Professionalisierungsprozesse in ästhetisch-leiblicher Dimension: Ansatzpunkte berufsbiographischer Arbeit in der Sportlehrer/innenbildung

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FRAGESTELLUNG / ZIELSETZUNG DES BEITRAGS Auf Basis (berufs-)biographischer Professionalisierungstheorien sollen im geplanten Beitrag Herausforderungen der Sportlehrer/innenbildung erörtert werden. Im Rahmen des QLB-Projekts Schulsport 2020 werden derzeit Lehr-Lernwerkzeuge entwickelt und erprobt, deren Ziel es u.a. ist, mit Studierenden sportbiographische Erfahrungen und verinnerlichte Überzeugungen zum Lehren und Lernen im Fach Sport zu erörtern und im Sinne einer professionellen Entwicklung zugänglich zu machen. Verstanden als work-in-progress werden erste Erkenntnisse, die im laufenden Wintersemester dazu gesammelt werden, vorgestellt und diskutiert. Gemeinsames Ziel dieser Ansätze ist es, nicht allein Reflexionsprozesse auszulösen, sondern idealiter auch (handlungswirksame) Einstellungsänderungen zu bewirken. THEORETISCHE EINORDNUNG Individuelle Zugänge zu einem Studium des Lehramtsfaches Sport sind vielfach nachhaltig durch eigene Sport- und Bewegungserfahrungen in Schule und Verein geprägt. Ebenso orientieren sich Bewertungen des Studienfortschritts und der professionellen Entwicklung oft an der Logik des organisierten Sports und scheinen wirkmächtiger als z.B. (sport-)pädagogische Erkenntnisse (vgl. Klinge, 2007). Die allgemein belegte Schwierigkeit, reflexiv gestützte Professionalisierungsprozesse anzubahnen (vgl. Lehmann-Rommel, 2014), scheint im Bereich der Bildung von Sportlehrkräften besonders gravierend angesichts sich hartnäckig haltender praktischer Erfahrungen am eigenen Leib. Der berufsbiographische Ansatz liefert hier eine geeignete, beinahe notwendige Folie, um inkorporierte und möglicherweise problematische berufs- und unterrichtsbezogene Vorstellungen und Überzeugungen bewusst werden zu lassen und ein In-Distanz-Treten zu sich selbst und dem Gegenstand Sport zu ermöglichen.   FORSCHUNGSSTAND Im Rahmen der Sportlehrerbildung wurden in jüngerer Zeit verschiedentlich Versuche unternommen, Reflexionskompetenz durch kasuistisches Arbeiten anzubahnen und zugleich empirisch zu überprüfen (vgl. Lüsebrink & Grimminger, 2014; Guardiera et al., 2018). Wenngleich die Ergebnisse in Hinblick auf eine gesteigerte Reflexionstiefe als ambivalent einzustufen sind, scheinen sich immerhin zuweilen Perspektivwechsel einzustellen, so dass ein Mehrwert für Professionalisierungsprozesse der Lehramtsstudierenden grundsätzlich gegeben ist. Als Schwäche bisheriger Ansätze wird die häufig vorzufindende Vernachlässigung eigener Erfahrungsbestände angesehen. Lüsebrink (2014) leitet in diesem Zusammenhang die Forderung ab, stärker auch ästhetische Erfahrungen (verstanden als Erfahrungen mit Erfahrung) einzubeziehen, um nachhaltige, im besten Falle handlungswirksame Einstellungsänderungen zu erreichen. KONZEPTIONELLE ANSÄTZE Die vorzustellenden Lehr-Lernwerkzeuge greifen Lüsebrinks (2014) Vorschlag der Berücksichtigung eines ästhetisch-einfühlenden Zugangs auf, indem eigene Ideal-Vorstellungen (1) und eigene Fälle (2) thematisiert werden. So zeigen die Lehr-Lernwerkzeuge jeweils unterschiedliche Möglichkeiten auf, persönliche Betroffenheit zu erreichen und aufgeschichtete Erfahrungen in der Rolle als Sportler/Sportlerin, als Schüler/Schülerin und als (angehende/r) Sportlehrer/Sportlehrerin zum Gegenstand professioneller Bearbeitung zu machen: Im Sinne eines Einstiegs in eine solche ästhetische Reflexion kann die Visualisierung internalisierter Bilder von idealem Sportunterricht verstanden werden, die einander gegenübergestellt und re- bzw. dekonstruiert werden (1). Die Schilderung und gemeinsame Analyse selbst erlebter (Problem-)Fälle im Sportunterricht verknüpft gezielt sachgegenständliches und pädagogisch-didaktisches Wissen mit persönlichen Erfahrungsbeständen und didaktischen Überzeugungen und strebt danach, nicht allein das Ausmaß an (Selbst-)Reflexivität zu erhöhen, sondern auch Grundlagen für Einstellungsänderungen zu legen und damit potentiell handlungswirksam zu werden (2). DISKUSSION Die ganzheitlich-leibliche Dimension erzeugt nicht nur eine gewisse Sonderstellung des Sportunterrichts im schulischen Fächerkanon, sondern birgt auch besondere Anforderungen an die professionelle Entwicklung der Lehrkräfte. Unter einer berufsbiographischen Perspektive bietet insbesondere der Rollenwechsel hin zu einer professionellen Sportlehrperson spezifische Herausforderungen, einverleibte Sportpraxen und Vermittlungsvorstellungen aufzubrechen und zu hinterfragen. Ebenso scheint aber gerade die Bearbeitung körperlich-bewegungsbezogener Erfahrungen einschließlich ihrer Reflexion Chancen für eine professionelle Entwicklung zu bieten ??. Mit Bezug auf diese Rahmung sollen die vorgestellten Ansätze einer kritischen Betrachtung und Diskussion unterzogen werden. LITERATUR Guardiera, P., Podlich, C. & Reimer, A. (2018). Zum Aufbau einer reflexiv-forschenden Grundhaltung mittels Fallarbeit – ausgewählte Ergebnisse eines Lehrkonzepts im Rahmen des Praxissemesters. Zeitschrift für Studium und Lehre in der Sportwissenschaft 1(1), 21-26. Klinge, A. (2007). Entscheidungen am Körper. Zur Grundlegung von Kompetenzen in der Sportlehrerausbildung. In W.D. Miethling & P. Gieß-Stüber (Hrsg.), Beruf Sportlehrer/in, S. 25-38. Baltmannsweiler: Schneider-Hohengehren. Lehmann-Rommel, R. (2014). Wie mit Wertungen in Beobachtungen arbeiten? journal für lehrerinnenbildung 1, 44-50. Lüsebrink, I. (2014). Der Ansatz einer biografisch orientierten Fallarbeit – dargestellt an einem Beispiel aus der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung. Beiträge zur Lehrerinnen- und Lehrerbildung, 32(3), 444-457. Lüsebrink, I. & Grimminger, E. (2014). Fallorientierte Lehrer/innenausbildung evaluieren – Überlegungen zur Modellierung von unterrichtsbezogener Reflexionskompetenz. In I. Pieper, P. Frei, K. Hauenschild und B. Schmidt-Thime. (Hrsg.), Was der Fall ist, S. 201-2011. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
Original languageGerman
Title of host publication Flickenteppich Lehrerbildung? Professionalisierungsstrategien in Forschung und Praxis am 1. und 2. April 2019 an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Number of pages2
Publication date2019
Publication statusPublished - 2019

ID: 4920493

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