Organi- sation des Sports in Leverkusen insgesamt den besonderen Bedingungen vor Ort geschuldet ist und insoweit nur teilweise parallel zum übrigen Deutschland verlief.Zunächst kam es beginnend in den 1880er Jahren im vergleichsweise dünn besie- delten Raum des heutigen Stadtgebietes wie fast überall im Deutschen Kaiserreich zur Gründung von Vereinen, die sich programmatisch überwiegend an Ludwig Jahn und den traditionellen Leitlinien der konservativen Deutschen Turnerschaft orien- tierten. Durch die Entscheidung der Firma Bayer, am Rhein in der Nähe von Wiesdorf einen neuen Werksstandort aufzubauen, etablierten sich ab dem Jahr 1904 zusätzlich Vereine, die sich von Beginn an durch eine stark ideologisch geprägte, personelle und wirtschaftliche Anbindung an den Chemiekonzern auszeichneten. Während der Weimarer Republik entwickelte sich neben Turnen und Spiel vor allem der Sport zu einem bedeutsamen Teil der Alltags- und Massenkultur.Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten und der damit einher- gehenden Zerschlagungs- und Gleichschaltungspolitik kam es auch in der noch jungen Stadt Leverkusen zu einer deutlichen Zäsur in der Sportentwicklung, die jedoch im Vergleich zum übrigen Deutschland abgeschwächt ausfiel. Denn die bereits in Kaiserzeit und Weimarer Republik etablierten Traditionen betrieblicher Sozialpolitik und das darin fest verankerte Sportvereinswesen erwiesen sich als wirk- sames Bollwerk gegen die Tendenzen der Zeit.Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgte ein Neuaufbau des Sports von der Vereinsebene aus, bei dem an bewährte Strukturen und Kontinuitäten aus der Weimarer Republik angeknüpft wurde. Einhergehend mit der positiven wirtschaft- lichen Entwicklung des Bayerwerkes und dem 1955 errungenen Status einer kreis- freien Stadt verbesserte sich zudem die kommunale Finanzlage Leverkusens nach- haltig. Deshalb konnte ab Mitte der 1960er Jahre auch eine systematische städtische Sportförderung betrieben werden. Das Image des bisher vornehmlich als „Chemie- stadt“ wahrgenommenen Mittelzentrums entwickelte sich infolge einer zunehmend sichtbareren spitzensportlichen Profilierung mehr und mehr zu dem einer „Sport- stadt“. Hierbei setzte die kommunale Sportverwaltung mit Projekten wie den Ferien- sportkursen und später dem Schulsportmodell eigene Akzente und profilierte sich in Teilbereichen als ein mit den etablierten Vereinen konkurrierender Anbieter vonSportdienstleistungen. Im Zuge dieser Entwicklung kam es auch zu Modernisierungs- tendenzen im vereinsgebundenen Sportangebot und zu einer Repositionierung der jeweiligen Einflussbereiche.Die Entwicklung bis Anfang der 1980er Jahre war zusätzlich auch durch den Bau einer stadtbildprägenden Sportstätteninfrastruktur gekennzeichnet, bei der die Stadt nicht zuletzt auch auf Grund von Finanzierungsproblemen immer wieder eine Koali- tion mit Bayer einging. Dabei genügten offenbar die auf dem ökonomischen Gewicht des Unternehmens aufbauende Verhandlungsposition und auch zahlreiche gut funktionierende informelle Kommunikationskanäle, um die Stadt praktisch immer im Sinne des Werkes agieren und entscheiden zu lassen.Während sich die Kommune immer aktiver in der Sportfürsorge engagierte, setzte bei praktisch allen freiwilligen sozialpolitischen Bayer-Leistungen, zu denen auch der Sportbereich zählte, zunehmend ein relativer Bedeutungsverlust ein. Parallel dazu veränderte sich die Unternehmenskultur der Bayer AG im Gefolge des Globalisie- rungsschubs bereits seit den 1980er-Jahren nachhaltig. Daher setzte später auch eine letztendlich beispiellose Restrukturierung der gesamten Sportförderung ein. Die in diesem Zusammenhang erklärte Abkehr vom Mäzenatentum im Bereich der Spitzen- sportförderung zugunsten einer klar fokussierten Sport-Sponsoring-Strategie stellte faktisch einen regelrechten Paradigmenwechsel in der Geschichte des Bayer-Sports dar. Aus der bereits 1993 eingeleiteten Repositionierung ging letztendlich aus- schließlich der Profifußball gestärkt hervor, während die Unterstützung für andere Mannschaftssportarten und die zuvor traditionell stark geförderte Leichtathletik von da an in mehreren Stufen bis zum Jahr 2015 sukzessive zurückgefahren wurde.Als die Stadt Leverkusen zu Beginn der 1990er Jahre in Folge wegbrechender Steuereinnahmen in die schwerste Finanzkrise ihrer Geschichte rutschte, wurde zusätzlich ein selbstverschuldeter Sanierungsstau im Bereich der Sportstätteninfra- struktur offensichtlich. Da notwendige Investitionen zur Substanzsicherung und für die fortschreitende Modernisierung insbesondere im Bereich der Bäder trotz zuvor kontinuierlich jährlicher Haushaltsüberschüsse über einen längeren Zeitraum unter- blieben waren, mussten nun Altanlagen abgerissen und teilweise durch Neubauten ersetzt werden. Die parallel dazu erfolgte Umwandlung des Sport- und Bäderamtes in einen kommunalen Eigenbetrieb war ebenfalls zentraler Bestandteil der Restruktu- rierungsbemühungen, um zukünftig ein moderneres Sportstättenmanagement und eine effizientere Sportverwaltung zu erreichen.Durch die in den Folgejahren praktizierte strategisch-planvolle Umsetzung eines konsequenten Konsolidierungskurses in Verbindung mit einer wirtschaftlicheren Betriebsführung haben sich die Entwicklungsperspektiven der Leverkusener Sport- stätten und damit auch des kommunalen Sportangebotes inzwischen wieder deutlich verbessert.

M3 - Dissertationsschrift

BT - Die Entwicklung des Sports in Leverkusen.

PB - Deutsche Sporthochschule Köln

CY - Köln

ER -

ID: 2877613