Geschlechtsbezogene Verzerrungen : Gender Bias in der sportmedizinischen Forschung?

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@article{1d90f59a212f419e8fc9bc1480a01fd1,
title = "Geschlechtsbezogene Verzerrungen : Gender Bias in der sportmedizinischen Forschung?",
abstract = "Die Aufmerksamkeit gegen{\"u}ber geschlechtsbezogenen Ph{\"a}nomenen ist in den vergangenen Jahren in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zunehmend gestiegen, auch in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften. Dies ist nicht zuletzt Forschungsarbeiten zu verdanken, die ermittelt haben, dass die Forschung in diesen Bereichen zwar durchaus den Anspruch erhebt, gleicherma{\ss}en zum Wohle der Gesundheit von M{\"a}nnern und Frauen zu arbeiten, jedoch von geschlechtsbezogenen Verzerrungen, dem sogenannten Gender Bias gepr{\"a}gt ist. Gender Bias oder geschlechtsbezogene Verzerrungseffekte entstehen im Forschungsprozess durch die Nichtber{\"u}cksichtigung von Geschlecht bzw. das Ignorieren der Relevanz von Geschlecht im Forschungsprozess, so dass die Validit{\"a}t der Forschungsergebnisse in Frage gestellt werden muss. Verschiedene Studien vor allem im Bereich der Gesundheitswissenschaften haben auf diese geschlechtsbezogenen Verzerrungseffekte aufmerksam gemacht und insbesondere drei Formen des Gender Bias identifiziert: 1. Androzentrismus/Gynozentrismus (tritt in der Forschung auf, wenn eine einseitig m{\"a}nnliche oder weibliche Perspektive eingenommen wird); 2. Geschlechterinsensibilit{\"a}t (bezeichnet die Ignoranz gegen{\"u}ber biologischen, psychischen oder sozialen Aspekten der Geschlechterdifferenzen); Ungleicher Bewertungsma{\ss}stab (hierbei geht es um die Relevanz von Geschlechterstereotypen, also gesellschaftlich weit verbreiteten Annahmen {\"u}ber die typischen Eigenschaften von Frauen und M{\"a}nnern, die als naturgegebene, „geschlechtsspezifische“ Parameter in die Forschung eingehen). Inwiefern der Gender Bias auch auf Forschungen im Bereich der Sportmedizin zutrifft, ist Gegenstand eines vom Interdisziplin{\"a}ren Genderkompetenzzentrum in den Sportwissenschaften (IGiS) initiierten Projektes, das vom Bundesministerium f{\"u}r Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europ{\"a}ischen Sozialfond f{\"u}r Deutschland (ESF) gef{\"o}rdert wurde. Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchungen stehen hier zum einen Inhaltsanalysen von sportmedizinischen Artikeln und deren Abstracts und zum anderen Interviews mit zentralen Akteuren des Wissenschaftssystems {\"u}ber das Ph{\"a}nomen und die Ursachen von Gender Bias in der Forschung. Die bislang vorgestellten Befunde legen nahe, dass auch im breit gef{\"a}cherten Feld der sportmedizinischen Forschung Gender Bias u.a. in Form des Androzentrismus und der Geschlechterinsensibilit{\"a}t vorkommt. Um {\"u}ber die Ursachen dieses Ph{\"a}nomens Aufschluss zu erhalten und Ansatzpunkte zur Intervention zu entwickeln, wurden Interviews mit Experten und Expertinnen der Sportmedizin gef{\"u}hrt (z. B. mit Herausgeber(inne)n und Gutachter(inne)n von Zeitschriften, Akteuren aus Institutionen der Forschungsf{\"o}rderung). Die Aussagen bringen eine F{\"u}lle von Befunden hervor, die heterogene und zum Teil auch widerspr{\"u}chliche Perspektiven zur Relevanz oder auch Irrelevanz der Ber{\"u}cksichtigung von Geschlecht im Forschungsprozess geben. Die Ergebnisse aus den Inhaltsanalysen und den Interviews werden abschlie{\ss}end – so das Ziel des Gesamtprojektes – analog zu den bereits existierenden Richtlinien zur Vermeidung von Gender Bias in der Gesundheitsforschung in Leitlinien f{\"u}r den Bereich der sportbezogenen Gesundheitsforschung {\"u}berf{\"u}hrt. Schiffer (unter Verwendung w{\"o}rtlicher Textpassagen)",
keywords = "Diskriminierung, Geschlechterforschung, Sportmedizin, Sportsoziologie",
author = "Ilse Hartmann-Tews and Bettina Rulofs and Claudia Combrink and Klara Brixius",
year = "2012",
language = "Deutsch",
volume = "17",
pages = "30--39",
journal = "IMPULSE -- Das Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule K{\"o}ln",
issn = "2192-3531",
number = "(2)",

}

RIS

TY - JOUR

T1 - Geschlechtsbezogene Verzerrungen : Gender Bias in der sportmedizinischen Forschung?

AU - Hartmann-Tews, Ilse

AU - Rulofs, Bettina

AU - Combrink, Claudia

AU - Brixius, Klara

PY - 2012

Y1 - 2012

N2 - Die Aufmerksamkeit gegenüber geschlechtsbezogenen Phänomenen ist in den vergangenen Jahren in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zunehmend gestiegen, auch in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften. Dies ist nicht zuletzt Forschungsarbeiten zu verdanken, die ermittelt haben, dass die Forschung in diesen Bereichen zwar durchaus den Anspruch erhebt, gleichermaßen zum Wohle der Gesundheit von Männern und Frauen zu arbeiten, jedoch von geschlechtsbezogenen Verzerrungen, dem sogenannten Gender Bias geprägt ist. Gender Bias oder geschlechtsbezogene Verzerrungseffekte entstehen im Forschungsprozess durch die Nichtberücksichtigung von Geschlecht bzw. das Ignorieren der Relevanz von Geschlecht im Forschungsprozess, so dass die Validität der Forschungsergebnisse in Frage gestellt werden muss. Verschiedene Studien vor allem im Bereich der Gesundheitswissenschaften haben auf diese geschlechtsbezogenen Verzerrungseffekte aufmerksam gemacht und insbesondere drei Formen des Gender Bias identifiziert: 1. Androzentrismus/Gynozentrismus (tritt in der Forschung auf, wenn eine einseitig männliche oder weibliche Perspektive eingenommen wird); 2. Geschlechterinsensibilität (bezeichnet die Ignoranz gegenüber biologischen, psychischen oder sozialen Aspekten der Geschlechterdifferenzen); Ungleicher Bewertungsmaßstab (hierbei geht es um die Relevanz von Geschlechterstereotypen, also gesellschaftlich weit verbreiteten Annahmen über die typischen Eigenschaften von Frauen und Männern, die als naturgegebene, „geschlechtsspezifische“ Parameter in die Forschung eingehen). Inwiefern der Gender Bias auch auf Forschungen im Bereich der Sportmedizin zutrifft, ist Gegenstand eines vom Interdisziplinären Genderkompetenzzentrum in den Sportwissenschaften (IGiS) initiierten Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfond für Deutschland (ESF) gefördert wurde. Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchungen stehen hier zum einen Inhaltsanalysen von sportmedizinischen Artikeln und deren Abstracts und zum anderen Interviews mit zentralen Akteuren des Wissenschaftssystems über das Phänomen und die Ursachen von Gender Bias in der Forschung. Die bislang vorgestellten Befunde legen nahe, dass auch im breit gefächerten Feld der sportmedizinischen Forschung Gender Bias u.a. in Form des Androzentrismus und der Geschlechterinsensibilität vorkommt. Um über die Ursachen dieses Phänomens Aufschluss zu erhalten und Ansatzpunkte zur Intervention zu entwickeln, wurden Interviews mit Experten und Expertinnen der Sportmedizin geführt (z. B. mit Herausgeber(inne)n und Gutachter(inne)n von Zeitschriften, Akteuren aus Institutionen der Forschungsförderung). Die Aussagen bringen eine Fülle von Befunden hervor, die heterogene und zum Teil auch widersprüchliche Perspektiven zur Relevanz oder auch Irrelevanz der Berücksichtigung von Geschlecht im Forschungsprozess geben. Die Ergebnisse aus den Inhaltsanalysen und den Interviews werden abschließend – so das Ziel des Gesamtprojektes – analog zu den bereits existierenden Richtlinien zur Vermeidung von Gender Bias in der Gesundheitsforschung in Leitlinien für den Bereich der sportbezogenen Gesundheitsforschung überführt. Schiffer (unter Verwendung wörtlicher Textpassagen)

AB - Die Aufmerksamkeit gegenüber geschlechtsbezogenen Phänomenen ist in den vergangenen Jahren in verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen zunehmend gestiegen, auch in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften. Dies ist nicht zuletzt Forschungsarbeiten zu verdanken, die ermittelt haben, dass die Forschung in diesen Bereichen zwar durchaus den Anspruch erhebt, gleichermaßen zum Wohle der Gesundheit von Männern und Frauen zu arbeiten, jedoch von geschlechtsbezogenen Verzerrungen, dem sogenannten Gender Bias geprägt ist. Gender Bias oder geschlechtsbezogene Verzerrungseffekte entstehen im Forschungsprozess durch die Nichtberücksichtigung von Geschlecht bzw. das Ignorieren der Relevanz von Geschlecht im Forschungsprozess, so dass die Validität der Forschungsergebnisse in Frage gestellt werden muss. Verschiedene Studien vor allem im Bereich der Gesundheitswissenschaften haben auf diese geschlechtsbezogenen Verzerrungseffekte aufmerksam gemacht und insbesondere drei Formen des Gender Bias identifiziert: 1. Androzentrismus/Gynozentrismus (tritt in der Forschung auf, wenn eine einseitig männliche oder weibliche Perspektive eingenommen wird); 2. Geschlechterinsensibilität (bezeichnet die Ignoranz gegenüber biologischen, psychischen oder sozialen Aspekten der Geschlechterdifferenzen); Ungleicher Bewertungsmaßstab (hierbei geht es um die Relevanz von Geschlechterstereotypen, also gesellschaftlich weit verbreiteten Annahmen über die typischen Eigenschaften von Frauen und Männern, die als naturgegebene, „geschlechtsspezifische“ Parameter in die Forschung eingehen). Inwiefern der Gender Bias auch auf Forschungen im Bereich der Sportmedizin zutrifft, ist Gegenstand eines vom Interdisziplinären Genderkompetenzzentrum in den Sportwissenschaften (IGiS) initiierten Projektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Europäischen Sozialfond für Deutschland (ESF) gefördert wurde. Im Mittelpunkt der empirischen Untersuchungen stehen hier zum einen Inhaltsanalysen von sportmedizinischen Artikeln und deren Abstracts und zum anderen Interviews mit zentralen Akteuren des Wissenschaftssystems über das Phänomen und die Ursachen von Gender Bias in der Forschung. Die bislang vorgestellten Befunde legen nahe, dass auch im breit gefächerten Feld der sportmedizinischen Forschung Gender Bias u.a. in Form des Androzentrismus und der Geschlechterinsensibilität vorkommt. Um über die Ursachen dieses Phänomens Aufschluss zu erhalten und Ansatzpunkte zur Intervention zu entwickeln, wurden Interviews mit Experten und Expertinnen der Sportmedizin geführt (z. B. mit Herausgeber(inne)n und Gutachter(inne)n von Zeitschriften, Akteuren aus Institutionen der Forschungsförderung). Die Aussagen bringen eine Fülle von Befunden hervor, die heterogene und zum Teil auch widersprüchliche Perspektiven zur Relevanz oder auch Irrelevanz der Berücksichtigung von Geschlecht im Forschungsprozess geben. Die Ergebnisse aus den Inhaltsanalysen und den Interviews werden abschließend – so das Ziel des Gesamtprojektes – analog zu den bereits existierenden Richtlinien zur Vermeidung von Gender Bias in der Gesundheitsforschung in Leitlinien für den Bereich der sportbezogenen Gesundheitsforschung überführt. Schiffer (unter Verwendung wörtlicher Textpassagen)

KW - Diskriminierung

KW - Geschlechterforschung

KW - Sportmedizin

KW - Sportsoziologie

M3 - Zeitschriftenaufsätze

VL - 17

SP - 30

EP - 39

JO - IMPULSE -- Das Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Köln

JF - IMPULSE -- Das Wissenschaftsmagazin der Deutschen Sporthochschule Köln

SN - 2192-3531

IS - (2)

ER -

ID: 176929