Leistungsentwicklung im Nachwuchs des deutschen Schwimmsports

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Einleitung: Karrieren von Spitzensportler*innen verlaufen selten linear (Gulbin et al., 2013). Das Paradigma, Talente früh zu finden, um sie konsequent zu fördern, scheint zwar plausibel, ist aber wenig vielversprechend (Güllich & Emrich, 2006). Während bereits bei 11-jährigen Schwimmer*innen Wettkampfleistungen Kaderzugehörigkeiten definieren, werden die komplexen Faktoren zur Prognose zukünftiger Entwicklung oft außer Acht gelassen. Mit dem Ziel, weiteren Aufschluss über die Durchlässigkeit im Nachwuchsbereich des deut-schen Schwimmsports zu erhalten, wird die Leistungsentwicklung deutscher Schwim-mer*innen untersucht.
Methode: Hierzu wurden die Wettkampfleistungen der Geburtsjahrgänge 1993-1995 in 13 Schwimmstrecken und acht aufeinanderfolgenden Jahren (11-18 Jahren) innerhalb der veröffentlichten Jahrgangsbestenlisten nachvollzogen (DSV, 2014). Ermittelt wurde: (i) der prozentuale Anteil aller 11-Jährigen, die mit 18 Jahren noch in mindestens einer Bestenliste vertreten waren (n=1.888); (ii) der Zusammenhang zwischen der besten Leistung (in FINA-Punkten) im Alter von 18 Jahren und dem Alter bei der ersten Platzierung in den Bestenlisten (n=1.705; t-Test); (iii) wie viele Schwimmer*innen der Nationalmann-schaft (n=24) bereits mit 11 Jahren in mindestens einer Jahrgangsbestenliste vertreten waren.Ergebnisse: (i) 31,8% der betrachteten 11-Jährigen waren mit 18 Jahren noch in mindestens einer der Bestenlisten vertreten; (ii) Je höher die Leistung mit 18 Jahren, desto jünger waren Schwimmer*innen bei der ersten Platzierung (rs = −.596, p = .000, n = 1,705); (iii) 23 von 24 Nationalmannschaftsschwimmer*innen waren mit 11 Jahren in den Bestenlisten vertreten.Diskussion: Die Untersuchung zeigt einen klassischen pyramidalen Aufbau einer fast ausschließlich linearen Leistungsentwicklung im deutschen Nachwuchsleistungssport Schwimmen. Schwimmer*innen, die später in den Bestenlisten auftauchen, entwickeln sich nicht zu den Besten ihres Jahrgangs. Ein relativer Alterseffekt kommt für 11-jährige Schwim-mer*innen hinzu (Staub et al., 2021). Folglich muss festgestellt werden, dass dem Schwimmsport Potential an erfolgreichen Athlet*innen im langfristigen Leistungsaufbau verloren geht.
Literatur:DSV. (2014). Bestenlisten des Deutschen Schwimmvebandes e.V. Zugriff am 13.05.2014.http://www.dsv.de/schwimmen/wettkampf-national/bestenlisten/Gulbin, J., Weissensteiner, J., Oldenziel, K., & Gagné, F. (2013). Patterns of performance development in elite athletes. European journal of sport science, 13(6), 605-614.
Güllich, A., & Emrich, E. (2006). Evaluation of the support of young athletes in the elite sports system. European Journal for Sport and Society, 3(2), 85-108.Staub, I., Stallman, R. K., & Vogt, T. (2020). The relative age effect in German 11-18-year-old male and female swimmers. German Journal of Exercise and Sport Research, 50(4), 453-462.
Original languageGerman
Title of host publicationSport, Mehr & Meer : Sportwissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung
Volume298
Place of PublicationHamburg
PublisherFeldhaus Edition Czwalina
Publication date03.2022
Pages469
ISBN (Print)978-3-88020-703-5
Publication statusPublished - 03.2022

ID: 6585495

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